Feuchtwarm statt trocken

In der Stadt wuchert das Grün – dort schneidet der Bauhof zuerst

In den vergangenen Dürre-Sommern war die Gießkanne gefragt. Bei dem feuchtwarmen Wetter wuchert jetzt das Grün. Der Bauhof kommt mit dem Schnitt kaum nach, die Beschwerden häufen sich.
Es grünt ein bisschen zu viel: Im Stadtgebiet sprießt das Unkraut, wie hier an der Kreuzung Stimbergstraße/Klein-Erkenschwicker-Straße. © Meike Holz

Die Natur freut sich über den Regen. An allen Ecken und Enden sprießt zurzeit das Grün – allerdings auch auf den Gehwegen. Etlichen Bürgern ist der ausufernde Wildwuchs ein Dorn im Auge, bei der Stadt häufen sich die Beschwerden. Auch SPD-Vorsitzender Peter Duscha machte auf das Problem aufmerksam: „An manchen Stellen im Stadtgebiet verdeckt das Grün Autofahrern die Sicht auf andere Verkehrsteilnehmer, insbesondere Kinder. Der Wildwuchs ist eine große Gefahrenquelle, insbesondere wenn im August die Schule wieder beginnt.“

Priorität haben Bereiche, wo Fußgänger und Radfahrer gefährdet sind

„Das Grün an der Klein-Erkenschwicker-Straße in Höhe des Hünenplatzes und im Einmündungsbereich Stimbergstraße/ Von-Waldthausen-Straße haben Mitarbeiter unseres Bauhofs inzwischen heruntergeschnitten“, sagte der zuständige Fachdienstleiter Michael Grzeskowiak auf Nachfrage. Denn Verkehrsbereiche, wo Sichtbehinderungen Radfahrer und Fußgänger gefährden können, stehen bei der Grünpflege ganz oben auf der Prioritätenliste, natürlich auch Schulwege. „Aber die Bauhof-Mitarbeiter schaffen es nicht, gleichzeitig überall zu sein. Erst recht nicht in so einer ungewöhnlichen Situation wie jetzt. In den vergangenen Dürre-Sommern hatten wir das Problem nicht. Da mussten wir gießen, damit überhaupt etwas gewachsen ist“, sagt Grzeskowiak.

Deswegen bleibt zurzeit einiges an Wildkraut im Stadtgebiet stehen und wächst in die Höhe. „Das heißt aber nicht, dass der Bauhof eine Pause einlegt. Wir lassen die Stadt nicht vergammeln, alle Bereiche werden nach und nach abgearbeitet“, versichert der Fachdienstleiter.

Mit Blick auf den Artenschutz muss ein Umdenken stattfinden

Golfrasen auf städtischem Grün ist allerdings nicht mehr gefragt. „Wir haben zuletzt an etlichen Stellen Blühwiesen angelegt, um Lebensraum für Insekten zu schaffen und die Artenvielfalt zu stärken. Da kann auch schon mal Wildkraut stehen bleiben“, sagt Grzeskowiak. Der Fachdienstleiter ist der Auffassung, dass mit Blick auf den Klima- und Artenschutz ein Umdenken in den Köpfen stattfinden muss.

Das befreit Grundstückseigentümer laut Straßenreinigungssatzung allerdings nicht von der Gehweg-Reinigungspflicht. Bußgelder für Wildwuchs auf den Gehwegen hat die Stadt in der jüngsten Vergangenheit zwar nicht verhängt. „Nach Ansprache bringen die Anlieger das meist sofort in Ordnung“, sagt Grzeskowiak. Allerdings wächst in vielen Fällen bald wieder Gras drüber.

Gehwege in Oer-Erkenschwick müssen Anlieger selbst „fegen“

Mindestens dreimal die Woche bekommt die Stadt Beschwerden von Bürgern, die sich über ungepflegte Gehwege ärgern. Was manche nicht wissen: Die Stadt ist in der Regel für die Straßenreinigung zuständig, auf Gehwegen müssen laut Straßenreinigungssatzung die Anlieger aber selbst „fegen“. Kommt ein Anlieger seinen Reinigungspflichten nicht nach, kann er für die Folgen, wenn beispielsweise ein Fußgänger auf nassem Grün ausrutscht und sich dabei verletzt, haftbar gemacht werden.

Für öffentliche Gehwege ist allerdings der Baubetriebshof zuständig, der schon seit Jahren über Personal-Knappheit klagt. Etliche Mitarbeiter können zudem aus gesundheitlichen Gründen keine körperlich schweren Arbeiten mehr verrichten. Deswegen hat die Stadt sich vor eineinhalb Jahren dazu entschlossen, Langzeitarbeitslose vom Jobcenter auf dem Bauhof einzustellen. Der Vertrag für diese fünf Mitarbeiter wurde gerade um drei Jahre verlängert. „Insgesamt vier Beschäftigte werden wir über Vermittlung des Jobcenters noch zusätzlich für den Bauhof einstellen“, kündigt Grzeskowiak an.

Win-Win-Situation für Langzeitarbeitslose und Stadt Oer-Erkenschwick

Der Fachdienstleiter sieht das als Win-win-Situation für die Stadt und die Langzeitarbeitslosen, die damit eine Chance bekommen, sich wieder im ersten Arbeitsmarkt zu etablieren. Und die Stadt erhält aus dem Förderprogramm „Teilhabe am Arbeitsleben“ Lohnzuschüsse vom Jobcenter. In den ersten beiden Jahren jeweils einen Zuschuss von 100 %, in jedem weiteren Jahr wird dieser Zuschuss um 10 % reduziert, bei einer maximalen Förderdauer von fünf Jahren.

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