Thema auch im Schulausschuss

Schulen sind digital – Oer-Erkenschwick ist Vorreiter in der Region

Oer-Erkenschwick ist Vorreiter im Bereich der Digitalisierung an Schulen. Daher war jetzt Smart Region zu Gast am Gymnasium, dessen Tablet-Projekt jetzt vom Schulausschuss verlängert wurde.
Zu Besuch am Gymnasium: (v.l.) Natalie Schulz (Smart Region Emscher-Lippe), WiN Emscher-Lippe-Geschäftsführer Bernd Groß, und Daniel Spitzenberger (Smart Region) informierten sich bei Bürgermeister Carsten Wewers, Thierry Sußek (städtischer IT-Betreuer), Schulleiter Christian Huhn, Marc-Andre Fischer (städtischer IT-Betreuer) und Lehrer Karl Probst über den Stand der Digitalisierung am Willy-Brandt-Gymnasium und den weiteren städtischen Schulen. Alle Beteiligten sind geimpft und konnten so im gut durchlüfteten Klassenraum für das Foto die Maske abnehmen. © Regine Klein

Computer, Smartphones und Tablets sind aus dem privaten und beruflichen Leben nicht mehr wegzudenken. Der kompetente Umgang mit digitalen Medien und neuester Technik wird zur wichtigen Voraussetzung für die berufliche und private Zukunft von jungen Menschen. Nicht erst seit der Coronakrise und dem mit ihr verbundenen Homeschooling für Tausende Schüler wird der Ruf nach einer umfassenden Digitalisierung der Schulen laut.

Wie gut, dass Oer-Erkenschwick in Sachen Digitalisierung an Schulen als Vorreiter in der Region gilt. In Oer-Erkenschwick ist Unterricht mit Tablet und Co. längst keine Zukunftsmusik mehr. Und zur Betreuung der IT-Infrastruktur der Schulen sind bei der Stadt neue Stellen geschaffen worden – die Stimbergstadt ist damit einer der Vorreiter in der „Smart Region Emscher-Lippe.

Willy-Brandt-Gymnasium kann als Blaupause dienen

Die WiN Emscher-Lippe GmbH, also das Wirtschaftsförderer-Netzwerk unserer Region, hat es sich zur Aufgabe gemacht, unter der Überschrift „Smart Region Emscher-Lippe“ Unternehmen und Institutionen, „die smarte Innovationen als digitale Pioniere vorantreiben“, sichtbar zu machen. Vertreter der „Smart Region“ trafen jetzt in Oer-Erkenschwick auf Bürgermeister Carsten Wewers und Schulleiter Christian Huhn, „dessen“ Willy-Brandt-Gymnasium stellvertretend auch für alle anderen Schulen am Stimberg als Vorreiter in Sachen Digitalisierung gilt.

Unter dem Stichwort „Smart Netzworks“ bündele man Digitalisierungsprojekte, mache Digitalisierungsentwicklungen transparent und der Öffentlichkeit zugänglich und stärke die Zusammenarbeit in der Emscher-Lippe-Region. „Das Willy-Brandt-Gymnasium und die Stadt können als Blaupause für andere dienen“, macht der Geschäftsführer der WiN Emscher-Lippe, Bernd Groß, deutlich.

Digitalisierung auch, um wettbewerbsfähig zu bleiben

Als einzigem Gymnasium vor Ort fehlen dem WBG Kooperationspartner, die Schule steht in Konkurrenz zu den Gymnasien der Stadt Recklinghausen. „Also stellte sich die Frage, wie wir wettbewerbsfähig bleiben. Und da ist die Digitalisierung ein guter Schwerpunkt“, berichtet Huhn. Die Startphase sei nicht immer einfach, aber stets konstruktiv gewesen. Schließlich wurde im Zuge der Digitalisierung auch beschlossen, dass sich die Stadt zu 50 Prozent an Anschaffungskosten für Tablets beteiligt. Mittlerweile gibt es zwei Jahrgänge (6 und EF) mit „iPad-Klassen“. 160 Schüler und Lehrer wurden über Landesförderprogramme mit Tablets ausgestattet. Am Gymnasium gibt es zurzeit drei Klassensätze mit Tablets, mit denen die Schüler arbeiten können.

