Fair-Teiler-Hütte

Kleines Haus – großer Beitrag im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

Oer-Erkenschwick sagt der Lebensmittelverschwendung den Kampf an: Joghurt, Obst oder Gemüse, das sonst in der Tonne landen würde, kann in der „Fair-Teiler-Hütte“ unters Volk gebracht werden.
Der Kühlschrank in der Hütte ist voll: Darüber freuen sich Karin Lunemann und Pfarrer Reinhard Vehring. © Martin Pyplatz

Sie ist klein und nicht besonders auffällig, die graue Holzhütte, die direkt neben dem katholischen Pfarrzentrum St. Josef an der Otto-Hue-Straße steht. Und doch leistet sie einen ganz großen Beitrag in puncto Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Müllvermeidung. Das kleine Häuschen ist nämlich eine „Fair-Teiler-Hütte“. Das bedeutet, dass sich darin Lebensmittel befinden, die sonst möglicherweise weggeworfen worden wären.

Jeder kann mitmachen

Das Prinzip ist einfach: Jeder, der mehr Lebensmittel daheim hat, als er aufbrauchen kann, kann diese zur „Hütte“ bringen und dort anderen zur Verfügung stellen. Das kann der Kleingärtner sein, dessen Obstbäume mehr Kirschen abgeworfen haben, als man überhaupt essen oder einkochen kann. Oder die Familie, die sich beim Wocheneinkauf verschätzt und einfach zu viel eingekauft hat. Auch der Edeka-Supermarkt spendet aussortiertes Obst und Gemüse für das Häuschen, auch Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum fast erreicht haben und sich somit nicht mehr gut verkaufen lassen. An den Lebensmitteln, die dann in der „Hütte“ in Regalen und in dem zentralen Kühlschrank liegen, darf sich jeder bedienen. „Das ist ein Projekt von allen – für alle“, ist den Organisatoren wichtig zu betonen. Etwas über ein Jahr gibt es die „Fair-Teiler-Hütte“ nun schon in der Stimbergstadt.

Hütte wird gut angenommen

Mittlerweile hat sich der Sinn des kleinen Häuschens rumgesprochen. „Es wird sehr gut angenommen“, bilanziert Karin Lunemann vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Wenngleich Corona das Verteilen der Lebensmittel ein wenig ausgebremst habe. Alles in allem füllen und leeren sich die Regale und der Kühlschrank aber Woche um Woche. Es sind schon viele Lebensmittel aus der Hütte auf den Tellern, beziehungsweise in den Bäuchen statt in der Mülltonne gelandet. Das klappt natürlich nicht ganz von alleine: Ein Team von rund zehn Ehrenamtlichen schließt das Häuschen wochentags auf und ab, holt Lebensmittel von Supermärkten ab, sortiert Obst, Gemüse, Joghurt und Co. richtig ein, schmeißt Verdorbenes weg. Eine von ihnen ist Friederike Engels. Ein Mal pro Woche sammelt sie Spenden beim Edeka-Markt ein. „Manchmal rufen sie mich auch an, wenn sie etwas übrig haben“, sagt sie. Sie ist froh, dass vor Ort etwas gegen Lebensmittelverschwendung getan wird. Denn alles, was in der „Hütte“ landet, ist noch gut und genießbar. „Auch wenn mal eine Aprikose ein bisschen angedötscht ist, oder die Bananen braun sind“, sagt Engels. Für die Tonne seien sie aber dennoch zu schade. „Wir leben in einer Überflussgesellschaft, es wird so viel weggeschmissen“, findet auch Katharina Löchel, die das Projekt als Ehrenamtlerin unterstützt. Das sei nicht nur schade, sondern verschwende auch Energie und Ressourcen.

Leute nutzen das Projekt aus

Doch die „Fair-Teiler-Hütte“ hat auch ein Problem, wie das Team im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Es gebe Leute, die das Lebensmittelprojekt ausnutzen. Will heißen: Manch einer macht sich in dem kleinen Häuschen die Taschen voll und „plündert“ dort alles, um sich den Gang in den Supermarkt zu sparen. Überwacht wird das Häuschen nicht. Doch: „Das ist kein Einkaufsladen“, erklärt Pfarrer Reinhard Vehring. Es solle vielmehr ein stetes Kommen und Gehen sein. Wer etwas braucht, darf sich bedienen. Wer zuviel hat, gibt etwas ab. Dieser Kreislauf müsse aufrechterhalten werden. „Sonst geht das Projekt kaputt“, so das Team der „Fair-Teiler-Hütte“. Und das soll auf keinen Fall passieren. Denn mit Hilfe des kleinen Häuschens sollen künftig noch viele gute Lebensmittel vor der Mülltonne bewahrt werden.

Die „Fair-Teiler-Hütte“

Die Hütte ist ein gemeinsames Projekt der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde Oer-Erkenschwick und des Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) im Ostvest, der neuerdings auch in Haltern vertreten ist. Im April 2020 ist die Hütte an den Start gegangen. Finanziert wurde sie vom Bistum Münster.

Das Häuschen ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Jedermann kann dort brauchbare Lebensmittel abgeben. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zugleich darf sich dort jeder bedienen, der mag oder etwas benötigt. Einmal pro Woche macht ein Reinigungsdienst das Holzhäuschen sauber.

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