Förderturm und Maschinenhaus

Neues Konzept für alten Bergbaustandort in Oer-Erkenschwick

Still ruht der See auf dem ehemaligen Bergbaugelände an der Ewaldstraße in Oer-Erkenschwick. Dort gammeln der Förderturm und das Maschinenhaus vor sich hin. Aber das soll sich ändern.
Sollen beide gerettet und dauerhaft erhalten werden: Das Gerüst des ehemaligen Zechenförderturms und das dazugehörige Fördermaschinenhaus an der Ewaldstraße in Oer-Erkenschwick. © Martin Pyplatz

Die Bemühungen, das Gerüst des ehemaligen Zechen-Förderschachtes III auf dem früheren Bergbaugelände an der Ewaldstraße in Oer-Erkenschwick sowie das dazugehörige Fördermaschinenhaus zu retten und der Nachwelt zu erhalten, halten an. Beide Bauten – der Förderturm gehört der Ruhrkohle und das unter Denkmalschutz stehende Fördermaschinenhaus der Stadt – gammeln vor sich hin. Und nicht wenige fürchten, dass diese Zeugnisse der Steinkohlenbergbau-Vergangenheit von Oer-Erkenschwick bald wegen Baufälligkeit abgerissen werden müssen. Jetzt aber machen gleich fünf Vereine gemeinsame Sache, um genau das zu verhindern. Und sie warten mit einer Idee auf, für die sie bereits durchaus prominente Unterstützer gefunden haben.

Vereine aus Oer-Erkenschwick wollen das Zechenareal aufwerten

„Wir haben jetzt gemeinsam mit weiteren Beteiligten ein Konzept erstellt. Das ist sicherlich erst einmal eine Idee. Aber diese Idee soll der Anfang der nachhaltigen Rettung des Fördermaschinenhauses, des Förderturms und der Aufwertung des ehemaligen Zechenareals in diesem Bereich sein“, sagt Patrick Seemann. Der 40-Jährige ist Vorsitzender des Fördervereins zur Rettung des Schachtgerüstes und des Fördermaschinenhauses und damit ein Teil der Runde der bergbaubefreundeten Vereine. Dazu gehören noch der Bergmannsverein Glück-Auf, der Bergbau- und Geschichtsverein, die ehemalige Grubenwehr und die IGBCE-Ortsgruppe Oer-Erkenschwick.

Der Förderverein will den Turm von Schacht III des ehemaligen Bergwerks Ewald Fortsetzung als historische Landmarke erhalten und als prägende Einrichtung der Stadtgeschichte dauerhaft der Öffentlichkeit präsentieren. Hinzu kommt das Fördermaschinenhaus, das den Verantwortlichen Sorge bereitet. Das Gebäude mit seiner dampfbetriebenen Fördermaschine befindet sich in einem desolaten Zustand. Für den Förderturm steht bereits ein Spender parat, der die Kosten in Höhe von rund 150.000 Euro für einen neuen Schutzanstrich übernehmen würde. Die Kosten für die Komplettsanierung des Turms sind aber siebenstellig. Dennoch geben die fünf Vereine nicht auf. Sie haben sich jetzt ein langfristiges Ziel gesetzt: Innerhalb der nächsten zehn Jahre sollen die geplanten Projekte umgesetzt werden. Die Kosten hierfür sind alles andere als gering. 1,25 Mio. Euro werden einkalkuliert.

Fördermaschinenhaus soll Teil des Bergbaumuseums werden

„Corona hat uns leider mit unseren Überlegungen ein Jahr zurückgeworfen. Aber jetzt starten wir wieder durch, sagt Patrick Seemann. Der Fördervereinsvorsitzende hat zusammen mit Klaus Terheyden vom Bergmannsverein, Markus Pliska vom Bergbauverein, Volker Seemann (IGBCE) und Vertretern der Grubenwehr dem Bürgermeister eine Konzeptidee vorgestellt. Und die sieht so aus:

