Projekt von Realschule und Heimatverein

Warum Nachwuchs-Archivare und Heimatkundler in Münster unterwegs waren

Zehntklässler der Christoph-Stöver-Realschule sortieren den Buchbestand im Oerer Heimathaus. Die Coronapandemie bremste das Projekt zwar aus, ein Dankeschön gab es vom Heimatverein trotzdem.
Gisela und Wolfgang Kukla vom Heimatverein, die Realschüler Justin Drost, Lea Schlender, Sarah Köhler, Anika Bucinska, Geschichtslehrerin Hanna Eilebrecht und Heimatvereinsvorsitzender Jürgen Meinders beim Besuch in Münster. Aufgrund der in Münster geltenden Schutzmaßnahmen ist das Foto coronakonform. Die Erwachsenen sind geimpft, und fallen so aus der Zählung, nach der sich in Münster fünf Personen aus verschiedenen Haushalten draußen treffen dürfen. Es fehlen krankheitsbedingt die Schülerinnen Julia Borchert und Marie Schöning. © privat

Versprochen ist versprochen: „Allein, weil die Schüler ein solches Engagement gezeigt haben, haben wir natürlich unser Versprechen eingehalten, und die Realschüler zu einem Besuch in Münster eingeladen“, erzählt Jürgen Meinders, Vorsitzender des Orts- und Heimatkundevereins. Warum der Heimatverein die Realschüler ins Naturkundemuseum und zu einem Stadtbummel eingeladen hat, ist schnell erklärt: Zehntklässler der Christoph-Stöver-Realschule hatten mit ihrer Geschichtslehrerin Hanna Eilebrecht und dem Heimatverein zu Beginn des Jahres ein gemeinsames Projekt angestoßen: Neun Mädchen und ein Junge katalogisieren außerhalb der Schulzeit den Fundus an Büchern und Zeitschriften im Oerer Heimathaus und wollen dabei auch ihren Horizont in Sachen Heimatkunde erweitern. „Das ist ein tolles Projekt, mich interessiert die Geschichte von Oer-Erkenschwick“, sagte Lea Schlender bei der Projektvorstellung.

200 Werke sollen katalogisiert werden

Mit Büchern kennen sich die Projektschüler gut aus. In den großen Pausen managen die Zehntklässler nämlich im täglichen Wechsel die Schulbücherei, die Hanna Eilebrecht mit einem Kollegen für die Fünft- und Sechstklässler eingerichtet hat. „Wir haben immerhin schon 500 Titel zum Ausleihen in den Regalen und Schränken“, sagte Justin Drost.

Im Heimathaus sind es nur etwas mehr als 200 Werke, die sie nach Themengebieten mit einem Büchereiprogramm sortieren und dokumentieren. Über die Jahre hat sich im Oerer Heimathaus viel niedergeschriebenes Wissen angesammelt – zum Teil selbst angeschafft, aber auch als Geschenk oder Dachbodenfund zu den Heimatkundlern gekommen. Die Schüler sollen Ordnung hereinbringen in die Regale voll mit Sachbüchern, Ausgaben des Vestischen Kalenders oder Heimatdichtung. „Es geht dabei um Themen wie Landwirtschaft, Denkmalpflege, plattdeutsche Sprache und auch darum, wie man ein Dorf attraktiver machen kann“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins. Jürgen Meinders. Schließlich lautet das Motto des Vereins: Tradition bewahren, Gegenwart leben und Zukunft gestalten. „Mich interessiert dabei eben auch, welchen Eindruck junge Menschen davon haben.“

Coronapandemie bremst Projekt aus

Das Projekt ist also eine Bereicherung für beide Seiten. „Schade ist nur, dass die Coronapandemie das Projekt stark ausgebremst hat“, erzählt Jürgen Meinders. Die noch vor wenigen Wochen geltenden strengen Kontaktbeschränkungen in Innenräumen machten das Sortieren der Bücher im Heimathaus unmöglich. Mehrere Termine mussten abgesagt bzw. verschoben werden. Das Literaturprojekt bleibt aber auch im bald startenden neuen Schuljahr bestehen. Zwar haben einige der ursprünglich beteiligten Schüler nun ihren Abschluss gemacht, aber: „Eine Kernmannschaft ist bestehen geblieben, und Frau Eilebrecht plant eine Verstärkung der Gruppe mit neuen Zehntklässlern“, berichtet Jürgen Meinders. Der sich eben auch über die Begeisterung der Schüler für das Projekt und Heimatgeschichte freut.

Abschluss der Literatursichtung noch in diesem Jahr

Ein grobes Gerüst konnte bereits erstellt werden, die neue Literaturprojektgruppe startet also nicht bei null. Und Jürgen Meinders hofft, „dass die neue Gruppe vielleicht noch in diesem Jahr mit der Katalogisierung fertig wird.“ Dann könnten die Ergebnisse beim traditionellen Reichshofessen des Vereins präsentiert werden – natürlich im Beisein der beteiligten Realschüler.

Neben der Katalogisierung des Bücherbestands im Heimathaus plant Jürgen Meinders übrigens noch ein weiteres literarisches Projekt. Hauptrolle spielen dabei die wertvollen wissenschaftlichen Werke, die derzeit im Stadtarchiv lagern und reichlich Wissen über vergangene Zeiten in sich bewahren. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte…

Doppel-Jubiläum für Verein und Heimathaus

  • Mit dem Heimathaus erfüllten sich die Heimatkundler 2010 einen lang gehegten Traum. Als der Löschzug Oer sein Gerätehaus an der Haardstraße nicht mehr benötigte, war die Stunde gekommen: Der 2013 verstorbene Bauunternehmer Alfred Reimann baute das Haus damals um und stiftete es dem Verein als Museum. Aus einer schmucklosen Garage wurde ein schmuckes Heimathaus. 80.000 Euro waren für den Umbau einkalkuliert worden. „Rechnen Sie mal jetzt knapp 10.000 Euro dazu“, sagte der Bauunternehmer damals. Zehn Jahre später ist das Haus ein Kleinod für Geschichts-Interessierte geworden, Schulklassen schauen gerne vorbei, regelmäßig finden Ausstellungen oder Veranstaltungen statt – und das hoffentlich auch noch die nächsten 100 Jahre…
  • Die Menschen kundig zu machen zur Ortsgeschichte, das ist seit 100 Jahren erklärtes Ziel des Vereins für Orts- und Heimatkunde. Der Beginn der Vereins-Geschichte 1920 ist untrennbar mit dem Namen von Karl Kollmann verbunden. „Lehrer Kollmann“, gründete den Heimatverein, und war bis zu seinem Tode im Jahr 1966 Vorsitzender. Sein zweitältester Nachkömmling Hans-Georg Kollmann (95) ist bis heute dem Verein verbunden, wurde im Jubiläumsjahr zum Ehrenmitglied ernannt. Kollmann schenkte dem Heimatverein zum 100. Geburtstag ein Buch in dem er „400 Jahre Schule in Oer“ und „400 Jahre Kirchhof in Oer“ beleuchtet.

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