Bundestagswahl

Lutz Wagner (AfD) sieht sich als Mann der „robusten Mitte“

Lutz Wagner ist Berufsschullehrer und Bundestagskandidat der AfD für Recklinghausen, Waltrop und Castrop-Rauxel. Der 52-Jährige möchte mit seinem Begriff von Heimat punkten.
Der Bundestagskandidat der AfD, Lutz Wagner. © Jörg Gutzeit

Der Mann, der für die AfD bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Recklinghausen I antritt, war auch mal in der FDP. Dort habe er sich aber nicht wohlgefühlt, sagt Lutz Wagner. Sein liberales Intermezzo währte Anfang der 2000er-Jahre nur wenige Monate. Bei der AfD hält es der Berufsschullehrer mit Wohnsitz in Dorsten nun schon seit drei Jahren aus. Eine kleine, wenn auch nicht politische Parallele zu FDP-Kandidatin Marlies Greve gibt es immerhin: Beide haben sich den Recklinghäuser Stadtgarten als Ort für das Treffen mit der Presse ausgesucht.

Lutz Wagner lehnt sich an den Sockel der „Großen Liegenden“ vor dem Festspielhaus. Die kleine Gruppe aus Kamerafrau, Fotograf, Redakteur und Wagner selbst in Jeans, Hemd und blauem Sakko zieht an diesem sonnigen Spätsommer-Nachmittag die Blicke auf sich. Ein junger Vater läuft seinem Kind hinterher. Er mustert die Medienleute und den Politiker, nimmt sein Kind auf den Arm und sagt: „Ah, die AfD.“

Flüchtlingshilfe nur „vor Ort“

Es passiere ihm jetzt oft, dass er erkannt werde, sagt Wagner, seit sein Gesicht auf etlichen Wahlplakaten zu sehen ist. Im Kreis Recklinghausen ist er politisch schon länger kein Unbekannter. Der Pädagoge (52) ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion im Kreistag und Sprecher des AfD-Kreisverbandes. Sein Platz 18 auf der AfD-Landesliste ist keiner mit Bundestagsgarantie. „Ich rechne nicht damit, dass es klappt“, sagt Wagner. Seine Chancen schätzt er auf 20 Prozent.

Wagners politischer Kernbegriff ist der der Heimat. Die will er bewahren und nach Möglichkeit von fremden Einflüssen fernhalten. Hilfe für Flüchtlinge kommt für ihn ganz nach der Parteilinie nur vor Ort in den jeweiligen Heimatländern oder „im kulturnahen Raum“ infrage. Die afghanischen Ortskräfte seien eine Ausnahme. Da gebe es eine Verpflichtung, wie sie jüngst auch der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland beschrieb. „Aber wir müssen genau hinsehen, wer da ins Land kommt“, sagt Lutz Wagner.

Als Berufsschullehrer fühle er sich den Themenfeldern Bildung und Familien verpflichtet. „Wir sollten Familien unterstützen, wo es geht“, sagt Wagner. „Sie sind die Grundlage unserer Gesellschaft.“

Kandidaten für die Bundestagswahl

Das Porträt von Lutz Wagner ist der fünfte Teil der Reihe, in der wir die Bundestagskandidaten für Recklinghausen, Waltrop und Castrop-Rauxel aller sechs aktuell im Bundestag vertretenen Parteien vorstellen.

Was hat ihn zum Beitritt zur Alternativen für Deutschland bewogen? „Es ist das Gefühl, dass da in unserem Land etwas nicht so läuft, wie es sollte.“ Anfangs sei es der Euro gewesen, später die Migrationspolitik unter Angela Merkel. Er sei „Patriot im positiven Sinne“, sagt Lutz Wagner. Auch auf die Frage, wo er sich selbst innerhalb der vom chronischen Richtungsstreit zwischen Konservativen und Rechtsradikalen gezeichneten Partei verortet, hat Lutz Wagner eine Antwort: „In der robusten Mitte.“ Vernunft und Sachlichkeit. An diesen Tugenden wolle er sein politisches Handeln ausrichten, erklärt der verheiratete Vater einer 14-jährigen Tochter.

Sinnieren unterm Baum

Und warum ausgerechnet der Stadtgarten? Lutz Wagner deutet vom grünen Hügel aus hinunter in Richtung Dorstener Straße. Da gebe es diesen einen Baum, unter dem er häufiger sitze und sinniere. „Man ist mitten in der Stadt, hat aber eine angenehme Ruhe“, sagt Wagner. „Das ist das einzig Grüne an mir.“

Ist er als AfD-Mann eigentlich ein Klimaleugner? „Das ist Quark.“ Es lasse sich nicht leugnen, dass sich das Klima wandele. Allerdings lasse sich daran in Deutschland auch kaum etwas ändern, da nur zwei Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Austausches zwischen Flensburg und Freiburg geschehe.

Er sei durchaus dafür, Grünzonen zu stärken, erklärt der Kandidat, jedoch wehre er sich dagegen, Teile der Wirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel „gegen die Wand zu fahren“.

Das Ruhrfestspielhaus ist Lutz Wagner durchaus vertraut.
Das Ruhrfestspielhaus ist Lutz Wagner durchaus vertraut. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Obwohl er in Dorsten wohnt, kennt sich Lutz Wagner offenbar gut in den drei Städten seines Wahlkreises aus. Außer dem Stadtgarten fasziniere ihn in Recklinghausen das Rathaus. Es strahle Geschichte aus. Als Lehrer für Geschichte und Englisch wisse er das zu schätzen. In Castrop-Rauxel verfolgt Lutz Wagner die Entwicklung der Langen Straße. Er ist dafür, das Sorgenkind der Stadtteilentwickler im Rathaus für den Verkehr zu öffnen.

„Keine Probleme am Arbeitsplatz“

Und in Waltrop bereiten ihm die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise Sorge. Zunehmende Leerstände gelte es aufzufangen, „der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen“. Auf seinen Wahlkreis blickt der Dorstener dennoch mit positiven Gedanken: „Der Wahlkreis ist typisch für das Ruhrgebiet. Eine Großstadt und zwei kleinere Städte mit ländlichem Charme. So stelle ich mir Heimat vor.“

In jüngeren Jahren, erzählt Wagner, habe er Football gespielt. Nehmerqualitäten dürfte er aus dieser Zeit haben. Braucht er die denn auch an seinem Arbeitsplatz? Gibt es ob seines politischen Engagements Diskussionen im Klassen- oder Lehrerzimmer? Der Abteilungsleiter einer Berufsschule in Oberhausen schüttelt den Kopf. „Die Kollegen wissen Bescheid“, sagt Wagner. Da gebe es keine Probleme. Von Parteifreunden wisse er aber, dass das nicht selbstverständlich ist.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.