Adveniat-Weihnachtsaktion

Ohne Strom und fließend Wasser – Pfarrer Holtermann hat in Mexiko viel erlebt

Pfarrer Clemens-August Holtermann ist in Oer-Erkenschwick durchaus bekannt. Was er aber in jungen Jahren in Lateinamerika erlebt hat, das wissen vielleicht nicht viele über ihn.
Die sieben Jahre in Mexiko haben den Priester Clemens-August Holtermann aus Oer-Erkenschwick sehr geprägt. © Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe

Am ersten Adventssonntag (28. November) findet die bundesweite Eröffnung der Weihnachtsaktion von Adveniat in Münster mit einem Gottesdienst statt. Als Beispielland hat das Lateinamerika-Hilfswerk Mexiko in den Mittelpunkt gestellt, ein Land, das Pfarrer Clemens-August Holtermann geprägt hat. Das wird schon bei einem Besuch in seiner Wohnung in Oer-Erkenschwick deutlich. Auf dem Tisch liegt ein für Lateinamerika typisch bunter Läufer, an den Wänden hängen Fotografien und im Flur hat die Darstellung der Muttergottes von Guadalupe neben dem Kreuz ihren Platz.

Priester aus Oer-Erkenschwick lebt sieben Jahre lang in Mexiko

Dabei ist es bereits 51 Jahre her, dass sich der Priester auf den Weg nach Mexiko gemacht hat. „Es gab kein fließendes Wasser und keinen Strom, sondern nur eine Gaslampe. Das war ein Kulturschock, aber ein sehr heilsamer“, erinnert sich der 80-Jährige an seine Ankunft in Chilcuautla, einer Außenstation von Cardonal im Bistum Tula.

Erst zwei Jahre verband eine Partnerschaft das Bistum Münster mit dem Bistum Tula. „Wir waren eine internationale Gruppe mit Ordensleuten, Priestern und Freiwilligen, die sich dort engagiert haben“, berichtet Holtermann. Es sei für sie alle eine Zeit des Ausprobierens gewesen. „Wir haben Gottesdienste angeboten und sind mit den Menschen zum Arbeiten aufs Feld gegangen. Es ging darum, Vertrauen aufzubauen“, erzählt er.

Den Menschen Zutrauen vermitteln

Nach und nach hätte sich mehr entwickelt. Frauen hätten gelernt, selbst Kleidung zu produzieren. Gemeinsam mit den Männern hätten sie Baumaterial besorgt und zum Beispiel die Hütten mit Dachpappe abgedeckt. „Mit Männern haben wir Genossenschaften für Baumaterial und Kunstdünger gebildet und mit den Frauen eine für Stoffe, Garne und auch für Lebensmittel“, erläutert Holtermann, der sich viele Jahre als Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) und Leiter der Arbeiterseelsorge beim Bistum sowie später als KAB-Bundespräses engagiert hat. In erster Linie sei es für alle Beteiligten ein Lernprozess gewesen. Sowohl für die Engagierten als auch für die Mexikaner. „Wir haben sie immer eingebunden“, betont Holtermann. Den Aktiven war es ein Anliegen, den Menschen Zutrauen zu vermitteln und ihnen Verantwortung zu übertragen. Die Werkstatt, die sie damals mit dem örtlichen Team aufgebaut hätten, gäbe es heute immer noch.

Spannende Zeit des Aufbruchs

„Ich habe mich als Priester durch diese Zeit anders entdeckt. Als Hirte und Weggefährte. Ich habe mich oft gefragt, was Jesus machen würde.“ Er sei als Seelsorger durch das Zweite Vatikanische Konzil geprägt. „Erstmals gab es ein weltkirchliches Verständnis, und auch die Beteiligung von Laien war ein Thema. Ich bin dankbar, dass ich eine so spannende Zeit des Aufbruchs erlebt habe. Die fruchtbarsten Jahre waren die sieben Jahre in Mexiko“, erklärt Holtermann, der 1967 die Priesterweihe durch Bischof Joseph Höffner empfangen hatte. Es sei darum gegangen, den Glauben, das Leben und die sozialen Fragen zu verbinden.

Bis heute pflegt er Kontakte in das Land, sei es per Telefon oder persönlich. Beispielsweise mit dem ersten Bischof des 1961 gegründeten Bistums Tula, José de Jesús Sahagún de la Parra. „1985 wurde er Bischof einer neuen Diözese. Er wird bald 100 Jahre alt. Wir telefonieren einmal im Monat. Er ist mir ein väterlicher Freund geworden. Ihm verdanke ich viel“, erklärt Holtermann, der die Entwicklung in Mexiko verfolgt. Wenn es irgendwie möglich ist, macht sich der weithin in Oer-Erkenschwick bekannte Pfarrer alle drei Jahre auf den Weg nach Lateinamerika. Zudem engagiert er sich mit Gleichgesinnten im Bistum Münster zum Beispiel im Mexiko-Arbeitskreis. Pfarrer Holtermann: „Ich verdanke der Zeit so viel. Vor allem konnte ich entdecken, dass es überall auf der Welt gute Menschen gibt.“

Die Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion findet am 1. Advent, 28. November, um 10 Uhr im St.-Paulus-Dom in Münster statt. Der Gottesdienst wird auf www.bistum-muenster.de sowie auf dem Youtube- und Facebook-Kanal des Bistums Münster übertragen. Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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