Theos Farm in Oer

Gesunde Ernährung im Trend – darum profitieren Biobauern von Corona

Billigfleisch steht seit dem Tönnies-Skandal in der Kritik. Verbraucher entscheiden sich häufiger für Bio-Produkte. Theo Schürmann zählt zu den Pionieren der Ökobewegung in Oer-Erkenschwick.
Theo Schürmann füttert hier seine Landschweine - natürlich nur mit Futter aus ökologischem Anbau. Das Fleisch vermarktet er selbst im Hofladen von „Theos Farm“. © Jörg Gutzeit

Als Theo Schürmann 1982 den elterlichen Bauernhof am Börster Grenzweg in Oer-Erkenschwick übernahm, war von Tierwohl noch keine Rede. Spätestens seit der Corona-Krise und dem Skandal beim Fleischwaren-Unternehmen Tönnies steht Billigfleisch massiv in der Kritik. Vielen Menschen wurden die Augen geöffnet für Massentierhaltung, Quälerei bei Tiertransporten und Lohndumping in der Fleischbranche. Bio-Produkte sind seither gefragter denn je.

Der Oer-Erkenschwicker Landwirt (63) hatte schon 1987 seinen Betrieb komplett auf Bio umgestellt, ist Mitglied des Bioland-Verbandes: „Wohl auch bedingt durch Corona haben wir im vergangenen Jahr einen regelrechten Boom erlebt. Für neue Kunden war der Einkauf auf dem Land zudem eine willkommene Abwechslung in Lockdown-Zeiten.“

Schweine riechen und Hühner füttern auf dem Bio-Bauernhof

Viele Kunden nehmen die ganze Familie zum Bio-Shopping auf „Theos Farm“ in Oer-Erkenschwick mit. „Wo können Kinder denn heute noch erfahren, wie Schweine riechen und grunzen“, sagt Schürmann. Füttern ist natürlich erlaubt. Das gilt auch für die 200 freilaufenden Hühner. „Allerdings nur mit Biogetreide oder biologisch angebautem Gemüse“, meint Theo Schürmann.

Für die Hühner, die braune Eier legen, hat der Landwirt übrigens eine Ausnahmegenehmigung bekommen. Normalerweise muss man Bio-Hühner schon um 10 Uhr aus dem Stall lassen. Für Theos Federvieh öffnen sich die Türen aber erst um 11 Uhr. Nicht ohne Grund: Wegen zahlreicher „Freigänger“ wird das Eier-Einsammeln für Theo oft zur „Ostereiersuche“. Manche Hennen verstecken die Eiweißspender nämlich auch mal im Pferdestall zwischen Heuballen oer anderswo. Bis 11 Uhr sollten in der Regel aber die meisten Eier im Stall gelegt sein.

In Oer-Erkenschwick leben glückliche Schweine im geräumigen Stall

Mindestens genauso glücklich wie die 17 Rindviecher auf der Weide sind die 13 gefleckten Landschweine auf Theos Farm. Im einem geräumigen Stall in Oer-Erkenschwick wälzen sie sich auf frischem Stroh. Geschlachtet werden die Tiere auswärts. Schürmann liefert die Schweine persönlich bei einem Betrieb in Selm ab, die Rinder in Waltrop bei Landwirt Willi Sißmann. Dort werden sie fachmännisch zerlegt. Bioschnitzel, -wurst und -steaks verkauft Theo in seinem Hofladen.

Dort gibt es neben dem üblichen Bio-Sortiment auch noch frisches Obst aus ökologischen Anbau auf dem Oerer Bauernhof. Dort hat sich die Nachfrage nach Bio-Produkten wieder etwas normalisiert. Schürmann führt das auf die Coronaschutz-Lockerungen zurück: „Die Leute können auch woanders wieder etwas erleben. Außerdem stellt sich der Lebensmittel-Einzelhandel immer mehr auf die Kundenwünsche ein und bietet selbst zahlreiche frische Bio-Produkte an.“

So beliefert der Bioland-Verbund jetzt auch einen großen Lebensmittel-Discounter.

Bioland beliefert auch einen großen Lebensmittel-Discounter

„Die erforderlichen Mengen in gleichbleibender Qualität könnte ich aber nicht liefern. Das ist nur etwas für große Betriebe“, meint der Ökobauer aus Oer-Erkenschwick. So verfüttert er das Getreide an seine Hühner und Schweine, den Hafer an die Pferde, die bei ihm untergestellt sind. Alles Übrige vermarktet er über Direktverkauf im gemütlichen Hofladen selbst.

Schürmann, der zu den Mitbegründern der Grünen Liste in Oer-Erkenschwick zählt und einer der Pioniere der ökologischen Bewegung in Oer-Erkenschwick war, freut sich jedenfalls, dass der Trend immer mehr zu Bio geht. Um die Bio-Kartoffeln von Theos Farm ist es diesmal allerdings schlecht bestellt. Als er jetzt von einem seiner seltenen Urlaube mit Bahn und Fahrrad in der Uckermark zurückkehrte, fand er zwar keine Kartoffelkäfer auf dem Acker: „Aber die Krautfäule hat bei dem nassen Wetter die Kartoffeln erwischt.“

Artgerechte Tierhaltung – KeINE GENTECHNIK ERLAUBT
  • Als Bio-Lebensmittel werden Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft nach EU-Recht bezeichnet. Sie müssen aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sei.
  • Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger oder Klärschlamm sind beim Anbau nicht erlaubt. Tiere müssen artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung gehalten werden und in der Regel nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt wurden.
  • Der Anbauverband Bioland wurde 1971 gegründet und zählt inzwischen 8.500 Betriebe aus der Bio-Landwirtschaft, -Imkerei und dem Weinbau in Deutschland und Südtirol, die nach den strengen Bioland-Richtlinien wirtschaften. Zu Bioland gehören auch 1.300 Hersteller, Händler und Gastronomen, die die Erzeugnisse zu hochwertigen Lebensmitteln weiterverarbeiten.
  • Theos Farm, Börster Grenzweg 56, 45739 Oer-Erkenschwick: Der Hofladen (Tel. 02368/6987903) ist montags, mittwochs, donnerstags, freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 9 bis 14 Uhr.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.