An der Alten Zechenbahn

Nach dem Corona-Tiefschlaf – das passiert jetzt in der Biostation

Mehr als ein Jahr keine Besucher mehr, die regelmäßigen Treffen mussten gestrichen werden. Jetzt erwacht die Biostation in Oer-Erkenschwick langsam wieder aus dem Tiefschlaf.
Der Insekten-Zug der Biostation nimmt wieder Fahrt auf: (v.l.) Jürgen Kleer, Peter Diersen, Manfred Onnebrink, Leo Ernst, Reinhard Wentzlik, Ludger Drescher und Rainer Kohnen. © Martin Pyplatz

Mehr als ein Jahr war die Biologische Station an der Alten Zechenbahn in Oer-Erkenschwick geschlossen. Jetzt erwachen die Naturfreunde um den Vorsitzenden Reinhard Wentzlik langsam aus dem Zwangs-Tiefschlaf. Ganz untätig waren die Männer von der Biostation in der Zwischenzeit allerdings nicht. „Wir konnten ja nicht alles stehen und liegen lassen“, sagt Geschäftsführer Ludger Drescher.

Biostation in Oer-Erkenschwick war mehr als ein Jahr geschlossen

Der Rasen musste regelmäßig geschnitten werden und ohne Gießen hätten viele Pflanzen – vor allem die Hochbeete – den vergangenen Dürresommer wohl nicht überlebt. Das große Insektenhotel muss zudem genauso gehegt werden wie die drei vereinseigenen Bienenvölker. Allerdings nicht wie gewohnt im Team, sondern Corona-konform in Zweier-Gruppen über die Woche verteilt. „Unsere regelmäßigen Treffen am Mittwoch mussten wir leider streichen“, sagt Reinhard Wentzlik.

Neue Projekte haben die Biostations-Männer aus Oer-Erkenschwick trotz der Pandemie realisiert. Die Insekten-Lokomotive aus Europaletten auf der Streuobstwiese ist fertig geworden. Auf den Zug aufgesprungen sind mehrere Bienenvölker. „Am Wochenende werde ich zum ersten mal Honig schleudern“, kündigte Biostations-Imker Manfred Onnebrink an. Kleine Kräuterbeete in 30 Schubladen liefern übrigens die Energie für die Bio-Lok.

Im Herbst soll grünes Klassenzimmer in Oer-Erkenschwick wieder öffnen

„Was uns gefehlt hat, waren die Besucher. Wir schmoren doch nicht im eigenen Saft, wollen unseren Bildungsauftrag erfüllen, dem Menschen die Natur näher zu bringen“, sagt der Geschäftsführer der Biostation in Oer-Erkenschwick, Ludger Drescher. Die Naturfreude hoffen, dass sie im Herbst auch das grüne Klassenzimmer an der Zechenbahn wieder öffnen können. Zahlreiche Schulklassen und Kindergartengruppen zählen in normalen Zeiten zu den Stammgästen der Biostation.

Die ersten erwachsenen Besucher sind indes schon wieder in dem kleinen Naturparadies eingetrudelt. „Eine Radfahrgruppe aus Herne, die uns regelmäßig besucht und hier eine Pause eingelegt, war bereits da. Wir sind zwar alle durchgeimpft, aber für Gäste gelten natürlich die Corona-Abstandregeln“, sagt Ludger Drescher. Neben Getränken gibt es in der Biostation für Besucher nach Voranmeldung auch eine knackige Bratwurst vom Grill.

Nächstes Projekt der Biostation ist der Weg „Vom Korn zum Brot“

Der Verein für Orts- und Heimatkunde aus Oer hat kürzlich schon seine Jubilar-Ehrung in der Biostation in Oer-Erkenschwick gefeiert. Am Sonntag kommt der Seniorenclub nach einer Wanderung zu Besuch. Auch Claudia Kock mit ihrer Singgruppe hat sich bereits angemeldet. „Endlich kommt wieder Leben in die Biostation“, freut sich der Vorsitzende.

Noch in diesem Jahr wollen die Naturfreunde aus Oer-Erkenschwick nämlich ihr nächstes großes Projekt „Vom Korn zum Brot“ starten. Im Mittelpunkt steht ein früher auf Bauernhöfen üblicher Steinbackofen, den die Männer um Reinhard Wentzlik selbst in der Biostation bauen wollen. „Drei verschiedene Kornsorten habe ich schon besorgt, nur der Weizen fehlt noch“, sagt Ludger Drescher. Finanziell unterstützt werden sie bei diesem Projekt wie schon bei anderen Vorhaben von Volksbank und Sparkasse Vest.

Interessierte Naturfreunde sind im Verein jederzeit willkommen

Eine große Infotafel soll im grünen Klassenzimmer den Weg „Vom Korn zum Brot“ für Kinder noch anschaulicher machen. Das fast 20 Jahre alte Pendant auf der Streuobstwiese, das sich ausführlich mit Obstbäumen beschäftigt, soll zudem in Kürze erneuert werden. Das „Lehrpersonal“ an der Alten Zechenbahn kann für das grüne Klassenzimmer und andere Projekte durchaus noch Unterstützung brauchen. Reinhard Wentzlik meint: „Wir haben auf dem Papier zwar 22 Mitglieder, aber nur acht davon sind ständig aktiv.“

Biostation manifestierte sich 1993 als verein
  • Die Biologische Station ist ein eingetragener Verein ehemaliger Bergleute und Zechen-Eisenbahner. 1993 manifestierte sich die Biostation als Verein. Beim Amtsgericht und Finanzamt ist die Biologische Station mit dem Namen „Freunde der ehemaligen Zechenbahn“ eingetragen.
  • 1984 gab es auf dem Gelände nur eine Wiese, ein Pferd, einen Hund und einen Schwarzbau im Landschaftsschutzgebiet. Mit der Vereinsgründung sowie Unterstützung von Stadt und Kreis wurde die Biostation rechtlich abgesegnet.
  • Der Verein hat aktuell 22 Mitglieder. Acht Aktive treffen sich mindestens einmal die Woche jeden Mittwoch von 10 bis 14 Uhr auf dem paradiesischen Flecken in Oer.
  • Auf 750 Quadratmetern gibt es jede Menge Hecken, Sträucher und Bäume, drei Bienenvölker und ein großes Insektenhotel. Dazu kommen noch zwei mehr als 2500 Quadratmeter große Streuobstwiesen mit jeder Menge Äpfeln.
  • Wer Interesse an der Natur hat und mal mit anzupacken, ist herzlich willkommen, einmal mittwochs zwischen 10 und 14 Uhr vorbeizuschauen. Bergbau-Vergangenheit spielt keine Rolle. Kontakt: Ludger Drescher, Tel. 0171-4503384.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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