An der Industriestraße

Suche nach Weltkriegs-Terrorbomben in Oer-Erkenschwick beginnt

Die Industriestraße ist dicht. Es wird nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Schlimmstenfalls werden Bomben mit Säurezünder gefunden, die Angst und Terror verbreiten sollten.
Voll gesperrt ist die Industriestraße in Oer-Erkenschwick ab Höhe Westfleisch-Zentrale. Auch die Zufahrt zum Lkw-Parkplatz ist mindestens bis zum 24. August nicht möglich. © Jörg Müller

Noch mindestens bis zum 24. August ist das Mittelstück der Industriestraße etwa ab der Westfleisch-Zentrale inklusive des Lkw-Parkplatzes gesperrt. Dort wird nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. „Wir haben nach Auswertung alliierter Luftbilder drei konkrete Verdachtspunkte in dem Bereich, die wir nun von einer Fachfirma unter Aufsicht des Kampfmittelräumdienstes der Bezirksregierung Arnsberg untersuchen lassen“, erklärt Ordnungsamtsmitarbeiter Klemens Erwig. Der 62-Jährige ist seit gut 41 Dienstjahren „im Geschäft“ und in Sachen Bombensuche ein alter Hase. „Seine“ erste Bombe am Dienstort Oer-Erkenschwick hat er übrigens vor 25 Jahren gefunden.

37 Bohrungen pro Bombenverdachtspunkt in Oer-Erkenschwick

Was passiert nun an der Industriestraße? „Dort werden durch eine Spezialfirma rund um jeden Verdachtspunkt jeweils 37 Bohrungen in bis zu sieben Metern Tiefe und in einem Abstand von zwei Metern zueinander durchgeführt. Danach wird mit Sonden nach ferromagnetischen Störungen, also nach Metall im Boden gesucht. Wird etwas gefunden, dann entscheiden die Kampfmittelräumer ob das Objekt freigegraben und danach gegebenenfalls geborgen, entschärft oder gesprengt wird“, klärt Klemens Erwig. Aber so weit ist man an der Industriestraße noch lange nicht.

Kampfmittelsuche ist rechtlich vorgeschrieben

Die Kampfmittelsuche ist vor Tiefbauarbeiten seit vielen Jahren bauordnungsrechtlich vorgeschrieben. So muss beispielsweise jeder Bauherr einen Nachweis der Kampfmittelfreiheit seines Grundstückes erbringen. Der Bereich an der Industriestraße ist im Zuge der Verlegung von Breitbandkabeln durch die Telekom untersucht worden. „Die Untersuchung beginnt zunächst bei mir an meinem Dienstcomputer“, erklärt Klemens Erwig. „Denn ich habe Online ein Kampfmittelkataster zur Verfügung.“ Dessen Daten basieren auf Luftbildern, die die alliierten Flugzeuge bei ihren Angriffen auch auf den Kreis Recklinghausen gemacht haben. „Engländer und Amerikaner ließen die Region zunächst von Aufklärern überfliegen und abfotografieren, um so die Ziele späterer Bombenangriffe auszumachen. Dann wurde auch während und nach der Bombardierungen fotografiert. Diese Luftbilder wurden von den ehemaligen Kriegs-Alliierten erst 1998 an die Bundesrepublik übergeben und lagern für diese Region bei der Bezirksregierung in Arnsberg“, erläutert Erwig weiter.

Bombensuche am PC im Rathaus von Oer-Erkenschwick

Liefert der Computer im Rathaus von Oer-Erkenschwick keine genauen Informationen über den zu untersuchenden Bereich, wird Arnsberg um Hilfe gebeten. Auch das erfolgt online. Die Luftbildauswertung der Kampfmittelräumer kann nun keine Hinweise auf Blindgänger ergeben, oder eben doch. Ist das zu untersuchende Areal als Bombardierungsgebiet bekannt oder haben dort damals Flakstellungen gestanden, dann wird der Boden zunächst nur oberflächlich mit Metallsonden geprüft. Wenn aber wie an der Industriestraße vermeintliche Blindgänger ermittelt werden konnten, dann wird gebohrt.

„Das Problem ist nur, dass eventuelle Blindgängerbeseitigungen in der direkten Nachkriegszeit nicht erfasst wurden. Aber wir suchen natürlich lieber zu viel, als zu wenig“, sagt Klemens Erwig. An der Industriestraße ist es so, dass die Verdachtspunkte sich nah am Bürgersteig befinden. „Und darunter liegen meist Versorgungsleitungen. Bei Störungen muss dort mit Baggern gegraben werden. Deshalb wollen wir mit der jetzigen Suche Detonationen ausschließen“, erläutert Erwig.

Mancher Blindgänger muss kontrolliert gesprengt werden. Das ist möglich, wenn es sich um Fliegerbomben mit Säurezündern handelt. „Das waren Zeitzünder, die nach den Bombenangriffen noch einmal für Angst und Terror unter der Bevölkerung sorgen sollten. Und die sind auch heute noch sehr empfindlich“, klärt Erwig auf.

Spektakuläre Bombenfunde

  • Die letzten spektakulären Bombenfunde in der Stadt liegen schon etwas zurück.
  • Bei den Bauarbeiten auf dem Gelände des Sportvereins FC 26 wurde im November vergangenen Jahres eine Sprenggranate aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Sie musste sicherheitshalber vor Ort gesprengt werden.
  • Viel Aufsehen erregender war ein Bombenfund an der Karlstraße gut zwei Jahre zuvor. Dieser Blindgänger lag in 6,5 Metern Tiefe und wurde bei Kanalarbeiten entdeckt. Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes der Bezirksregierung Münster konnten die Fünf-Zentner-Fliegerbombe vor Ort entschärfen.

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