In der Haard

Wahrlich keine Rabeneltern – Ulrich Kamp beobachtet seltenen Vogel

Ulrich Kamp aus Oer-Erkenschwick ist häufig in der heimischen Natur unterwegs. Hier macht der Naturexperte immer wieder besondere Entdeckungen. Jetzt traf er auf einen seltenen Vogel.
Forscher haben ein ausgeprägtes Langzeitgedächtnis bei Kolkraben nachgewiesen. Die Vögel können sich sogar noch nach Jahren an die Qualität der früheren Beziehung zu anderen Artgenossen erinnern. © picture alliance / dpa

Eine Nachtigall ist der Kolkrabe wahrlich nicht, zumindest was das Sängerische angeht. Trotzdem wird er als Singvogel eingeordnet und ist in dieser Art der größte Vertreter. „Kolkraben leben auch im Ostvest, sie sind zwar nicht häufig, aber sie sind da. Zum Beispiel kürzlich in einem Waldbestand mit hohen alten Bäumen unweit der Gaststätte Mutter Wehner in der Oer-Erkenschwicker Haard“, berichtet Naturliebhaber Ulrich Kamp.

Plötzlich hörte der Oer-Erkenschwicker ein lautes „Korrk, korrk, korrk“ über sich in den Baumwipfeln. Dann tauchten zwei massige, bussardgroße Vögel auf, die sich gegenseitig spielerisch verfolgten. Kamp: „Die Vögel sind schnell, wendig und scheinen jedenfalls äußerst beweglich. Mal setzen sie sich kurz auf einen hoch liegenden Ast, leider oft durch Zweige halb verdeckt.“

Ulrich Kamp hat einen Kolkraben in der Haard fotografiert. © privat © privat

Kolkraben sind relativ selten

15 Minuten dauerte die tierische Vorstellung, bis sich die Kolkraben in einen entfernteren Teil des Waldes zurückzogen. „Ihre Rufe waren aber noch lange zu hören“, erzählt Ulrich Kamp. Kolkraben sind relativ selten, sind aber wohl dabei, sich wieder auszubreiten. Ulrich Kamp erläutert: „Der Vogel ist ganzjährig geschützt, im Ostvest sah ich ihn in Datteln Nähe Katenkreuz und in den Feldern am Ahsener Sportplatz.“ Ein Pärchen überflog den Vogelkenner auf dem Wanderweg am Naturschutzgebiet Stimberghöhen in OE. Und auf dem freien Feld hinter der ehemaligen Raketenabschussbasis im Jammertal sah er eine Kolkraben-Familie.

„Übrigens, die Bezeichnung Rabeneltern im Sinne von ‚nicht um die Kinder kümmern‘, das trifft für die Kolkraben absolut nicht zu“, weiß Kamp. „Sie kümmern sich rührend und verteidigen den Nachwuchs erbittert gegen Feinde. Auch die Ehepartner halten ihr Leben lang zusammen und kraulen sich regelmäßig gegenseitig das Kopfgefieder.“

Raben sind schlaue Tiere

Alle Rabenvögel, ob Krähen, Elstern, Dohlen oder Eichelhäher, gelten als äußerst intelligent, der Oberschlauberger innerhalb dieser Sippe ist der Kolkrabe. Raben sagt man nach, sie könnten vorausschauend, also auch für den nächsten Tag, planen. Nur unbesiegbar ist er nicht.

Ulrich Kamp erinnert sich: „In einem Waldstück in Datteln, so berichtete mir Gerhard Clarenbach aus Oer-Erkenschwick – auch Nabu-Urgestein und Spezialist für Spechte – existiert ein großer Horst in einem alten Baum versteckt in einem alten Baumbestand. Der Horst wird Jahr für Jahr bezogen. Raben wählen gern immer dasselbe Jagdrevier und auch sehr gern den alten Brutplatz.“

Tierische Rivalen kämpfen um Brutplatz

Dort in Datteln gibt es aber Rivalen: Nilgänse, ebenfalls Baumbrüter und durchaus wehrhaft. So treffen sich Nilgänse und Kolkraben jedes Jahr an diesem Brutplatz und kämpfen aus, wer dort brüten darf. „Und Gerd Clarenbach sagte mir, ich solle bloß nicht glauben, dass die Nilgänse immer nur weggejagt würden, immer ‚sehr gutes, ausgeglichenes Spiel auf hohem Niveau mit ungewissem Ausgang‘.“

So sorgt die Natur dafür, dass auch scheinbar unbesiegbare Tiere gelegentlich den Kürzeren ziehen. Ulrich Kamp: „Als ich zuletzt an diesem Brutplatz war, hatten die Raben gewonnen…“

Raben sind Allesfresser, sie ernähren sich von Aas, Samen, Früchten, aber auch von lebender Beute wie Nagern, Hasen, Kaninchen, jungen Vögeln oder Eiern. Der bis etwa 70 cm große Vogel (Corvus corax ist der wissenschaftliche Name) ist nicht nur wehrhaft bei Angriffen auf ihn, er nutzt seine schiere Wucht und Größe inklusive Krallen und Schnabel auch, um lebende Beute nach Greifvogelart zu schlagen.

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