Schmetterlingszählung

Per Elterntaxi über das Wasser – Naturexperte entdeckt Haubentaucher

Naturexperte Ulrich Kamp vom Nabu Ostvest ist oft auf Erkundungstour in Oer-Erkenschwick, Datteln, Waltrop. Dabei entdeckt er stets Besonderes und teilt seine Erfahrungen mit unseren Lesern.
Wer genau bei diesem Foto von Ulrich Kamp hinschaut, der entdeckt auf dem Rücken des hinteren Haubentauchers ein Küken. © privat

„Darf ich auf deine Schultern?“, eine Frage, die wohl fast jedes Kind seine Eltern gefragt hat, wenn die Beine einfach zu müde wurden. Und was für Menschenkinder gut ist, das ist auch gefragt im Tierreich. Genau genommen bei Familie Haubentaucher, die Naturexperte Ulrich Kamp vom Naturschutzbund Ostvest jetzt bei einer seiner Erkundungstouren durch das Ostvest am Wesel-Datteln-Kanal entdeckt hat.

Mehrere kleine gestreifte Köpfchen konnte er auf dem Rücken der Vogeleltern erkennen, die mit ihrem Nachwuchs auf dem Wasser unterwegs waren. Übrigens können die Kleinen auch bei Mama und Papa im Rückengefieder bleiben, wenn die Eltern einen Tauchgang beschließen. Die Kinder halten sich fest und tauchen mit.

Einer der größten Wasservögel

„Haubentaucher (Podiceps christatus) sind bei uns die größten Wasservögel aus der Familie der Lappentaucher“, erklärt Ulrich Kamp. Die Wasservögel sind etwa 48 Zentimeter groß. Kennzeichnend ist ein langer schlanker Hals und ein dolchartiger Schnabel. Das Federkleid der erwachsenen Haubentaucher ist auf der Unterseite blendend weiß. Die Oberseite variiert je nach Jahreszeit (Prachtkleid oder Ruhekleid?) entweder mit rotbraunen Farben und aufgestellten Federohren und „Irokesenfrisur“ oder eben deutlich dezenter in Weiß und Dunkelgrau.

Zur Balzzeit kann man dem Haubentaucher bei ausführlichen Balzritualen zuschauen. Typisch ist dabei der „Pinguintanz“, bei dem das Paar sich Brust an Brust auf dem Wasser aufrichtet, mit den Füßen paddelt und die gesträubten Hauben schüttelt.

Eltern bieten einzigartigen Service

Das Nest verankern sie meist schwimmend im Schilf. „Zwei bis sechs Eier sind im Gelege. Die Jungvögel können vom ersten Lebenstag an sofort schwimmen und tauchen“, erklärt Ulrich Kamp, und weiter: „Aber in den ersten 14 Tagen nach dem Schlüpfen bieten die Eltern einen einzigartigen Service. Sie lassen ihre Kinder auf ihren Rücken klettern und nehmen sie mit bei den Wassertouren. Und die Kleinen nehmen mal den Kopf ganz ins elterliche Rückengefieder oder in die Flügeltasche – oder schauen vorwitzig am elterlichen Hals vorbei, wohin die Reise denn nun geht.“

Unverkennbares Rufen der Vögel

Wer den Haubentaucher nicht gleich entdeckt, erkennt ihn an seinen unverkennbaren Rufen. Das balzende kräftige „krra-ahrr“ oder „kraorrr“ ist weit zu hören. Auch kurze wiederholte „kröck-kröck-kröck“-Rufe geben sie von sich. Die Jungvögel lassen ein bettelndes „vie vie vie“ von sich hören. Haubentaucher bleiben das ganze Jahr über bei uns. Es lohnt sich also bei einem Spaziergang durch die Natur und am Gewässer im Ostvest genau hinzuschauen und hinzuhören.

Naturschutzbund ruft zur Schmetterlingszählung auf

Viele Schmetterlingsarten werden immer seltener. Um auf den dramatischen Artenschwund der heimischen Insektenfauna aufmerksam zu machen, hat der Naturschutzbund (Nabu) die Mitmachaktion „Mehr Platz für Falter – Jetzt wird’s bunt!“ ins Leben gerufen: Alle Schmetterlingsfreunde in Nordrhein-Westfalen sind noch bis zum 15. Juli dazu aufgerufen im Garten, am Straßenrand oder in öffentlichen Grünanlagen, Falter zu zählen und die Beobachtungsdaten zu melden.

Einen C-Falter hat Ulrich Kamp fotografiert. © privat © privat

„Viele bunte Schmetterlinge habe ich leider in diesem Jahr noch nicht gesehen, aber immerhin viele Weißlinge“, erklärt Ulrich Kamp vom Nabu Ostvest. Aber auch einige bunte Exemplare konnte der Experte im Ostvest ausmachen. „Aktuell sind mir einige C-Falter (Polygonia c-album) vor die Kamera geflogen.“ An diesen Merkmalen sind die Insekten zu erkennen: orange mit dunklen Flecken, Flügel sehr stark gefurcht, an der Unterseite ein kleines, aber deutlich sichtbares „C“. „Gesehen habe ich ihn in der Haard zwischen dem Feuerwachturm Farnberg und dem Katenkreuz. Er ist eigentlich unverwechselbar.“

Auch die Langhornmotte ist hier heimisch. © privat © privat

Und dann flog dem Naturexperten noch ein kleiner hübscher Schmetterling mit extrem langen Fühlern vor die Linse. „Eigentlich ein Nachtfalter, aber zu meinem Fotografenglück auch tagsüber unterwegs, eine Langhornmotte.“ Die Gesamtfamilie gehört zu den Adelidae. „In Deutschland leben 32 Unterfamilien. Bei der Zählaktion lässt der Nabu auch unscharfe Bestimmungen zu, bevor ein Beobachter entnervt das Zählen aufgibt.“ Zu finden sind die Falter auch in der Haard.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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