Bald nur noch Mietwagen

Letztes Taxiunternehmen schließt seine Filiale in Oer-Erkenschwick

Wer in Zukunft nachts ein Taxi braucht, sollte sich das rechtzeitig überlegen - und vorbestellen. Denn das letzte Taxiunternehmen hat seine Filiale vor Ort in Oer-Erkenschwick geschlossen.
Mit der Vielfalt an Taxiunternehmen ist es in Oer-Erkenschwick nun endgültig vorbei. Der letzte verbliebene Betrieb, das Unternehmen Taxi-Service, hat seine Dependance an der Stimbergstraße geschlossen und wird zu einem Mietwagen- und Patiententransportbetrieb umgebaut. © Archiv (dpa)

Als Fahrgast mit einem Taxi zu fahren, ist in Zukunft zumindest nachts in Oer-Erkenschwick keine Selbstverständlichkeit mehr. Denn das letzte am Ort existierende Unternehmen mit dem Namen „Taxi Service“ hat seinen Stützpunkt an der Stimbergstraße kurz vor der Einmündung in die Horneburger Straße geschlossen. „Wir haben unser Unternehmen am Hauptstandort in Datteln zusammengefasst“, erklärt Firmenchef Felix Meinert auf Nachfrage unserer Zeitung und nennt ausschließlich wirtschaftliche Gründe als Anlass für seinen Abschied aus Oer-Erkenschwick.

Zu wenig Personal und zu hohe Kosten

„Als Taxiunternehmen kämpfen wir schon seit längerem mit zwei Schwierigkeiten. Zum einen ist es uns kaum noch möglich, Personal zu rekrutieren und zum anderen brechen uns die Umsätze weg. Das Geschäft lohnt sich an vielen Tagen nicht mehr“, erläutert Felix Meinert. Er hat sich deshalb dazu entschieden, seinen Betrieb zu einem reinen Mietwagen- und Patiententransportunternehmen umzubauen. Einige seiner insgesamt zwölf Fahrzeuge will er weiterhin in Oer-Erkenschwick einsetzen. „Wer aber eine Droschke braucht, sollte rechtzeitig unter der sich nicht ändernden Rufnummer 02368/3222 ein Fahrzeug reservieren oder viel Geduld mitbringen“, sagt Felix Meinert.

Und was ist der Unterschied zwischen einem Mietwagen und einem Taxi? Ein Mietwagen unternimmt wie ein Taxi Personenfahrten, aber nur auf Bestellung. Im Gegensatz zu einem Taxi darf ein Mietwagen nicht an einem Taxistand um Kunden werben. Im Gegensatz zu einem Taxi besteht für einen Mietwagen dann aber keine Rund-um-die-Uhr-Einsatzpflicht. Ein Mietwagenunternehmer kann also seine Fahrzeuge nur beispielsweise in den umsatzstärkeren Zeiten einsetzen.

15 Taxi-Lizenzen sind in Oer-Erkenschwick möglich

Taxi- und Mietwagenlizenzen vergibt in der Region die Recklinghäuser Kreisverwaltung. „Aktuell sind bei uns noch vier Taxilizenzen, die zu einem Unternehmen gehören, für Oer-Erkenschwick registriert“, sagt Kreis-Sprecherin Svenja Küchmeister. Noch weitere elf würde der Kreis Recklinghausen für Taxis in der Stimbergstadt vergeben. „Aber die Taxi-Lizenzen werden im Augenblick nicht nachgefragt.“ Ganz im Gegenteil. Das Unternehmen Taxi-Service, dass offiziell schon Patiententransport-Service heißt, denkt darüber nach, seine Taxi-Lizenzen in solche für Mietwagen umzuwandeln. Neben der Personalnot und dem sinkenden Fahrtaufkommen stellen die gestiegenen Dieselpreise an den Tankstellen die Unternehmen der Taxi-Branche ebenfalls vor große Herausforderungen.

In Spitzenzeiten bis zu drei Taxiunternehmen in Oer-Erkenschwick

Blick zurück: In Oer-Erkenschwick gab es in Spitzenzeiten bis zu drei Taxi-Unternehmen, die mit ihren Fahrzeugen um Fahrgäste buhlten. Anfangs war der Oer-Erkenschwicker Betrieb Taxi Denninghaus der alleinige Platzhirsch. Denninghaus, das auch ein Busunternehmen war, das zahllose Schulkinder aus Oer-Erkenschwick zu den Zielen ihrer Klassenfahrten fuhr, gibt es schon lange nicht mehr. Konkurrenz bekam Denninghaus dann Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre durch den Recklinghäuser Taxi-Unternehmer Oswald Bley, der auch Lizenzen für Oer-Erkenschwick erworben hatte. Später kam noch der Betrieb „Taxi Schulz“ hinzu. Diese Unternehmen wurden damals noch neben den „Privatfahrten“ mit Aufträgen aus rund 60 Gastronomiebetrieben in Oer-Erkenschwick versorgt. Kaum jemand weiß heute noch, dass es in Oer-Erkenschwick mit der „Tenne“ am Berliner Platz und dem „Riff“ an der Engelbertstraße sogar zwei Discotheken gab, zwischen denen die Taxis damals schon beinahe eine Art Pendelverkehr eingerichtet hatten, für fünf D-Mark pro Tour. Heute gibt es am Stimberg kaum noch Kneipen, und damit bald auch keine Taxis mehr.

Sänfte war das erste Taxi

  • Laut Internet-Lexikon Wikipedia war die früheste Vorform des menschlichen Transports, die allerdings zunächst nur einer reichen Oberschicht in den Hochkulturen von China, Mesopotamien, Ägypten und später Reisenden in armen Ländern vorbehalten blieb, die Sänfte, die auch Palanquin genannt wurde. Dann gab und gibt es auch heute noch Lauf-Taxis, auch Rikscha, genannt. Es gibt heute Fahrradtaxis, Pferdedroschken, Auto- und Motorradtaxis, Wasser- und sogar Luft-Taxis.
  • Mit den ersten Automobilien wurden die Pferdekutschen als Personentransportmittel ersetzt. 1892 gelang dann die „Erfindung“ des Taxameters, die eine für den Fahrer und den Fahrgast transparente Abrechnung des Streckenpreises ermöglichte. Vom Taxameter ist der noch heute gebräuchliche Name „Taxi“ abgeleitet. Im Mai 1897 nahm die erste deutsche Taxameter-Droschke in Stuttgart den Betrieb auf.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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