Parteiübergreifende Ehrenrettung

Engelmann (SPD): „Holger Freitag ist kein Heuchler“

Ausführliche schriftliche Stellungnahmen von Politikern veröffentlichen wir zwar grundsätzlich nicht. Aber diese ist besonders: Ein SPD-Mann macht sich für die Ehrenrettung eines Grünen stark.
Kulturstreit am Rande der Tartanbahn: Die kleine Ruhrfestspielbühne im Stadion Hohenhorst hat nachhaltige Diskussionen ausgelöst. © Jan Muehldorfer

Im Stadtrat sind Ulrich Engelmann, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, und der Kulturausschuss-Vorsitzende Holger Freitag (Grüne) politische Rivalen. Trotzdem springt Engelmann dem Grünen jetzt zur Seite. Er schreibt:

Trotz des beschwichtigenden Kommentars von Ralf Wiethaup „Was die Hitze so mit uns macht…“ bedarf es doch einer Stellungnahme zum Artikel „Kulturpolitiker als Heuchler bezeichnet“ von Alexander Spieß.

Darin bezieht sich der Verfasser auf die Stellungnahme der Geschäftsführerin Barbara Ziesmer-Praßni des Leichtathletik Club von 1952 auf die in der RZ erschienene Berichterstattung über die in der Kulturausschusssitzung. Der Kulturausschussvorsitzende Holger Freitag hatte angeregt, aufgrund der guten Erfahrung und Eignung mit dem Stadion Hohenhorst für Aufführungen der Ruhrfestspiele als Open-Air-Veranstaltungsort, dieses auch in Zukunft öfter für kulturelle Zwecke zu nutzen.

Nun wurde, wie berichtet, bereits die Nutzung für die Ruhrfestspiele aus Sicht der Sportaktiven kritisch gesehen, so dass die Bemerkung, bzw. der im Grundsatz verständliche Vorschlag von Holger Freitag, von der Kulturverwaltung zurückgewiesen wurde.

Herr Spieß zitiert aus dem Brief der Frau Ziesmer-Praßni, in welchem diese das Ansinnen heftig, wohl auch mit Rückendeckung von weiteren Sportaktiven, ebenfalls zurückweist. Das ist ihr gutes Recht, ebenso wie der Vorschlag von Holger Freitag dessen gutes Recht war.

Frau Ziesmer-Praßni ist in ihrer Wortwahl und in ihren Charakterisierungen des Holger Freitag weit übers Ziel hinausgeschossen. Zugrunde liegt auch ihre falsche Annahme über die Kompetenz der Lokalpolitiker, über Spielorte der Ruhrfestspiele und der Stadt über Vorschläge hinaus bestimmen zu können. Dem ist nicht so. Vorschläge und Ideen dazu sind aber erlaubt, wie jedem Bürger und jeder Bürgerin auch, ebenso wie es jedem Mann und jeder Frau erlaubt ist, diese Vorschläge abzulehnen. Dies sollte aber ohne pauschale Beleidigungen und Ferndiagnosen über Charaktereigenschaften und unbegründete Unterstellungen geschehen. Auch nicht, wenn es heiß ist.

Frau Ziesmer-Praßni hat alle „Kulturis“ pauschal als heuchlerisch abgekanzelt und Holger Freitag mangelnde Empathie für Kinder, die durch die Pandemie in ihrer Bewegung und Sportausübung ohnehin eingeschränkt sind, vorgeworfen.

Ich kenne Holger Freitag nunmehr einige Jahrzehnte und kann versichern, er ist weder heuchlerisch, noch hat er einen Mangel an Empathie für Menschen, egal ob klein, groß, jung oder alt. Eine solche Charakterisierung hat er, auch über alle Parteigrenzen hinweg, einfach nicht verdient.

Ebenfalls nicht verdient haben es die Bürger und Bürgerinnen, wenn an dieser Stelle ein Interessenkonflikt zwischen Sport und Kultur hochgeschaukelt wird. Sollte hier in diesem Fall etwas unzumutbar falsch gelaufen sein, was ich nicht beurteilen kann, so ist es immer zweckdienlich, wenn sich die Beteiligten aus Sport, Kultur, Verwaltung, Politik ohne überbordende Emotionen zu klärenden Gesprächen treffen. Wie berichtet, hat die Verwaltung für den Fall Stadion Hohenhorst nunmehr eine Entscheidung getroffen.

Ein kleines PS: Sport und Kultur sind essentiell für die Menschen. Manchmal können Sport und Kultur sogar gemeinsam stattfinden.

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