Energiewende

Photovoltaikanlage – so viel Strom produziert das Rathaus selbst

Die Photovoltaikanlage auf dem Dach deckt 95 Prozent des Stromverbrauchs im Rathaus ab. Die Stadt soll nun prüfen, welche Schulen und Kindergärten noch Solarpotenzial haben.
Im März 2017 installierten Handwerker die Solarpaneele auf dem Rathausdach. © Jochen Börger (Archiv)

Die Grünen wollen die Energiewende in Oer-Erkenschwick einleiten. Vorreiter soll dabei die Stadt werden. Möglichst viele Dächer von öffentlichen Gebäuden wie Kindergärten und Schulen sollen mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden, um klimafreundlichen Strom zu erzeugen und die CO2-Bilanz zu verbessern.

Den Anfang machte die Stadt 2013 mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Willy-Brandt-Gymnasiums, 2017 wurde das Rathaus-Dach mit Solarzellen ausgestattet.

Seit 2017 ist in Oer-Erkenschwick nichts mehr in Sachen Solarenergie passiert

„Seitdem ist nichts mehr in Sachen Solarenergie passiert. Dabei gibt es noch reichlich Potenzial in Oer-Erkenschwick“, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Armin Ziesmann bei der jüngsten Ratssitzung. Ihren Antrag begründen die Grünen damit, dass laut einem Städtevergleich das Potenzial für Solarenergie in Oer-Erkenschwick erst zu vier Prozent ausgenutzt sein soll. Andere NRW-Städte wie Saerbeck (180 %) und Heiden (145 %) seien da wesentlich weiter.

„Wir wollen das nicht verhindern. Schließlich decken wir mit unserer Photovoltaik-Anlage inzwischen 95 Prozent des Stromverbrauchs im Rathaus ab“, sagte Bürgermeister Carsten Wewers. Die Ratsmitglieder stimmten schließlich dem Antrag der Grünen mehrheitlich zu, dass die Stadtverwaltung prüfen soll, auf welchen städtischen Gebäuden die Erzeugung von Solarstrom möglich ist. Ein Konzept, wie man möglichst schnell Dachflächen mit Photovoltaik nachrüsten kann, will die Stadt erst nach dieser Prüfung vorlegen.

Manche Dächer eignen sich wegen der Statik nicht für Solarpaneele

Tatsächlich rechnet sich nicht an allen städtischen Gebäuden die Nutzung dieser erneuerbaren Energie. Schon bei den Planungen für die Solaranlage auf dem Dach des Gymnasiums – finanziert von der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) – stand fest, dass sich das Dach der Willi-Winter-Turnhalle im Schulzentrum aus statischen Gründen in diesem Zustand dafür nicht eignet.

Entscheidend sind neben der Statik auch die Dachneigung und die Möglichkeit, den Solarstrom in Spitzenzeiten auch ins Stromnetz einspeisen zu können. Zudem lohnt sich aus finanziellen Gesichtspunkten die Anbringung von Solarzellen nicht, wenn ein Dach gerade teuer erneuert wurde oder in absehbarer Zeit saniert werden muss.

Die Photovoltaik-Anlage auf dem Rathaus-Dach hat die Stadt im Jahr 2017 in Kooperation mit dem kommunalen Energieversorger realisiert. Die Stadt pachtet die Photovoltaik-Anlage kostenneutral für monatlich 3 600 Euro vom Energieversorger „innogy“. Das Geld kommt durch eingesparten Strom und Einspeiseerlöse wieder herein.

Photovoltaikanlage in Oer-Erkenschwick produziert mehr Strom als erwartet

Rund 111.000 Kilowattstunden (kWh) Strom verbrauchte das Rathaus damals pro Jahr. Etwa 29 600 kWh sollen durch Solarstrom selbst produziert werden. Weitere 2 600 kWh wollte die Stadt ins Netz einspeisen. Das klimafreundliche Kraftwerk mit den 189 Solarpaneelen auf dem Rathaus-Dach produziert allerdings mehr Strom als geplant. Schon 2018 erzeugte das Solardach des Rathauses 33.570 Kilowattstunden (kWh) Strom. 26.720 waren geplant, damit die Anlage sich rechnet. Die eigene Stromproduktion konnte dabei fast die Hälfte des Stromverbrauchs im Rathaus decken. 2018 waren das dank Energieeinsparungen rund 76.000 Kilowattstunden.

Wie stark das Dach „unter Strom steht“ können Rathaus-Besucher an der Info-Theke in Echtzeit auf einem Solarmonitor verfolgen. Bei klarem Himmel liefert das Solarkraftwerk übrigens eine Leistung von rund 25 Kilowatt. Die heißen Sommer haben die Stromproduktion weiter angeheizt. Inzwischen liegt die Energieabdeckung bei 95 Prozent.

Solardachkataster hilft Eigenheimbesitzern bei Entscheidung
  • Photovoltaik ist auch für Eigenheimbesitzer am Stimberg interessant. Schon eine Anlage mit sechs bis acht Kilowatt rechnet sich. Zum Vergleich: Das 32-Kilowatt-Solarkaftwerk des Rathauses produziert zeitweise mehr als 25 Kilowattstunden Strom.
  • Ob die Sonne über dem eigenen Haus dafür gut genug steht, lässt sich überprüfen. In der Metropole Ruhr können Hauseigentümer auf zwei sogenannte Solarkataster zurückgreifen, um neutrale und unabhängige Informationen über die Eignung ihrer Dach- und Freiflächen für die Nutzung von Solarenergie zu bekommen:
  • Das Solarkataster im Energieatlas NRW, erstellt vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie NRW (MWIDE):
    https://www.energieatlas.nrw.de/site/karte_solarkataster
  • Das Solardachkataster vom Regionalverband Ruhr (RVR):
    https://www.rvr.ruhr/themen/oekologie-umwelt/startseite-klima/solardachkataster
  • Beide Kataster eignen sich zum Abschätzen des möglichen Ertrags an Sonnenenergie. Zugleich finden sich hier hilfreiche Hintergrundinformationen und Planungstipps.

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