„Natürlich wäre der jetzige Stand der Digitalisierung an unseren Schulen nicht ohne Landes- und Bundesfördergelder machbar gewesen“, sagt Bürgermeister Carsten Wewers. Oer-Erkenschwick hatte frühzeitig allein rund 1,2 Mio. Euro aus dem Digitalpakt abgerufen, und damit als einzige Kommune die komplett zur Verfügung stehenden Mittel. Allein 1200 Tablets wurden von den Geldern für die Schulen angeschafft. Die Klassenräume am Willy-Brandt-Gymnasium sind mit Soundbars, Beamern und AppleTVs ausgestattet – eine technische Ausstattung die für alle Schulen im Stadtgebiet gilt.

Zwei Breitbandanschlüsse pro Schule

„Lediglich an der Clemens-Höppe-Schule fehlt noch die komplette Abdeckung mit WLAN. Aber in gut drei Wochen sind wir an allen sieben Schulen fertig“, freut sich Marc-Andre Fischer, der zusammen mit Thierry Sußek die IT an den Schulen betreut, und so auch die Lehrer in ihrem Schulalltag entlastet. „Es ist einfach sehr schwer, Handwerker zu bekommen“, erklärt der städtische Mitarbeiter die Verzögerungen. Aber: Jede Schule besitzt mittlerweile zwei schnelle Breitbandanschlüsse: einen ein Gigabit-Glasfaser-Anschluss der Telekom und einen 650 MBit-Kupferkabel-Anschluss von Vodafone. Streaming von Unterricht, auch im Falle eines weiteren Lockdowns, stellt so kein Problem mehr dar.

Generell ist der große Vorteil: „Wir haben auf ein einheitliches Vorgehen und System geachtet. Alle Schulen nutzen iServe, alle haben die gleichen Geräte. Das macht die Zusammenarbeit einfach“, erklärt Fischer. So können zum Beispiel Schüler der Paul-Gerhardt-Schule, die zum Teil in Räumen der Christoph-Stöver-Realschule Unterricht haben, dort aber das Netzwerk ihrer eigenen Schule nutzen.

Lernmittelfreiheit für Tablets gefordert

„Digitale Bildung darf auch bei uns keine soziale Frage werden“, bekräftigt Bürgermeister Carsten Wewers. Und so wird auch an den Oer-Erkenschwicker Schulen der Ruf laut, dass die Landesregierung eine Lernmittelfreiheit für Tablets, ähnlich wie die für Lehrbücher, schafft. Tablets an Schulen sollten kein Projekt, sondern selbstverständlich sein. „Es wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen“, sagte Christian Huhn, der im Schulausschuss einen Sachstandsbericht über die „iPad“-Klassen gab. Und der Schulleiter konnte positive Nachrichten aus dem Ausschuss mitnehmen. „Es gibt einen einstimmigen Beschluss des Ausschusses zur Fortführung des iPad-Projektes. Wir bewerten es als eine wertvolle Unterstützung für den Unterricht. Es wird darüber nun jährlich entschieden, um auch auf neue Beschlüsse des Landtags reagieren zu können“, berichtet der Ausschussvorsitzende Ulrich Falk. Das heißt konkret: Das Projekt kann fortgeführt werden, zwei weitere Jahrgänge können mit Tablets ausgestattet werden. Jährliche Aufwendungen für die Stadt: 14.000 Euro. Geld, das in eine digitale Zukunft für die Schüler gut angelegt ist.

  • Die „Smart Region“ Emscher-Lippe ist tätig in Datteln, Waltrop, Oer-Erkenschwick, Castrop-Rauxel, Dorsten, Gladbeck, Haltern am See, Herten, Marl, RE, Bottrop und Gelsenkirchen. Sie vernetzt Digitalisierungsaktivitäten und digitales Know-how in der Region und trägt zusammen, zu welchen wissenschaftlichen Themen und digitalen Forschungsfeldern hier gearbeitet wird.
  • Digitaler Unterricht muss sorgfältig vorbereitet werden. „In Konferenzen wird dieser unter den Kollegen genauestens abgestimmt“, berichtet Christian Huhn, Leiter des Gymnasiums. Ob die Aufarbeitung und Präsentation von Gruppenarbeiten, interaktive Experimente in den Naturwissenschaften oder interaktive Übungen in Fremdsprachen, für den Unterricht und damit vor allem für die Schüler lohnt sich der Aufwand. Und das hätten mehrere Leiter von Oer-Erkenschwicker Schulen auch im Schulausschuss nochmals bekräftigt, wie Ausschussvorsitzender Ulrich Falk berichtet.

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