Serie: Was macht eigentlich...?

Un-Ruheständler arbeitet heute in der Natur in Oer-Erkenschwick

Er war fast ein Vierteljahrhundert das Gesicht des Salvador-Allende-Hauses. Lothar Urban (70) legt aber auch sechs Jahre nach seinem Rentenantritt die Hände nicht in den Schoß.
Früher saß er als Leiter des Salvador-Allende-Hauses in Oer-Erkenschwick viel mehr hinter dem Schreibtisch. Heute liebt Lothar Urban die Arbeit in der Natur des Jugendcamps Haard. © Jörg Müller

Langeweile kennt Lothar Urban nicht. Der heute 70-Jährige war fast ein Vierteljahrhundert als Geschäftsführer das Gesicht des Salvador-Allende-Hauses am Haardgrenzweg in Oer-Erkenschwick. Nach seinem Wechsel als Chef der Weiterbildungseinrichtung der „Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken“ zurück zum Falken-Bauverein in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen trat er 2015 in den sprichwörtlichen Un-Ruhestand. Denn genau genommen hat der überzeugte Familienmensch und Sozialdemokrat heute beinahe genau soviel zu tun wie zur Zeit seiner Berufstätigkeit, die immerhin 45 Jahre und einen Monat andauerte.

Vereinschef des Jugendcamps Haard in Oer-Erkenschwick

„Es gibt nichts Schlimmeres, als dass man in Rente geht und nicht weiß, was man dann machen soll“, sagt Lothar Urban, den wir im Jugendcamp Haard am Haardgrenzweg in Oer-Erkenschwick treffen. Und das nicht zufällig, denn Urban ist ehrenamtlicher Vorsitzender des Trägervereins und ebenso Chef der Heinz-Urban-Stiftung, die dem Jugendcamp mit seinem 15.500 Quadratmeter großen Areal und den rund 120 Schlafplätzen in Holzhäusern finanziell unter die Arme greift.

Corona-Pandemie zur Anlagenpflege in Oer-Erkenschwick genutzt

„Wir haben im Jugendcamp natürlich auch unter der Corona-Pandemie gelitten. Aber am 1. Juli kommen auch wieder die ersten Übernachtungsgäste. Es geht endlich wieder los“, sagt Lothar Urban. Und bis dahin gab und gibt es noch jede Menge zu tun. „Wir haben die Hütten neu gestrichen und überhaupt Anlagenpflege betrieben. Da kann man sich auch körperlich auspowern“, sagt der 70-Jährige.

Lothar Urban macht sich für die SPD in Gelsenkirchen stark

Und wenn er sich nicht um die Belange der Stiftung und des Jugendcamps kümmert, dann ist Lothar Urban für die SPD in Gelsenkirchen im Einsatz. Dort ist er Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung Mitte und macht sich als SPD-Urgestein so seine Gedanken über die Zukunft der Partei, die bei den kommenden Bundestagswahlen ums Überleben als große Volkspartei kämpft. „Der politische Erfolg einer Partei hängt auf lokaler, aber auch auf Bundesebene auch von den dort handelnden Personen ab. Ganz offenbar haben die Nachfolger von Willy Brandt, der ja eine wahre sozialdemokratische Bewegung ausgelöst hat, die Menschen nicht mehr so mitnehmen können“, meint Lothar Urban.

Und auf die Frage, ob der aktuelle SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz denn der richtige sei, antwortet Urban: „Die Frage ist doch eher: Wen haben wir noch?“

Lebensgeschichte ist eng mit Oer-Erkenschwick verbunden

Lothar Urbans Lebensgeschichte ist nicht nur wegen seiner langen Berufstätigkeit in Oer-Erkenschwick auf nahezu schicksalhafte Weise mit Oer-Erkenschwick verbunden. Vater Heinz war Mitglied des Landtags NRW und saß dort neben Heinz Netta, dem damaligen Bürgermeister von Oer-Erkenschwick. „Und meine Tochter ist heute mit einer Netta-Enkelin eng befreundet“, sagt Urban.

Familie ist für Lothar Urban sehr wichtig

Und damit sind wir schon beim Thema Familie, das Lothar Urban sehr wichtig ist. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir alle gesund sind, die Kinder Arbeit haben und die Enkel sich in der Schule prächtig entwickeln. Und ich hoffe sehr, dass wir als Familie noch einige Jahre guter Dinge zusammen sein dürfen“, sagt Lothar Urban. Zum Beispiel auf dem Campingplatz in einem kleinen niederländischen Örtchen. Dort verbringt Lothar Urban zusammen mit der Familie viel Zeit. Wenn er nicht gerade Motorrad fährt. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte…

Familienmensch im Unruhestand

  • Lothar Urban ist 70 Jahre alt und in Gelsenkirchen aufgewachsen. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann und schloss nach dem Wehrdienst sein Studium in Paderborn als Diplom-Betriebswirt ab.
  • Nach einem Intermezzo beim Gelsenkirchener Stadthafen wurde Lothar Urban Betriebskostenrechner bei der Zentraldeponie Emscherbruch, bevor der 1976 als Geschäftsführer zum Bauverein Falkenjugend in Gelsenkirchen, dem damals größten freien Träger offener Jugendeinrichtungen, wechselte.
  • 1989 erfolgte dann der Wechsel nach Oer-Erkenschwick. Lothar Urban wurde Geschäftsführer des Salvador-Allende-Hauses am Haardgrenzweg. 2013 wechselte er dann noch einmal zurück zum Falkenjugend-Bauverein, bevor er 2015 nach 45 Berufsjahren in den (Un-)Ruhestand trat.
  • Lothar Urban ist seit 48 Jahren verheiratet, hat drei Kinder und acht Enkel.
  • Seit 52 Jahren ist er Mitglied der SPD, deren Fraktion Urban in der Bezirksvertretung Gelsenkirchen-Mitte seit 37 Jahren anführt. Zudem ist der 70-Jährige ehrenamtlicher Vorsitzender der Heinz-Urban-Stiftung und Vorsitzender des Vereins „Kinder- und Jugendcamp Haard“.

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