Rad-Touristik

Grüne in Oer-Erkenschwick: Bürgermeister Wewers (CDU) ist herablassend

Er schreibt den Grünen, ihr Vorstoß für den beschleunigten Bau der König-Ludwig-Trasse basiere auf „Informationsdefiziten“. Den Dattelner Grünen wirft er vor, sie wollten die Trasse verhindern
Überwindet Straßen: die König-Ludwig-Trasse an der Schulstraße in Recklinghausen-Suderwich. © Jörg Gutzeit

Die Grünen werfen Bürgermeister Carsten Wewers (CDU) einen „herablassenden und belehrenden Ton“ im Umgang mit ihrer Fraktion vor – und dies geschehe nicht zum ersten Mal. Eine vertrauliche Zusammenarbeit werde dadurch erheblich erschwert, sagt der Fraktionsvorsitzende Armin Ziesmann.

Anlass ist ein Antwortschreiben von Wewers auf den Vorstoß der Grünen, den für 2027 geplanten Lückenschluss der König-Ludwig-Trasse vorzuziehen. Möglich sei dies mithilfe des NRW-Fördermittelprogramms „Grüne Infrastruktur“. Wie es bei politischen Initiativen üblich ist, hatten die Grünen ihr Ansinnen auch an unsere Redaktion verschickt.

Armin Ziesmann: „Die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister wird erheblich erschwert.” © privat © privat

Diesen Umstand nimmt Wewers zum Anlass, Ziesmann und seiner Fraktion vorzuhalten, „dass es Ihnen dabei weniger um die Beschleunigung beziehungsweise Verkürzung des laufenden Planverfahrens und einer zeitnahen Realisierung des Radweges geht, als vielmehr um das Bemühen, damit möglichst große öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen“. Dafür spreche „in der Tat“ auch der gewählte Zeitpunkt für die Initiative – „nämlich mitten im eher ereignisarmen Bundestagswahlkampf“, so der CDU-Bürgermeister.

Castrop-Rauxel erhält die Federführung

Darüber hinaus unterstellt Wewers den Grünen Informationsdefizite. Das von ihnen vorgeschlagene Förderprogramm sei ungeeignet für den Bau einer Fahrradtrasse. Demgegenüber läge ihm aber zwischenzeitlich die definitive Zusage des Regionalverbands Ruhr (RVR) vor, wonach die 5,2 Millionen Euro für die Finanzierung des Radwegebaus „als gesichert angesehen werden kann“. Die am Projekt beteiligten Städte und der Regionalverband hätten sich darauf verständigt, dass die Stadt Castrop-Rauxel die Grundlagen für die Entwurfsplanung der

Trasse erstellen werde.

In seinem Schreiben an die Grünen führt Wewers weiter aus, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen zum Artenschutz äußerst zeitaufwendig und komplex seien. Die betroffenen Städte müssten Informationen und Unterlagen

über vorhandenen Natur- und Landschaftsschutzgebiete und geschützte

Naturdenkmale zur Verfügung stellen.

Wewers: Dattelner Grüne verhindern das Projekt

Vor diesem Hintergrund ruft der Bürgermeister die Oer-Erkenschwicker Grünen auf, Einfluss auf die Grünen in Datteln zu nehmen. Sie wollten den Weiterbau der König-Ludwig-Trasse verhindern, schreibt Wewers. Und weiter: „Sollte Ihnen die diesbezügliche Position der Dattelner Grünen tatsächlich nicht bekannt sein, rate ich zu einer umgehenden Kontaktaufnahme.“ Dadurch könne Ziesmann beweisen, wie ernst es ihm mit dem Einsatz für den Radweg wirklich sei.

Bürgermeister Carsten Wewers (CDU) wirft den Grünen vor, sie machten mit ihrem Vorstoß für die König-Ludwig-Trasse Wahlkampf. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Wewers kündigt an, sein Antwortschreiben „sowohl über die Lokalpresse zu veröffentlichen als auch den im Rat vertretenen Fraktionen unmittelbar zur Kenntnis zu geben“. In zwei Bauabschnitten sind bislang rund neun Kilometer Radweg auf der König-Ludwig-Trasse realisiert worden – vom Rhein-Herne-Kanal in Castrop-Rauxel bis zur Horneburger Straße südlich des Naturschutzgebietes Becklemer Busch in Recklinghausen-Suderwich.

Trasse soll um sechs Kilometer verlängert werden

In der Endausbaustufe soll die Trasse um etwa sechs Kilometer ergänzt werden. Sie würde dann bis zur Halde Ewald am ehemaligen Schacht Blumenthal/Haard in Oer-Erkenschwick führen. Dort würde der RVR gerne einen Anschluss an die Haard bauen, um Ausflüglern den Abstecher in das beliebte Naherholungsgebiet zu erleichtern.

Da der RVR bisher stets angekündigt hatte, dass das Vorhaben erst 2027 verwirklicht werden würde, hatten die Grünen einen alternativen Weg zur Finanzierung vorgeschlagen.

Die Trasse ist klasse

Es war so etwas wie der Ritterschlag: Im August war bekanntgegeben worden, dass die König-Ludwig-Trasse (KLT) im benachbarten Recklinghausen Einzug in die Ruhmeshalle der industriegeschichtlichen Sehenswürdigkeiten hält: Sie wird Teil der Themenrouten Westfälischer Bergbau und Erzbahn Emscherbruch des Regionalverbands Ruhr (RVR).

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