Gut fürs Stadtklima

Neue Idee für die Zechenbrache in Oer-Erkenschwick – Fakt AG ist dafür

Der Plan der Essener Fakt AG, auch der Zechenbrache in Oer-Erkenschwick Tomaten in großen Gewächshäusern zu züchten, wird in der Stadt kontrovers diskutiert. Jetzt gibt es noch eine Idee.
Karl-Heinz Feyerabend (65) aus Oer-Erkenschwick schlägt ein Gradierwerk auf dem Gelände der Zechenbrache vor. Stadt und Fakt AG als potenzieller Investor sind von der Idee durchaus angetan. © Jörg Gutzeit

Spätestens ab August 2022 sollen auf der Zechenbrache in Oer-Erkenschwick Tomaten geerntet werden, die zuvor in großen Gewächshäusern gezogen wurden. Das ist zumindest der Plan der Essener Fakt AG um Hubert Schulte-Kemper, der in der Stadt kontrovers diskutiert wird. Während die Stadtverwaltung und Teile der Kommunalpolitik das Projekt durchaus positiv sehen, machen die Gegner des Vorhabens mobil. Aber jetzt hat der Oer-Erkenschwicker Karl-Heinz Feyerabend eine neue, zusätzliche Idee für die Zechenbrache, die die offenbar unterschiedlichen Interessen ausgleichen könnte.

Gradierwerk tut dem Stadtklima von Oer-Erkenschwick gut

„Ein Gradierwerk würde sich nach meiner Ansicht auf dem Zechengelände im Bereich der vorhandenen Gebäude anbieten. Das wäre wie beispielsweise in Hamm eine Attraktion für die Bürger von Oer-Erkenschwick, würde aber wie in Hamm ganz sicher auch viele Auswärtige anlocken. Und ein solches Gradierwerk würde sich auch positiv auf das Stadtklima auswirken“, sagt der 65-jährige Rentner. Er hat ein solches Gradierwerk beim Spaziergang zusammen mit seiner Frau in Hamm entdeckt.

Karl-Heinz Feyerabend aus Oer-Erkenschwick hat die Idee

Und Karl-Heinz Feyerabend ist ein Mann der Tat. Er hat sofort Bürgermeister Carsten Wewers und auch Fakt AG-Chef Hubert Schulte-Kemper über seinen Vorschlag in Kenntnis gesetzt – und ist bei beiden Personen offene Türen eingelaufen. Bürgermeister Carsten Wewers findet die Idee „super“. „Wenn das von der Fakt AG realisiert werden kann, wäre das toll. Wir haben verwaltungsintern auch schon über ein citynahes Gradierwerk nachgedacht, um so das Stadtklima zu verbessern.“ Hubert Schulte-Kemper hat sich ebenfalls sofort an Bürgermeister Wewers gewandt. In seiner E-Mail heißt es: „Ich finde eine solche Idee prinzipiell spannend und gut und habe Herrn Feyerabend gesagt, dass wir uns bei einer solchen Investition mit darum bemühen und auch vermuten, dass es große Förderbeiträge gibt. Ich wollte Ihnen nur signalisieren, dass die Fakt AG mit von der Partie ist, dieses Werk zu realisieren.“

So sieht das Gradierwerk im Kurpark der Stadt Hamm aus. Ein ähnliches Projekt könnte auch in Oer-Erkenschwick realisiert werden. © Archiv © Archiv

Gewächshaus-Projekt soll in Oer-Erkenschwick realisiert werden

Realisiert werden soll aber auch das Gewächshaus-Projekt in Oer-Erkenschwick. Eigentümer der Zechenbrache, auf der die Gewächshäuser errichten werden sollen, ist der Regionalverband Ruhr (RVR). Der führt auch die Grundstücksverhandlungen mit der Fakt AG. „Die Stadt ist erst dann im Boot, wenn ein Bauantrag gestellt wird“, erläutert Bürgermeister Carsten Wewers. „Ein solcher Antrag liegt uns allerdings noch nicht vor.“

Antragsverfahren für das Projekt in Oer-Erkenschwick ist aufwendig

Das Bauantragsverfahren für ein solch großes Vorhaben in Oer-Erkenschwick ist ziemlich aufwendig. So sind einige Behörden zu beteiligen, es muss ein Artenschutz- und ein Naturschutzgutachten erstellt werden. „Das sind alles Dinge, um die sich die Fakt AG kümmern muss. Ich begrüße natürlich, dass auf der Zechenbrache – aber nicht auf der bewaldeten Bergehalde – künftig 100 Arbeitsplätze entstehen werden. Aber für eine Baugenehmigung müssen die baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein. Und nur nach den Bestimmungen des Baurechts werden wir den Bauantrag prüfen. Das ist dasselbe rechtsstaatliche Verfahren wie bei einem normalen Hausbau“, erläutert der Bürgermeister.

So funktioniert ein Gradierwerk

  • Ein Gradierwerk ist im Kurpark der ostwestfälischen Stadt Hamm zu besichtigen. Auf der städtischen Website wird erklärt:
  • Gradierwerke waren ursprünglich Anlagen zur Salzgewinnung. Heute dienen sie vor allem gesundheitlichen Zwecken.
  • Das Prinzip des Gradierwerks ist einfach: An Schwarzdornreisig, der in eine entsprechende Holzkonstruktion eingebracht wird, rieselt Sole herunter, die am Schwarzdorn weiter zerstäubt wird. Durch die Verdunstung der Leinethaler Natursole kühlt sich die Umgebungsluft ab und nimmt Salzpartikel & Feuchtigkeit auf. Diese feuchte, salzhaltige Luft wirkt sich positiv auf die Atemwege aus und eignet sich hervorragend zur Behandlung von Atemwegserkrankungen.
  • Das aus einem Langhaus und einem Kopfbauwerk (dazwischen gibt es einen Durchgang) bestehende Gradierwerk, mit einem überdachten Wandelgang an der Ostseite, ist rund 42 Meter lang, elf Meter breit und 9,60 Meter hoch. Es soll in den Abend- und Nachtstunden beleuchtet werden.
  • Die Größe von Gradierwerken kann aber variieren.

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