NABU-Zählaktion

Insektensommer: Es kreucht, fleucht und surrt weniger in der Natur

Der Naturschutzbund (NABU) hatte Bürger im August wieder zum Zählen von Insekten aufgerufen. Jetzt sind die Ergebnisse der Inventur in unserer Natur da - und stimmen Experten nachdenklich.
Dieser Schmetterling heißt "Tagpfauenauge" und kommt in unserer Region recht häufig vor. Der Falter schaffte es bei der Zählung auch unter die Top Zehn. © Ulrich Kamp

Die gute Nachricht vorweg: „Wir haben Insekten“, sagt Ulrich Kamp, Sprecher des Naturschutzbunds (NABU) Ostvest und seines Zeichens Natur-Experte für unsere Region. „Doch wir haben sie nicht flächendeckend“, erklärt der Oer-Erkenschwicker. Will heißen: Es gibt im Ostvest zahlreiche Stellen, an denen sich Insekten tummeln, wo vieles kreucht und fleucht, aber eben keine breite Masse an Krabblern, Faltern und Co., die überall in der Natur vertreten ist.

Ergebnisse sind magerer als im Vorjahr

Insgesamt seien die Ergebnisse des Insektensommers 2021, einer Mitmachaktion des NABU, bei der Laien in die Natur hinausgehen, schauen, welche Insekten ihnen dort begegnen und das dann notieren, „etwas magerer“ im Vergleich zum Vorjahr, bilanziert Kamp. Gründe dafür sieht der Experte mehrere. Da wäre zum einen die Wetterlage in diesem Jahr, denn der Sommer zeigte sich bisher überwiegend kühl und verregnet. Zum anderen die Methodik: Es sei für Laien schon recht kompliziert, Insekten in der freien Natur eindeutig zu bestimmen – Fehler sind dabei programmiert. Nicht zuletzt, weil viele Insekten schwer zu erkennende „Doppelgänger“ haben. „Bei der Heidelibelle gibt es neun verschiedene Arten“, nennt der NABU-Sprecher ein Beispiel. Und auch Marienkäfer ist nicht gleich Marienkäfer. Die genaue Zählung der Tierchen in unserer Natur ist also schwierig. Die Haupt-Ursache, warum aber bei uns in der Natur weniger Leben herrscht, als noch vor Jahren, sieht Kamp in Umwelteinflüssen. „Überall dort, wo der Boden intensiv behandelt wird, sieht man nichts mehr“, so der Experte. Gülle oder Pestizide seien im wahrsten Sinne des Wortes Gift für die Insekten und für das Gleichgewicht in Öko-Systemen. „Mais- und Rapsfelder sind auch nicht der Mega-Hammer für Insekten“.

Schmetterlinge und Mistkäfer fühlen sich bei uns wohl

Und welche Insekten sind bei uns im Ostvest nun häufig vertreten, welche kaum noch? Schmetterlinge, so scheint es, fühlen sich in Datteln, Oer-Erkenschwick und Waltrop recht wohl. „Den Admiral sieht man ganz viel“, sagt Kamp. Den Falter erkennt man an seinen roten Binden an den Flügeln. Auch Weißlinge, C-Falter oder das Tagpfauenauge flattern fröhlich und zahlreich durchs Ostvest. Und auch an Mistkäfern mangelt es nicht, stellt Kamp fest. Die Krabbler sind schwarz, dunkelbraun oder dunkelviolett, ihr Panzer schimmert meist metallisch. Sie leben in Wäldern und Feldern und graben zum Beispiel Hundekot um. „Die sind sehr robust“, so der Erkenschwicker Naturfreund. Hornissen, Wespen, Bienen und auch Schwebfliegen gebe es in diesem Sommer sehr wenig. „Die Wildbienen, die ich sehe, kann ich mit Handschlag begrüßen“, sagt Kamp, der oft und lange draußen unterwegs ist und unsere Natur genau beobachtet. Auch die Zeiten, in denen sich Radfahrer auf ihren Touren über große Schnaken als unliebsame Mitfahrer geärgert haben, oder Autofahrer im Sommer alle naselang ihre Windschutzscheibe von Insekten befreien mussten, seien vorbei, stellt Kamp fest. Zwar seien Schnaken, Wespen und Gewittertierchen nicht unbedingt des Menschen liebste Weggefährten. Für das Gleichgewicht in der Natur spielt aber jedes Tierchen seine ganz eigene, wichtige Rolle. Schwebfliegen, die übrigens Ähnlichkeit mit Wespen haben, aber nicht stechen, seien zum Beispiel wichtige Bestäuber, erklärt Kamp.

Wildwuchs tut den Insekten gut

Was können Städte und Bürger tun, um der Insektenlandschaft in unserer Region wieder mehr Leben einzuhauchen? Eine abwechslungsreiche Landschaft sei das A und O, damit sich Insekten wohlfühlen, weiß der Experte. „Eine Heckenlandschaft, das ist das, was die Insekten bringt“, sagt Kamp. Blühstreifen, wie sie an vielen Stellen in Datteln, Waltrop und Oer-Erkenschwick angelegt worden sind, seien zwar schön und gut, führen aber wieder nur zu einem konzentrierten Insektenaufkommen an bestimmten Stellen. Vielmehr könnte ein bisschen Wildwuchs und Unordnung in der einen oder anderen Ecke in den Städten und ihren Parks nicht schaden, erklärt Kamp. Jede Brennnessel, die stehen bleibt und nicht herausgerissen wird, dient zum Beispiel wieder als Nahrung für Schmetterlingsraupen. Und auch Gartenbesitzer können einiges für die Natur tun, macht der NABU-Sprecher deutlich: Einheimische Pflanzen anbauen oder einen kleinen Teich anlegen. „Das bringt Leben“.

Der NABU-Insektensommer 2021

29756 Beobachtungen sind in diesem Jahr beim NABU eingegangen. Die Ackerhummel landet auf Platz eins, der „Kleine Fuchs“, ein Schmetterling, flattert auf den zweiten Platz. Der Siebenpunkt-Marienkäfter belegt Platz drei, gefolgt vom großen Heupferd. Die Wildbiene schafft es auf Platz fünf, hinter ihr die Westliche Honigbiene auf Platz sechs. Der „Kleine Hohlweißling“, ein Schmetterling ist auf Platz sieben gelistet, hinter ihm das Tagpfauenauge auf Platz acht. Neunte ist die „Blaue Holzbiene“, die Schwebfliege (unbestimmt) macht die Top Zehn komplett.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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