Tier der Woche mit Video

Drei Damen mit Herz und vor allem Charakter

Die Hängebauchschweine gehören zu den Publikumslieblingen im Tierpark Recklinghausen. Bella ist zwar nur dem Namen nach die hübscheste, hat aber eine herzergreifende Geschichte.
Zwei süße Schwestern: Die Hängebauchschweine Frieda (l.) und Lotte holen sich bei Tierpflegerin Elisabeth Schüller die täglichen Streicheleinheiten ab. © Jörg Gutzeit

Wenn es im Fernsehen eine Diät-Show für Tiere gäbe, wäre Bella (11) der Star. Vor gut neun Monaten kam das Hängebauchschwein in den Tierpark und war schlichtweg eine arme Sau. „Ich war entsetzt“, gesteht die leitende Tierpflegerin Elisabeth Schüller. Denn als der kleine Zoo sich bereit erklärt hatte, der Seniorin einen Alterswohnsitz zu gewähren, war Elisabeth Schüller von anderen Voraussetzungen ausgegangen. „Der Tierarzt hatte uns gebeten, Bella aufzunehmen, weil ihr Besitzer sie nicht artgerecht halten konnte. Und sie sei so ein Hängebauchschwein wie unsere beiden, Frieda und Lotte.“

Doch dann brachte der Besitzer einen riesigen Trauerkloß, der seine rund 150 Kilo Gewicht nicht mehr tragen konnte. „Sie lag teilnahmslos in der Ecke, und ich dachte bei mir, dass der Arzt sie vielleicht besser hätte erlösen sollen“, erinnert sich die Tierpflegerin. Aber nun war Bella da, und das Team nahm die Herausforderung an. Seitdem purzeln die Pfunde – bislang gute 40 Kilo. Und Bella wird auf ihre alten Tage immer beweglicher, lebendiger und auch glücklicher.

Happyend für Ella: Auf ihre alten Tage hat die Seniorin, die seit knapp neun Monaten im Tierpark lebt, rund 40 Kilo abgenommen und kommt sogar wieder auf ihren vom Übergewicht krummen Beinchen aus dem Stall. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Bella hat gute Laune

Frieda und Lotte schauen neidisch durch den Zaun, der sie von Bella trennt. Denn die bekommt für den Pressebesuch ausnahmsweise eine Handvoll Erdnüsse, damit sie freiwillig aus ihrem geliebten Stall trippelt. „Sie hat gute Laune“, erkennt Elisabeth Schüller am Grunzen. Wenn Bella etwas nicht passt, wird daraus ein tiefes Grummeln. Das bekommt der Video-Kollege später zu hören, als er dreist die Kamera in Bellas „Schlafzimmer“ hält.

Allmählich werden Frieda und Lotte ungeduldig. Sie wollen auch Nüsse. Der Förderverein des Tierparks hatte die Schwestern 2018 angeschafft, und es waren damals sogar Drillinge. Doch Elli, einst Chefin im Gehege, ist jung gestorben. „Danach wurden die Karten neu gemischt“, erzählt Elisabeth Schüller. Nun hat Lotte das Sagen, sie ist zwar weniger frech als Frieda, ihr aber körperlich überlegen. Und das zählt: „Obwohl die Schwestern sich gut verstehen. Sie zicken sich eigentlich nur an, wenn es ums Fressen geht.“ Da unterscheiden sie sich wenig von Menschenkindern: je süßer die Früchte, desto größer der Futterneid.

Die Hoffnung, dass Bella Ellis Platz im Gehege einnehmen könnte, erfüllte sich nicht. „Wir haben es anfangs versucht, aber sie hat sich in Gesellschaft unwohl gefühlt.“ Dabei hätten Lotte und Frieda die fünfmal so große Neue in Frieden gelassen, aber zehn Jahre „Einzelhaft“ wirken nach. Darum hat Bella ihren privaten Schlaf- und Außenbereich. „Doch sie nähern sich an“, freut sich Elisabeth Schüller. „Nachts kuscheln alle miteinander, nur durch den Drahtzaun getrennt.“

So anhänglich wie ein Hund

Mit hektischem Schwanzwedeln begrüßen die kleinen Schwestern die Tierpflegerin, als diese endlich in ihren Teil des Geheges kommt. Elisabeth Schüller füllt auch ihnen Erdnüsse in einen Ball mit Loch. Sogleich versuchen sie, an die Nascherei zu kommen. „Sie haben viel Ähnlichkeit mit Hunden“, sagt die Expertin: „Sie sind supersozial, schlau, verspielt und werden am allerliebsten gekrault.“ Und zwar gerne hinter den Ohren. Darum gehören Streicheleinheiten wie das Futter zu den täglichen Rationen, die die Hängebauchschweine bekommen.

Aber wie hat Bella nun 40 Kilo abgenommen? „Von allein“, erklärt Elisabeth Schüller achselzuckend. Die Rüsseltiere, und auch die mit Hängebauch, sind Allesfresser und wurden darum vor allem früher, als jeder Bergmann noch eines im Stall hatte, mit Küchenabfällen gemästet. „Das gibt es bei uns nicht“, betont die Tierpflegerin. Täglich frisches Obst und Gemüse, hin und wieder gekochte Kartoffeln und „zu Weihnachten“ mal Nüsse oder ein Ei – so sieht der Speiseplan aus. „Sie machen sozusagen Low Carb“, sagt Elisabeth Schüller und lacht. Übrigens, auch wenn Bella nicht so aussieht: Sie ist wählerisch. Paprika und Rettich verschmäht sie, anders als die Schwestern. Dennoch werden Lotte und Frieda, die jeweils rund 30 Kilo wiegen, niemals Bellas Ausmaße bekommen. Denn auch unter Hängebauchschweinen gibt es unterschiedliche Rassen. Allerdings haben sie aufgrund ihres gesunden Lebenswandels beste Chancen, 15 Jahre alt zu werden. Ob die jetzt elf Jahre alte Bella das schafft, ist eher unwahrscheinlich. „Aber sie hat bei uns einen guten Lebensabend“, betont Elisabeth Schüller und zupft der Omi Stroh aus den Borsten. Die grunzt – und in den Laienohren hört sich das durchaus zufrieden an.

Info: Der Eintritt in den Tierpark im Stadtgarten ist frei. Der Förderverein leistet einen großen Anteil, damit die Anlage fortlaufend für die Tiere und Besucher modernisiert wird. Tierpatenschaften und/oder Spenden helfen dabei.

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