Ahsener Straße

Regen ist ein Segen – doch das treibt Kleingärtner zur Verzweiflung

Die Landwirte klagen über Einbußen bei der Getreideernte. Für die Kleingärtner war das feuchtwarme Wetter ein Segen. Das Gemüse gedeiht prächtig - allerdings auch das Wildkraut.
Die Stangenbohnen blühen gerade und nicht nur die runden Zucchini von Walter Amberg gedeihen auf seiner Kleingartenparzelle in diesem Jahr prächtig. © Michael Dittrich

Auf der Kleingartenanlage an der Ahsener Straße herrscht in diesen Tagen reger Autoverkehr. Der Frühjahrsputz ist zwar längst vorbei. Doch die Kleingärtner müssen zurzeit jede Menge Grünabfälle zur Containerstation karren. „Das habe ich so noch nicht erlebt. Das Wildkraut schießt ohne Ende. Man kommt kaum noch nach“, meint Walter Amberg (86).

Der Oer-Erkenschwicker hegt schon seit 33 Jahren seine Parzelle auf dem Areal des Kleingärtnervereins „Arbeit und Freude“. Manche stufen den Giersch als Heilkraut ein, andere sehen ihn als „Unkraut“. Das Gewächs treibt auf jeden Fall so manchen Kleingärtner in diesem Sommer zur Verzweiflung. Auch Franzosenkraut und Vogelmiere profitieren von der Großwetterlage. „Das haben wir in diesem Jahr dem feuchtwarmen Klima zu verdanken“, sagt Amberg.

In zwei Wochen schon sechs Säcke mit Grünabfällen gefüllt

Innerhalb von zwei Wochen hat der gelernte Bergmann schon sechs große Säcke mit Grünabfällen gefüllt. Zum Glück packt auch Ehefrau Hanne (83) noch kräftig mit im Kleingarten an. „Die kommt immer nachmittags und bringt selbstgebackenen Kuchen mit“, sagt Amberg. Der Rentner ist schon morgens auf seiner Parzelle und genießt die Entspannung im Paradies am Haardrand: „Zuhause haben wir nur einen Balkon.“

Trotz des wuchernden Wildkrauts freut sich der Naturfreund, dass es nach drei ausgesprochenen Dürrejahren endlich wieder mal kräftig regnet. „Denn auch das Gemüse gedeiht prächtig bei dieser Witterung“, meint Amberg. Die Frühkartoffeln hat der 86-Jährige schon geerntet und in diesem Beet Grünkohl gepflanzt, der jetzt auf den ersten Frost warten muss. Die Stangenbohnen gedeihen genauso prächtig wie seine runden Zucchini, „Diese Sorte kennen viele gar nicht. Dabei lassen sie sich gut mit Hackfleisch füllen und im Ofen schmoren. Das schmeckt richtig lecker.“

Manche Kinder glauben, dass Erbsen aus der Dose kommen

Auch Erbsen zählen zu den Nutzpflanzen in seinem Gemüsegarten. „Manche Kinder denken tatsächlich, die Erbsen kommen aus der Dose. Dabei wachsen sie in einer Schote“, sagt Amberg. Seine drei kleinen Urenkelkinder besuchen ihn regelmäßig im Kleingarten und bekommen dort von ihm Anschauungsunterricht in Sachen Natur.

Gießen muss Amberg Blumen und Gemüse trotz der zuletzt starken Regenfälle alle drei Tage: „Die Kleingärten sind auf Sandboden gebaut. Da versickert das Wasser schnell. Zum Glück brauchen wir nur das Wasser bezahlen und keine Gebühren für die Abwasserbeseitigung. Wir hängen hier ja nicht an der Kanalisation.“

Kanäle gibt es trotzdem reichlich unter den Kleingärten, nämlich die Gänge, die der Maulwurf gräbt. „Zuletzt hatte ich mal 40 Maulwurfshügel auf meiner Parzelle. Aber damit kann ich leben. Schließlich ernähren sich Maulwürfe auch von Engerlingen. Die richten einen wesentlich größeren Schaden an, weil sie die Wurzeln anknabbern“, sagt der Kleingärtner.

Wühlmäuse sind für Kleingärtner in Oer-Erkenschwick eine Plage

Noch schlechter zu sprechen ist Amberg allerdings auf Wühlmäuse, die es auf sein Gemüse abgesehen haben: „Zum Glück hat die Wühlmausplage inzwischen etwas nachgelassen. Ich konnte schon beobachten, wie sie mir von unten den Grünkohl in die Erde reingezogen haben.“

Die großen Niederschlagsmengen in Frühling und Sommer haben womöglich auch den alten Apfelbaum von Walter Amberg wieder ins Leben zurückgeholt. „Der steht seit 1962 auf dieser Parzelle. Nach den langen Trockenperioden sah es so aus, als wenn er das nicht überleben würde. Jetzt schlägt er wieder aus. Zwar wird er dieses Jahr keine Äpfel tragen, aber ganz bestimmt im nächsten.“ Die Früchte sind nämlich sehr schmackhaft. Es handelt sich um eine ganz alte Apfelsorte royaler Herkunft mit dem Namen „Prinz Albrecht von Preußen“.

Kleingartenanlage mit vielen Öko-Projekten
  • Die 1955 eingeweihte Anlage „Arbeit und Freude“ ist 40 000 m² groß und hat 64 Parzellen. Allein 14 000 m² entfallen auf Naturschutzprojekte wie Moderbiotop, Ökoparkplatz, Obstwiese, Wildbienenhotel, Bienenhaus, Wildwiese und vieles mehr.
  • Bei der Übernahme einer Parzelle wird je nach Zustand eine Summe von 2500 bis 4500 Euro für den Vorbesitzer fällig. Die jährlichen Kosten für Pacht, Versicherung und Strom betragen 300 Euro.
  • In der Neujahrsnacht 2020 brannte das Wirtschaftsgebäude der Kleingartenanlage an der Ahsener Straße ab. Eine Silvesterrakete hatte den Brand ausgelöst. Das Haus diente als Küchentrakt und wurde für Vorstandssitzungen genutzt. An gleicher Stelle haben die Kleingärtner inzwischen mit viel Eigenarbeit ein Blockhaus aus Holzfertigbauteilen errichtet. Zurzeit läuft noch der Innenausbau.

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