Der Bergbau- und Geschichtsverein übernimmt das im Stadtbesitz befindliche Fördermaschinenhaus als Dependance. Die Ewald-Fortsetzung Entwicklungs GmbH mit Ludger Heine finanziert das neue Dach, Fenster und Versorgungsanschlüsse. Das Gebäude wird teilweise zum Museum. Gemeinsam mit weiteren Sponsoren wird auch der Förderturm saniert. Das gesamte Areal wird an den überörtlichen Radweg König-Ludwig-Trasse, der eh über die Strecke der ehemaligen Zechenbahn führt angeschlossen. Er dient als Ankerpunkt mit der Möglichkeit für Touren auf die Halde und dem Weiterradeln in die Haard zu den dortigen Freizeitangeboten. „Dafür wollen wir, die bergbaubefreundeten Vereine arbeiten“, sagt Patrick Seemann.

Hubert Schulte-Kemper sichert Unterstützung für Oer-Erkenschwick zu

Und die Vereine haben einen prominenten Unterstützer gefunden, den Marler Investor Hubert Schulte-Kemper, dessen Fakt AG bekanntlich auf der Zechenbrache große Gewächshäuser bauen möchte. „Das Projekt begrüßen wir trotz der Bedenken der Bürgerinitiative Ewald-Fortsetzung außerordentlich. Denn die angekündigten 100 Arbeitsplätze für weniger qualifizierte Langzeitarbeitslose aus der Stadt brauchen wir dringend“, sagt IGBCE-Vorsitzender Volker Seemann. Die Vorsitzenden der fünf Vereine haben jüngst auf Initiative von Patrick Seemann mit Hubert Schulte-Kemper zusammengesessen. Schulte-Kemper hat den Vereinen seine Unterstützung zugesagt.

Bürgermeister Carsten Wewers findet den Vorschlag gut

„Das ist ein gutes Signal, denn Hubert Schulte-Kemper, der mich über das Gespräch und seine Unterstützungsabsicht in Kenntnis gesetzt hat, lässt seinen Worten grundsätzlich Taten folgen“, sagt Bürgermeister Carsten Wewers. Er findet den Vorschlag der fünf bergbaubefreundeten Vereine gut, tritt aber ein wenig auf die Euphoriebremse. „Wir als Stadt unterstützen das Vorhaben. Das wird aber letztlich aus finanziellen Gründen nicht von heute auf Morgen umsetzbar sein. Und nicht nur die Finanzierung muss nachhaltig gesichert sein. Sondern auch die Unterhaltung der künftigen Museumsanlagen. Denn leider ist es auch in Oer-Erkenschwick so, dass sich immer weniger Menschen ehrenamtlich engagieren möchten“, sagt der Bürgermeister.

Bergbaugeschichte beginnt 1899

  • Die Bergbau-Geschichte in Oer-Erkenschwick begann 1899 mit dem Bau des Förderschachtes an der Ewaldstraße.
  • Das Bergwerk Ewald-Fortsetzung hat dann 1903 mit der Steinkohleförderung begonnen.
  • 1977 bis 1981 wurde der Schacht An der Haard 1 abgeteuft, der heute nicht mehr existiert und bereits abgerissen worden ist.
  • Das Bergbau-Ende in O-E wurde 1992 mit der Zusammenlegung des Oer-Erkenschwicker Bergwerks mit der Recklinghäuser Zeche General Blumenthal eingeläutet. Diese Verbundzeche ging 2001 mit dem Marler Pütt Auguste Victoria zusammen und wurde 2015 geschlossen.
  • Seit knapp 20 Jahren erinnert der Bergbau- und Geschichtsverein um Markus Pliska an die Pütt-Vergangenheit. Ende 2017 gründete sich ein Förderverein mit dem Ziel, das noch stehende Schachtgerüst und auch das Fördermaschinenhaus zu erhalten. Der Verein wird von Patrick Seemann geführt. Zu den weiteren bergbaubefreundeten Vereinen in der Stadt zählen der Bergmannsverein Glück-Auf unter Klaus Terheyden, die IGBCE-Ortsgruppe Oer-Erkenschwick unter Volker Seemann sowie die ehemalige Grubenwehr unter Ex-Oberführer Werner Köhler.

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