Wochenkommentar

Die alten Suderwicher, Corona und der neue Sportplatz

Manchmal lohnt es sich, mit etwas Neuem zu beginnen, weil man erst dann etwas Altes aufstöbert. In dieser Woche so geschehen in Suderwich, denn dort hatten die alten Germanen etwas verbuddelt.
Kommentator Joachim Schmidt über den Dächern von Recklinghausen. © Ralf Wiethaup

Oftmals werden Archäologen, die in unseren Gefilden in Baugruben Tonscherben oder Glassplitter einsammeln, als lästige Behinderung von Bauarbeiten abgetan. Doch auch wenn sie nicht wie „Indiana Jones“ mythische Goldschätze finden und sie die Bagger tatsächlich für einige Tage oder Wochen aufhalten: Ihre Arbeit bringt etwas. Durch sie wissen wir zum Beispiel bereits viel darüber, wie unsere germanischen Vorfahren vor 2000 bis 2500 Jahren hier gelebt haben. Sie waren Bauern. Vor allem an der Emscher in Hochlarmark und Herten haben sie gewohnt, in der Brandheide und wie 2020 beim Bau einer Gasleitung klar wurde: Auch am und im Hochlartal haben vor Christi Geburt „Ur-Hochlarer“ gesiedelt. Genauer genommen waren es eher Brukterer, die sich vor 2000 Jahren übrigens heftig gegen die Römer gewehrt haben und die nicht, wie Tacitus schrieb, nur „auf der faulen Haut lagen“ und Met tranken.

Nun wissen wir: Auch in Suderwich müssen sie zu dieser Zeit gelebt haben. Große Vorratsgefäße aus Keramik belegen das, die nun in Münster aus hunderten Scherben wieder zusammengesetzt werden – von besagten Archäologen. Schade, dass ihnen im Zuge der Bauarbeiten für den neuen Kunstrasenplatz in Suderwich nur ein paar Tage Zeit gelassen wurde, die Funde zu bergen. Andererseits: Ohne die Bauarbeiten hätte man gar nichts gefunden. Der Verein „Aolt Surk“ kann nun jedenfalls seiner Suderwicher Chronik ein Kapitel hinzufügen.

In der Altstadt geht’s langsam zurück zur „Normalität“

Nach diesem Ausflug in die Urgeschichte zurück ins Hier und Jetzt: In den Recklinghäuser Krankenhäusern müssen wieder mehr Covid-19-Patienten behandelt werden, wie die Ärzte bestätigt haben. Die gute Nachricht vom Anfang dieser Woche war dabei: Die Ärzte melden kaum Covid-Patienten, die ungeimpft sind. Das heißt: Die Impfung schützt nach wie vor zu mehr als 90 Prozent gegen schwere Krankheitsverläufe. So gesehen ist es ermutigend, dass sich in dieser Woche gleich 350 Recklinghäuser Schüler auf einen Schlag zu einer Impf-Sonderaktion gemeldet haben. Je mehr es werden, desto eher können wir alle Corona-Maßnahmen sein lassen, wie jetzt die stärker durchgeimpften Dänen.

Einen Vorgeschmack auf dieses Zurück zur „Normalität“ kann man an diesem Wochenende in der Altstadt bekommen: Es darf wieder gefeiert werden. Das Marktplatzspringen und eine ganze Palette von Aktionen erinnert an die in diesem Punkt wirklich „gute alte Zeit“ vor Corona. Das hätten sicher auch die „Ur-Suderwicher“ mit ihrer Vorliebe für Met zu schätzen gewusst. Und sich ein wenig auf die sprichwörtliche „faule Haut“ zu legen, das kann in unserer hektischen Zeit ja auch nicht wirklich schaden…

Der Abend in Oer-Erkenschwick

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.