Ex-Oer-Erkenschwicker wählen

Manche Kreuzchen kommen aus dem Ausland

Wer in der Stimbergstadt wohnt, kann bequem am 26. September ins Wahllokal gehen und seine Stimme zur Bundestagswahl abgeben. Aber wie machen das Ex-Oer-Erkenschwicker, die im Ausland leben?
Nicolai Urbaniak lebt in Tschechien, aber sein Kreuzchen bei der deutschen Bundestagswahl will er natürlich machen und hat deswegen die entsprechenden Unterlagen beantragt. © privat

Allzu große Stapel bilden sich im Oer-Erkenschwicker Bürgeramt zwar nicht mit Anträgen von im Ausland lebenden Bürgern, die bei der Bundestagswahl ihr Kreuz machen möchten: „Auslandsdeutsche“, so nennt der Bundeswahlleiter sie. Gerade einmal acht Anträge lagen am Mittwochvormittag (18. 8.) vor. „Es ist immer nur eine Handvoll“, sagt Anika Windeck, die Leiterin des Bürgerbüros. Darunter seien oft junge Leute, die zum Studieren ins Ausland gingen.

Der Weg zum Kreuzchen für im Ausland lebende Deutsche, die zuletzt ihren Wohnsitz in Oer-Erkenschwick hatten, ist vergleichbar mit dem der Briefwahl: Zunächst muss man einen „schriftlichen Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis“ stellen, und zwar in der Stadt, in der man seinen letzten deutschen Wohnsitz hatte. Denn wer keinen Wohnsitz in Deutschland hat, der wird natürlich auch nicht im regulären Wählerverzeichnis geführt. Und: Man muss den Antrag immer wieder stellen, bei jeder Wahl; da greift kein Automatismus. „Wir schreiben die Leute nicht an“, unterstreicht Anika Windeck. Wer aber jedenfalls den Antrag gestellt hat, der bekommt dann wie die regulären Briefwähler die Unterlagen.

Wer als deutscher Staatsbürger im Ausland lebt, darf wählen. Der „Weg zum Kreuzchen“ ähnelt dem der Briefwahl. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Sofern er wahlberechtigt ist: Wer bei der Bundestagswahl wählen will, muss natürlich vor allem die deutsche Staatsbürgerschaft haben und 18 Jahre alt sein. Zusätzlich muss man nach seinem 14. Geburtstag mindestens drei Monate ununterbrochen in der Bundesrepublik Deutschland gelebt haben, und das Ganze darf nicht länger als 25 Jahre zurückliegen. Oder: Man hat „aus anderen Gründen persönlich und unmittelbar Vertrautheit mit den politischen Verhältnissen in der Bundesrepublik Deutschland erworben“. Im Klartext kann das zum Beispiel der Fall sein, wenn eine deutsche Staatsangehörige an einer deutschen Auslandsschule arbeitet. Oder: man ist sogenannter „Grenzgänger“, hat also seinen Wohnsitz im Ausland, arbeitet aber in Deutschland. Ein weiteres Beispiel formuliert der Bundeswahlleiter so: „Ein in Belgien lebender Deutscher wirkt im Bundesgebiet in einer deutschen Partei oder in deren ,Ortsverband Brüssel‘ mit.“ Auch diese Person darf am 26. September ihr Kreuzchen machen. Aber: Wer zum Beispiel schon vor 50 Jahren ausgewandert ist und seither nie mehr in Deutschland gelebt hat, ist nicht wahlberechtigt.

Ausgewandert vor 13 Jahren

Vor 13 Jahren ausgewandert ist der Ex-Oer-Erkenschwicker Nicolai Urbaniak (44). Er machte einst am Willy-Brandt-Gymnasium sein Abitur, studierte dann in Leipzig und lebt mittlerweile in der tschechischen Hauptstadt Prag. Dort arbeitet er für das Energieunternehmens Innogy. Er hat just vor zwei Tagen seine Bestätigung erhalten, dass sein Antrag ins Wählerverzeichnis eingegangen ist. Dass er in Deutschland wählt, ist für ihn selbstverständlich; auch bei vorhergehenden Bundestagswahlen hat der Ex-Oer-Erkenschwicker das schon so gehandhabt. Er verfolge das (politische) Geschehen in Deutschland regelmäßig über Online-Medien. „Schon allein, weil es zu meinem Job gehört, über die Geschehnisse in Deutschland auf dem Laufenden zu sein“, sagt Nicolai Urbaniak. Er darf aber übrigens auch bei Wahlen auf lokaler und regionaler Ebene in Tschechien mitstimmen.

Leider kein Kreuzchen in der Botschaft

Übrigens hat sich Nicolai Urbaniak auf eine „Elektronische Liste aller Deutschen im Ausland“ eintragen lassen. Darin könnten sich, so erklärt er, alle im Ausland lebenden Deutschen registrieren lassen, und man werde dann über alle relevanten Ereignisse, etwa den neuesten Stand in Sachen Covid-19, aber auch über anstehende Wahlen, über diese Schiene informiert.

Ein bisschen schade findet es Nicolai Urbaniak, dass er nicht die Möglichkeit hat, in der deutschen Botschaft in Prag seine Wahl-Stimme abzugeben. Das kennt er von anderen nicht-tschechischen Kollegen, die dann einen kleinen „feierlichen Urnengang“ zelebrieren und dazu in ihrer Botschaft willkommen geheißen werden.

Wahlberechtigte Oer-Erkenschwicker

Für die Wahl zum neuen Bundestag am Sonntag, 26. September, sind in Oer-Erkenschwick nach jetzigem Stand 21.614 Bürger wahlberechtigt. Sie können ab 30. August per Briefwahl ihr Kreuzchen machen oder sie treten am 26. September persönlich an die Wahlurne.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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