Flutlichtschwimmen zum Abschluss

Kein Sommer und Corona-Auflagen: Die Freibadbilanz säuft ab

Das Wetter lockte nur Schwimmsüchtige hinterm Ofen hervor: Die Freibadsaison war auch in Recklinghausen einfach nur „zum Heulen“. Dennoch ist das Open-Air-Schwimmen längst nicht beendet.
Rettungsschwimmer Janosch Bodin hat die letzten Gäste des Jahres im Freibad Mollbeck im Blick. Obwohl der Sommer ein spätes Stelldichein gibt, ist das Becken leer. © Meike Holz

Regen und kaum Hitze: Die Natur hat sich in diesem Sommer sichtbar erholt. Die Bäume in den Freibädern Süd, Suderwich und Mollbeck sehen sehr viel besser aus als in den vergangenen Dürresommern und spenden reichlich Schatten. Den benötigte in dieser Saison allerdings kaum jemand. Mit insgesamt 31.775 Gästen bis zum 31. August ist die Badesaison 2020 einfach nur „zum Heulen“.

Dabei hatte Sachgebietsleiter Claudia Strebinger ihre Erwartungen schon sehr niedrig geschraubt, „aber als ich die Zahlen aus den drei Freibädern zusammengezählt habe, war ich entsetzt“, gesteht sie. Zum Vergleich: Im ersten Corona-Jahr kamen 43.410 Gäste, 2019 waren es fast 110.000.

Wirtschaftlich war die Saison 2021 ohnehin von Beginn an abgeschrieben, so wie im Vorjahr. Aufgrund der Corona-Einschränkungen wurden die Eintrittspreise erneut reduziert von 3,50 Euro auf zwei Euro für Erwachsene und einen Euro für Kinder. Denn anfangs standen weder Umkleiden noch Duschen zur Verfügung, bis Mitte Juni musste ein 3G-Nachweis vorgelegt werden, erst in den Sommerferien wurden die Zeitfenster aufgehoben, eine Anmeldung ist bis heute erforderlich. Wie viel Geld eingenommen wurde, wird erst im Sportausschuss bekannt gegeben. Und die Saison wurde ja zunächst auch erst in Suderwich mit dem Hundeschwimmen beendet.

Claudia Strebinger hofft, dass der September sich noch weiterhin von seiner schönsten Spätsommerseite zeigt. „Die Mollbeck schließen wir erst am Sonntag, 19. September“, berichtet sie. „Am Samstagabend vorher gibt es noch ein Flutlichtschwimmen.“ Bei freiem Eintritt können Nachtschwärmer von 19.30 bis 23 Uhr das Ende der nassen Saison feiern. Das Freibad in Süd bleibt immer am längsten geöffnet. „Einen genauen Termin kann ich noch nicht nennen, das machen wir vom Wetter abhängig“, erklärt die „Bäderchefin“.

Friedemann Petzke nutzt die Gelegenheit, in der Mollbeck noch etwas Wassergymnastik zu machen. © Meike Holz © Meike Holz

Ein Blick auf die Zahlen: Der verspätete Auftakt am 22. Mai in Süd und Speckhorn mit Dauerregen und Kälte war eine Art Prophezeiung. Dennoch kamen nach der langen „Trockenzeit“, in der wegen Corona auch die Hallenbäder geschlossen waren, in der letzten Maiwoche immerhin noch 2803 Badegäste in die Mollbeck, nach Süd 1605. Suderwich eröffnete erst am 29. Mai und registrierte an drei Tagen 101 Besucher.

Mollbeck hat die meisten Dauerschwimmer

Mitte Juni wurde es heiß. Wenn das Thermometer die 30-Grad-Marke knackt, kommen gewöhnlich 5000 und mehr Besucher am Tag allein in die Mollbeck. Doch es galten wegen der Corona-Auflagen noch die Zeitfenster, und in allen drei Bädern standen nachmittags insgesamt nur 1300 Plätze zur Verfügung. Dennoch war der Juni mit 12.675 Gästen Saisonsieger.

Im Juli fielen die Zeitschranken, aber auch die Temperaturen. Es hätten mehr Leute in die Bäder gedurft, aber es wollten trotz der Ferien nur insgesamt 7583 rein. Der August war einen Hauch besser mit 7621 Badegästen.

Das beliebteste Freibad ist weiterhin die Mollbeck, in dieser Saison wurden 15.937 Besucher gezählt. „Dort verkaufen wir auch die meisten Saisonkarten“, berichtet Claudia Strebinger. 148 Erwachsene und fünf Kinder hatten sich das „Sommerticket“ gelöst. Und viele von ihnen haben es zumindest mehrmals pro Woche, etliche auch täglich eingesetzt.

Süd zählte insgesamt 11.455 Gäste (inklusive Halle). Dort wurden 48 Saisonkarten für Erwachsene und drei für Kinder gekauft. Das Sommer-Abo ist in Suderwich nicht begehrt, denn das Naturbad öffnet erst um 9 Uhr – zu spät für die Frühschwimmer. Nur zwei Saisonkarten gingen dort über den Schalter, insgesamt kamen 4383 Besucher in das kleine, von den „Dörflern“ aber innig geliebte Naturbad.

25 Grad und blauer Himmel, aber dennoch haben diese beiden Sonnenanbeterinnen die Liegewiese ganz für sich allein. © Meike Holz © Meike Holz

Schlechte Besucherzahlen, „unterirdische“ Einnahmen – da kommt in Schwimmerkreisen schnell die Befürchtung auf, dass die Stadt sich drei Freibäder auf Dauer nicht leisten wird. Eine Sorge, die Claudia Strebinger ausdrücklich zurückweist. „Wir haben in den vergangenen Jahren in allen Bädern fortlaufend investiert. Süd wird demnächst barrierefrei umgebaut“, erläutert sie, „wir stecken kein Geld in Bäder, um sie dann zu schließen.“

Wie es 2022 mit Corona-Auflagen weitergeht, sei jetzt noch nicht zu sagen. „Vielleicht bleibt es bei der Anmeldung“, mutmaßt die Sachgebietsleiter. Aber sowohl das Online-Verfahren als auch die schriftliche Erfassung der Personalien habe sich gut eingespielt. Und nachdem aus dem Südbad die pfiffige Idee kam, jedem Dauerschwimmer eine Nummer zu geben, die einfach bei der Anmeldung auf die Liste eingetragen wurden, hatte sich der Schreibaufwand für die Mitarbeiter auch in den Kassenhäuschen an der Mollbeck deutlich reduziert.

Info: Zum Abschluss der Saison gibt es am Samstag, 18. September, in der Mollbeck von 19.30 bis 23 Uhr das Flutlichtschwimmen. Der Eintritt ist frei. Am Sonntag, 19. September, ist das Bad in Speckhorn zum letzten Mal geöffnet, und zwar von 7 bis 19.30 Uhr. Die Freibadsaison in Süd wird erst später enden. Für beide Bäder gilt, dass vorab eine Anmeldung erforderlich ist, entweder online auf www.baeder.recklinghausen.de oder telefonisch unter 0152/26209059 (Mollbeck) oder 0152/51422477 (Süd).

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