Serie: Was macht eigentlich Horst Nilius?

Streitbarer Sozialdemokrat und Vereinsfunktionär in Oer-Erkenschwick

Er ist ein Rapener Urgestein. Und er gehört zum FC 26 wie der Sportplatz am Steinrapener Weg in Oer-Erkenschwick. Wir wollen wissen: Was macht eigentlich das SPD-Urgestein Horst Nilius?
Auch heute noch ist Ehrenvorsitzender Horst Nilius beinahe täglich auf der Platzanlage des FC 26 in Oer-Erkenschwick, um nach dem Rechten zu sehen. © Jörg Müller

In Oer-Erkenschwick war und ist Horst Nilius regelmäßiger Gast der Veranstaltungen „seiner“ SPD. Funktionen an der Parteispitze oder gar ein Ratsmandat hat der 87-Jährige am Stimberg aber nie besetzt. Was aber kaum jemand weiß: Horst Nilius hat sich in den 70er-Jahren sehr erfolgreich gegen die CDU-Alleinherrschaft im damals „schwarzen“ Coesfeld gestemmt.

„Ich wollte mitmachen – auch in Oer-Erkenschwick“

„Ich habe mich schon in meiner Jugend politisch mitte-links verortet. Und weil die SPD zumindest damals etwas für die Arbeiterschaft getan hat, war es für mich beinahe zwangsläufig, dass ich der SPD beitrete“, erzählt Horst Nilius, den wir auf dem FC-Sportplatz am Steinrapener Weg in Oer-Erkenschwick getroffen haben. „Und für mich war damals wie heute wichtig: Ich wollte mitmachen, wollte mich am gesellschaftlichen Leben beteiligen.“

Wechsel von Oer-Erkenschwick nach Lette

In den 70er-Jahren verschlug es Nilius für einige Jahre nach Lette bei Coesfeld. „Das ist damals kaum jemanden aufgefallen, weil ich ehrenamtlich hier in Oer-Erkenschwick aktiv geblieben bin“, erzählt Nilius. Und im Münsterland ist dem heute 87-Jährigen damals sauer aufgestoßen, dass die dortige CDU so übermächtig war. „Die konnten da beinahe machen, was sie wollen. Aber nicht mit mir“, sagt Nilius.

„Klassische SPD-Klientel gibt es nicht mehr“

Und so legte sich der durchaus auch streitbare Rapener mit den CDU-Granden an. Das brachte ihm Respekt und Anerkennung in der Bevölkerung ein. Mit der Folge, dass Horst Nilius für die SPD in den Rat der Stadt Coesfeld gewählt wurde. Das ist nun lange her. Den Niedergang seiner Partei in Sachen Wählerstimmen erklärt Nilius sich unter anderem so: „Es gibt die Arbeiterschaft als klassische SPD-Wählerklientel nicht mehr. Wobei immer noch viele Menschen die Unterstützung durch die Sozialdemokratie brauchen. Aber viele von ihnen wählen leider offenbar lieber die Linkspartei oder die AfD“, meint Nilius.

In Oer-Erkenschwick junge Leute an die SPD heranführen

Außerdem, so Horst Nilius weiter, würden im Bund aber auch vor Ort die Ideale der Sozialdemokratie von den Funktionären nicht mehr so rübergebracht, wie das früher war. „Die SPD hat in der Großen Koalition als Juniorpartner der CDU gelitten. Den negativen Trend wieder umzukehren, das wird nicht einfach“, befürchtet Horst Nilius. Vor Ort sei es nun wichtig, möglichst schnell junge Leute an die Übernahme politischer Verantwortung heranzuführen und sie zu Aushängeschildern der SPD zu machen. „Wir brauchen wieder Typen, die die Ärmel hochkrempeln und den Leuten zurufen: Wählt mich! Ich mache es in eurem Sinne anders und besser.“

Zwei Termine in Oer-Erkenschwick fest im Auge

Und was wünscht sich der 87-Jährige persönlich für die Zukunft? „Gesundheit ist das wichtigste. Ich würde gerne noch die Eröffnung der neugestalteten FC-Anlage miterleben. Und in zwei Jahren wird der Volkschor 100. Bei der Feier möchte ich auch unbedingt noch dabei sein“, sagt Horst Nilius.

Familien- und Vereinsmensch

  • Horst Nilius ist 87 Jahre alt, seit 62 Jahren mit Ehefrau Anni verheiratet, Vater von drei Kindern, fünffacher Opa und dreifacher Urgroßvater.
  • Geboren und aufgewachsen an der Bergstraße im Ortsteil Rapen erlernte Nilius zunächst bei „Becker-Prünte“ den Beruf des Technischen Zeichners. Um mehr Geld zu verdienten, legte er wenig später als Schlepper auf dem Bergwerk Ewald-Fortsetzung an. Dort qualifizierte er sich ständig weiter, war schließlich Reviersteiger und kehrte als solcher 1968 ab
  • Aber nicht in den Ruhestand. Nilius studierte Sport, Mathematik, Geschichte und Politik fürs Lehramt und wurde 1972 Lehrer an der Hauptschule in Marl-Hüls. 1982 wurde er dort Rektor, musste die Schule wenig später wegen Schülermangels schließen und wechselte als stellvertretender Schulleiter zur Pestalozzi-Grundschule. Seit 1997 befindet er sich in Pension.
  • Seit 1942 gehört Nilius dem FC 26 an, ist dort Ehrenvorsitzender. Seit 60 Jahren singt er im Volkschor, den er auch seit vielen Jahren führt. Seit 1959 ist Horst Nilius Mitglied der SPD.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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