Newsdate

Ein Reporter zu Besuch: Kreuzverhör im Klassenraum

Normalerweise stellen wir Reporter die Fragen. Bei unserem Zeitungsprojekt „Newsdate“ sind die Rollen vertauscht. Der Klassenbesuch gerät zum Kreuzverhör. Und das ist gut so.
Stellte sich den Fragen der 4c in Stuckenbusch: RZ-Redakteur Alexander Spieß © Jörg Gutzeit

Punkt 10 Uhr betreten der Fotoredakteur Jörg Gutzeit und ich den Klassenraum der 4c der Anton-Wiggermann-Schule am Standort Stuckenbusch. Der erste Klassenbesuch unseres Schülerprojekts Newsdate steht an. Die Kinder verputzen gerade noch die letzten Bissen ihrer Stullen. Noch bevor Klassenlehrerin Katrin Stienemann uns vorgestellt hat, gehen die ersten Finger in die Luft. „Wie alt sind Sie?“, will ein Junge von mir wissen. Vor zehn Jahren hab ich diese Frage noch mit argloser Souveränität beantwortet. Mittlerweile stimmt sie mich nachdenklich. Ich antworte wahrheitsgemäß. „45.“ Noch.

Natürlich kommt auch die Frage nach dem Verdienst – und nach meiner Zufriedenheit mit demselben. Jetzt werde ich diplomatisch. Das Geld könnte natürlich immer mehr sein, flunkere ich. Sagt doch jeder, vom Fensterputzer bis zum Investmentbanker. Und irgendwo dazwischen tauchen auch wackere Lokalredakteure in der Statistik auf.

Die Kinder erzählen auch davon, was sie bewegt. Es fällt das Stichwort „Squid Game“. „Das spielen schon die Erstklässler nach“, sagt einer. Ich mahne zur Vorsicht. Und auch die Klassenlehrerin ergreift das Wort: „Wir wollen nicht, dass diese Serie hier in die Schule getragen wird.“ Bruno sagt, dass er sich diese Netflix-Serie nicht anschaut. Seine Favoriten: „Paw Patrol und Peppa Wutz.“ Das kenne ich von meinen Kindern.

Maximilian erzählt von seinem eigenen TikTok-Kanal. Da postet er Videos aus dem Urlaub. „Und aus meinem Leben.“

Ich führe mein Laptop vor. Damit, erkläre ich, kann ich praktisch von überall aus arbeiten. Auch von zu Hause aus, was im Lockdown ziemlich häufig der Fall war.

Mir fällt auf: Viele Schüler lassen ihre Masken auf, obwohl sie sie an ihrem Platz abnehmen dürften. Sicher ist sicher. Die Quarantänefälle an Schulen häufen sich.

Schließlich erzähle ich, dass die Online-Berichterstattung heute im Fokus steht, ohne die gedruckte Zeitung zu vernachlässigen. An diesem Spagat versuchen wir uns jeden Tag aufs Neue.

Die Zeit rast dahin. Die eingeplanten 45 Minuten sind längst vorbei. Am Ende folgt eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich soll Autogramme schreiben. Auf Zettel, Papierhütchen und Hefte. Alle Schüler wollen meine Unterschrift. Das kenne ich in dem Umfang sonst nur von meiner Bank. Ich nehme ihn hin, diesen späten Ruhm. Schön war‘s bei der 4c.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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