Tier der Woche mit Video

Der kleine Max und der große Casanova halten die Hühner auf Trab

Mechelner Hühner legen viele Eier und liefern gutes Fleisch. Dennoch sind die einst beliebten Nutztiere vom Aussterben bedroht. Im Tierpark leben die Riesen in einer WG mit Zwergseidenhühnern.
Obwohl sie viel Fleisch und Eier liefern, zählen die Mechelner Hühner zu den bedrohten Haustierrassen. Diese beiden gehören zu den ersten Jungtieren, die im Tierpark geschlüpft sind. © Jörg Gutzeit

An den Hühnern führt kein Weg vorbei, schließlich befindet sich ihr Gehege direkt neben dem Ausgang des Tierparks. Wer sie links liegen lässt, verpasst etwas. „Manche Leute finden Hühner langweilig, aber da irren sie sich“, sagt die leitende Tierpflegerin Elisabeth Schüller. Darum hat sie die Mechelner Hühner und ihre kleinen Mitbewohner, die Zwergseidenhühner, als Tiere der Woche ausgewählt.

Wer am Zaun stehen bleibt, bekommt schnell Gesellschaft. Die Schar ist neugierig, und insgeheim hofft jeder Vogel auf einen Leckerbissen zum täglich servierten Körnerfutter. Natürlich enttäuscht Elisabeth Schüller das Federviech nicht. Erst wirft sie einen Salatkopf über den Zaun, dann folgen süß duftende Melonenscheiben.

Die hübschen Zwergseidenhühner leben auf dem Tiergarten-Bauernhof in einer WG mit den Mechelnern. Mit ihren puscheligen Federn sehen sie ein wenig aus wie ein explodiertes Kissen. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Die aufgeregten Hühner sind nicht zu halten, doch eine Federkugel prescht besonders hervor. „Hallo, kleiner Max“, begrüßt Elisabeth Schüller das zehn Wochen alte grau-weiß getupfte – korrekt heißt es gesperberte – Hähnchen. Es gehört zu den Mechelnern. „Bis zum Zweiten Weltkrieg war das eine weit verbreitete Haustierrasse“, erklärt Elisabeth Schüller. Denn ausgewachsene Hennen bringen rund vier Kilo auf die Waage, der Hahn sogar noch eins mehr. Und die Damen sind das ganze Jahr über legefreudig.

Dennoch wurden die zuverlässigen Fleisch- und Eilieferanten von „Hybridhühnern“ verdrängt, die entweder Eier am Fließband legen oder in Mastbetrieben nach höchstens 48 Tagen reif für die Schlachtbank sind. Die altmodische Rasse – benannt nach der belgischen Stadt Mechelen – landete in der Versenkung. „Heute sind sie nur noch bei Selbstversorgern oder Liebhabern zu finden, und natürlich bei uns“, betont die Tierpflegerin.

Ehrenamtlerin Petra Mermeyer hegt die Schar

Dabei haben der Hahn und die Henne, die im vergangenen Jahr nach Recklinghausen kamen, bereits einiges für den Erhalt ihrer Rasse getan. Die ersten Jungtiere sind ein paar Monate alt. „Der kleine Max“ und seine sehr viel zierlichere und schüchterne Schwester sind zehn Wochen jung. Dabei ist Max der einzige Vogel im Gehege, der einen Namen hat. „Den hat ihm unsere Ehrenamtlerin Petra Mermeyer gegeben, weil er so forsch und frech ist“, verrät Elisabeth Schüler. Das Mitglied des Fördervereins schenke den Hühnern sehr viel Zeit und sei eine große Hilfe für den Tierpark.

„Der kleine Max“ ist zehn Wochen alt und aufgrund seines Temperaments der einzige Vogel im Hühnergehege mit einem Namen. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

„Der kleine Max“ und seine Geschwister wurden von der Brutmaschine ausgebrütet, damit die kostbaren Eier nicht von Ratten oder anderen Eindringlingen gefressen werden. Doch nun sitzt die Mechelner Henne im Stall auf ihrem Nest und wärmt die nächste Generation. 21 Tage dauert es vom Legen bis zum Schlüpfen.

Der erste Nachwuchs wurde in der Maschine ausgebrütet, doch nun darf die Mechelner Henne selbst ihre Eier im Nest hüten und wärmen. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Und wo treibt sich der Herr Papa herum? „Er ist hinten in einer Männer-WG“, verrät Elisabeth Schüller und deutet hinter den Stall. Ein Hahn lebt eigentlich in einem Harem mit drei bis vier Hennen. „Wir haben aber nur ein Pärchen bekommen“, bedauert die Tierpflegerin. Der Casanova jagte also ständig seiner einzigen Frau hinterher.

Der Mechelner Hahn ist ein echter Casanova. Damit seine Herzdame etwas Ruhe vor seiner Leidenschaft hat, ist er derzeit in männlicher Gesellschaft in einem Gehege hinterm Stall. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Die ließ im bisweilen ruppigen Spiel der Leidenschaft viele Federn und braucht nun Ruhe. Ein Zwergseidenhahn leistet dem liebestollen Kollegen Gesellschaft. „Der ist aber sicher vor ihm“, versichert die Expertin. Dabei erfüllt diese kleine Rasse alles, was dem Kriterium „niedlich“ entspricht. „Zwergseidenhühner sehen aus wie explodierte Sofakissen“, sagt Elisabeth Schüller und lacht.

Eine lustige Ponyfrisur wie Alpakas

Das flauschige „Fell“ besteht natürlich aus Federn, wippt aber bei jeder Bewegung mit. Die strubbelige Ponyfrisur erinnert an Alpakas. „Die müssen wir auch regelmäßig schneiden, weil die Hühner sonst irgendwann nichts mehr sehen“, nennt die Fachfrau einen besonderen pflegerischen Aspekt. Das blinde Huhn würde zwar dennoch ein Korn finden, aber Gefahr von oben, etwa Krähen oder Bussarde, nicht mehr sehen.

Die kleinen Hähne krähen genauso laut und munter wie die großen Mechelner. Statt eines Kamms ziert eine prachtvolle rote Wulst ihr Haupt und unter ihrem Kinn schlackern gleich mehrere Hautlappen.

„Wahrscheinlich haben sie ihren Ursprung in China, das ist heute nicht mehr so genau nachvollziehbar“, erklärt die Tierpflegerin. Obwohl die Zwerge mit maximal einem halben Kilo Gewicht und mäßiger Legefreude nun wirklich keine Nutztiere sind, ist ihr Bestand nicht gefährdet. „Aber sie sind freundlich, aufmerksam und einfach sehr hübsch“, betont Elisabeth Schüller. Damit haben sie nicht nur einen festen Platz im Tiergarten, sondern auch im Herzen der Pfleger und Besucher.

Info: Der Eintritt in den Tierpark im Stadtgarten ist frei. Der Förderverein leistet einen großen Anteil, damit die Anlage fortlaufend für die Tiere und Besucher modernisiert wird. Tierpatenschaften und/oder Spenden helfen dabei.

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