XXL-Gewächshauser auf der Zechenbrache

Spätestens im Augúst 2022 werden die ersten Tomaten geerntet

In der nächsten Woche will die Fakt AG den Vertrag mit dem KVR über den Kauf der Zechenbrache des ehemaligen Bergwerks Ewald-Fortsetzung unter Dach und Fach bringen.
Ende 2021 sollen eigentlich die ersten Tomaten in den Gewächshäusern auf der Halde wachsen. Jetzt rechnet die Fakt AG im August 2022 mit der ersten Ernte. © Archiv

Schon ein halbes Jahr war nichts mehr zu hören von den Plänen, auf dem ehemaligen Zechengelände ein XXL-Gewächshaus für Tomaten und Paprika mit einer Fläche von rund 100.000 Quadratmetern zu errichten. Eigentlich sollten schon Anfang 2022 die erste Tomaten in Oer-Erkenschwick geerntet werden. Die geografische Lage des Geländes verzögert den Bau.

„Weil es auf der Gewächshausfläche Höhenunterschiede von zwei bis vier Metern gibt, mussten wir die Pläne ändern“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Fakt AG, Prof. Hubert Schulte-Kemper. Statt einem großen Gewächshaus will die Fakt AG jetzt zwei voneinander unabhängige Gebäude auf der Zechenbrache bauen.

Im ersten Bauabschnitt soll ein 50.000 m² großes Gewächshaus entstehen. Auf dieser Fläche sollen noch in diesem Jahr die Erdarbeiten beginnen. Die Aufstellung der Gewächshäuser soll relativ schnell, in zwei bis drei Monaten vonstattengehen. Zuvor müssen aber noch etliche Kubikmeter Erdreich bewegt werden. „Spätestens im August 2022 wollen wir dort dann die ersten Tomaten ernten. Wir müssen die Lieferverträge mit unserem Distributor einhalten, der Discounter und Lebensmittelmärkte in der Region mit frischem Gemüse aus Oer-Erkenschwick versorgen will“, sagt Schulte-Kemper.

Mit dem zweiten Abschnitt will die Fakt AG direkt im Anschluss beginnen. Das Gewächshaus wird etwas kleiner, mit einer Nutzfläche von rund 45.000 Quadratmetern. Hier soll die Ernte Anfang 2023 starten. „Bei den erforderlichen Gutachten und Genehmigungen zum Beispiel durch die Untere Wasserbehörde sehe ich keine Probleme. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten drei bis vier Wochen den Bauantrag für die Gewächshäuser stellen.“, sagt Schulte-Kemper.

Die größte Fläche in Oer-Erkenschwick – nach der Haard

Insgesamt erwirbt die Fakt AG auf der mit Altlasten behafteten Zechenbrache eine Fläche von 280.000 m². „Auf dem nicht bebauten Gelände werden wir eine ökologische Traumwelt erschaffen, losgelöst von der Haard die größte in Oer-Erkenschwick“, kündigt der Vorstandsvorsitzende an.

Die Gewächshaus-Fläche von 95.000 m² entspricht in etwa der Größe von 14 Fußballfeldern. Die XXL-Glaskästen werden etwa sieben Meter hoch. Dazu sollen noch etwa 400 Quadratmeter für den Verwaltungstrakt und die Verpackungshalle kommen. Damit die Tomaten bei Trockenheit nicht verdursten, sollen neben der ehemaligen Zechenbahntrasse zwei Regenrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 30.000 Kubikmetern entstehen. Die Zufahrt soll von der Ewaldstraße in Höhe des ehemaligen Landabsatzes erfolgen. Für die Heizung des Gewächshauses will die Fakt-AG das vorhandene Grubengas-Fernwärmenetz nutzen.

Politik ist dafür – Bürgerinitiative ist dagegen

Der Rat der Stadt Oer-Erkenschwick hat die Gewächshauspläne mit großer Mehrheit abgesegnet. Indes gründete sich im September 2020 die Bürgerinitiative Ewald-Fortsetzung (BIEF), die dem Vorhaben kritisch gegenübersteht und es verhindern will. Denn nach Schließung der Zeche ist im Laufe der Jahre unterhalb der Halde eine Graslandschaft entstanden, die es sonst am Stimberg nicht noch einmal gibt. Die pure Natur ist insbesondere für verschiedenste Vogelarten ein paradiesischer Tummelplatz. Initiator Björn Kurzke lud im vergangenen Herbst Interessierte zu mehreren Haldenbegehungen ein und kündigte eine Online-Petition oder ein Bürgerbegehren gegen die Gewächshauspläne an.

Wegen der 100 Arbeitsplätze, die das Tomaten- Gewächshaus bringen soll, übte DGB-Ortsverbandsvorsitzender Werner Nilius allerdings heftige Kritik am Widerstand der BIEF gegen die Pläne der Fakt AG. Der Gewerkschaftler ist der Auffassung, dass solche Bürgerinitiativen nicht alle Investoren abschrecken dürfen, sonst würde bald kein Investor mehr nach Oer-Erkenschwick kommen.

Lesen Sie jetzt