Gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit

Schützengilde Rapen: Geplante Satzungsänderung birgt viel Zündstoff

Die Schützengilde Rapen will ihre Satzung ändern. Was sich wie Routine für die Generalversammlung am Samstag, 25. September, anhört, birgt aber durchaus eine Menge Zündstoff.
Das letzte Schützenfest in Rapen fand im August vor drei Jahren statt. Das Archivbild zeigt beim Generalausmarsch vornweg das Kaiserpaar, Volker und Brigitte Brachmann, und danach das Prinzgemahlenpaar Ralf und Antje Bothe. © Regine Klein

Der Vorstand der Schützengilde Rapen hat die Jahreshauptversammlung terminiert. Sie soll am Samstag, 25. September, ab 18 Uhr im Rapener Schützenhaus stattfinden. Und die Tagesordnung, die in diesen Tagen den Mitgliedern zugestellt wird, birgt durchaus Zündstoff. Denn die Mitglieder sollen nach dem bereits vor Monaten erfolgten Rücktritt des 1. Vorsitzenden Klaus Homberg nicht nur für ihn einen Nachfolger wählen, sondern auch über eine Satzungsänderung abstimmen. Und die hat es in sich, denn sie enthält unter dem Punkt „Mitgliedschaft“ Passagen, die in der Vereinswelt von Oer-Erkenschwick schon etwas Besonderes sind.

Rassismus soll künftig ein Ablehnungsgrund sein

So schlägt der Vorstand vor, dass künftig jemand, der sich um die Aufnahme in die Gilde bewirbt, abgelehnt werden kann, wenn er einer Organisation angehört, die antisemitische oder fremdenfeindliche Standpunkte vertritt oder solche bei ihren Mitgliedern duldet, oder die die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik ablehnt oder verändern will. Außerdem soll abgewiesen werden, wer Mitglied einer Organisation ist, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, die in Deutschland verboten ist, oder Unrechtshandlungen in Deutschland zwischen 1933 und 1989 leugnet oder verharmlost, oder selber fremdenfeindliche oder antisemitische Standpunkte vertritt.

„Wichtiges Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit in Oer-Erkenschwick“

„Auslöser dieser vom geschäftsführenden Vorstand und Ex-König Ulrich Müter vorgeschlagenen Satzungsänderung ist die Tatsache, dass nicht wenige Mitglieder Anstoß daran nehmen, dass unser Vereinsmitglied Ralf Bothe Wahlkampf für die AfD in Oer-Erkenschwick gemacht hat und nun für diese Partei in den Stadtrat gewählt wurde. Nun ist die AfD zwar eine in Deutschland zur Wahl zugelassene Partei und hat auch in Rapen zahlreiche Stimmen bekommen. Dennoch ist es uns aber wichtig, mit dieser Satzungsänderung ein Zeichen unter anderem gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu setzen“, erklärt der 2. Vorsitzende der Schützengilde Rapen, Frank Guttke. Das letzte Wort in Sachen Satzungsänderung haben die Mitglieder.

„Wahl zum AfD-Stadtrat scheint der Diskussionsauslöser zu sein“

Und was sagt Ralf Bothe, der zusammen mit Ehefrau Antje von 2015 bis 2018 hinter dem Kaiserpaar Volker und Brigitte Brachmann als Prinzgemahl fungierte, dazu? Fühlt sich der AfD-Stadtrat durch die vorgeschlagene Satzungsänderung persönlich angesprochen? „In gewisser Weise schon. Denn meine Wahl zum Stadtrat für die AfD scheint ja der Auslöser dieser Diskussion zu sein“, erklärt Ralf Bothe. Er betont gleichzeitig, dass auch nach seiner Auffassung Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus in der Gesellschaft und somit auch in der Schützengilde Rapen nichts verloren hat. „Grundsätzlich ist es aber schade, dass man in einer Demokratie offenbar Positionen, die von der Mehrheit nicht mitgetragen werden, nicht vertreten darf. Oder, dass man Probleme in diesem Land nicht wertfrei benennen darf, ohne dafür gleich angegangen zu werden“, sagt der Mann, der der Gilde seit knapp 20 Jahren angehört und betont: „Wer mich kennt, weiß, dass ich ganz sicher kein Rassist bin!“

Vorsitzenden-Frage ist noch nicht geklärt

Nachtrag: Ob während der Jahreshauptversammlung im September ein neuer 1. Vorsitzender gewählt werden kann, ist noch offen. Denn noch gibt es keinen offiziellen Kandidaten, der seinen Hut in den Ring werfen möchte. Dasselbe gilt zum jetzigen Stand der Dinge auch für die Position des Schriftführers.

Schützenfeier am 14. August

  • Eigentlich sollte in zwei Wochen das Rapener Schützenfest stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie wird es nicht durchgeführt. Dafür findet aber am Samstag, 14. August, ab 17 Uhr am Rapener Schützenhaus an der Ewaldstraße eine Schützenfeier statt. Dazu sind alle Gildenmitglieder nebst Familie eingeladen. Die Gildenmitglieder erscheinen im großen Dienstanzug.
  • Während der Schützenfeier sollen die Jubilare der Gilde ausgezeichnet werden.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt