Kultur im Stadion?

Open-Air-Idee: Grünen-Chef Freitag fühlt sich „abgebügelt“

Die Ruhrfestspiele sind momentan Dauergast im Stadion Hohenhorst. Holger Freitag, Vorsitzender des Kulturausschusses der Stadt, möchte dort auch künftig gerne mehr Kultur stattfinden lassen.
Die kleine Ruhrfestspiel-Bühne im Stadion Hohenhorst: Bis zu 400 Besucher pro Auftritt bejubeln hier Stars der Musik-, Comedy- und Literatur-Szene. © Jan Muehldorfer

Elf Veranstaltungen mit Spitzenkünstlern wie zum Beispiel Helge Schneider lassen das Stadion mit überdachter Tribüne dieser Tage zu einem Publikumsmagneten werden. Allein 400 Besucher bejubelten den ersten Gig im Stadion Hohenhorst und die stimmungsvolle Location selber: den Auftritt von Chilly Gonzalez. Da lag die Frage des obersten Kulturpolitikers der Stadt Recklinghausen nahe, ob die Stadt das Stadion zum Kultur-Open-Air-Neustart nach dem Corona-Lockdown nicht häufiger nutzen könne.

Freitag, als Fraktionschef der Grünen im Rat kein politisches Leichtgewicht, stellte diese Frage der städtischen Kultur-Fachbereichsleiterin Beate Ehlert-Willert wohl nicht ohne Grund in einer öffentlichen Sitzung. Ehlert-Willert verneinte allerdings prompt. Das Stadion solle dem Sport vorbehalten bleiben. Begründung: Die Sportvereine hätten während der Pandemie ebenfalls „lange zurückstecken müssen“.

Gespräche wurden hinter den Kulissen geführt

Tatsächlich nutzen Sportler aus vier Vereinen das Stadion im Südwesten der Stadt: FC 96 Recklinghausen (Männerfußball), 1. FFC RE (Frauenfußball), RE Chargers (Football) und der Recklinghäuser Leichtathletik-Club (RLC) lasten das Stadion gut aus. Und nicht nur die Kultur, auch der Sport will nun wieder durchstarten.

Holger Freitag, der bisher zu jedem Ruhrfestspiel-Event im Hohenhorster Stadion ökologisch vorbildlich mit dem Fahrrad anreiste, fand es bei allem Verständnis für Sporttreibende dennoch enttäuschend, dass Ehlert-Willert seinen Vorschlag mit dürren Worten „einfach abgebügelt“ hatte, wie er im Kulturausschuss kundtat.

Ein möglicher Grund für die Zurückhaltung der Kulturverwaltung sind Gespräche und Vereinbarungen, die hinter den Kulissen geführt bzw. getroffen wurden.

So hatten sich erst vor einigen Wochen Vertreter des Leichtathletik-Clubs erbost darüber geäußert, dass die Ruhrfestspiele „ihr“ Stadion okkupieren würden. Bevor diese Kritik jedoch öffentlich werden und mutmaßlich am Image der Festspiele kratzen konnte, wurde das Thema in Gesprächen zwischen Vereinen und Stadtverwaltung besprochen – und geregelt. Nicht-öffentlich.

Was die Kultur-Szene am Stadion Hohenhorst schätzt, oder dieser Tage erst entdeckt, ist die erstklassige Akustik, die auch Spitzenmusikern wie Helge Schneider am 16. Juni in die Karten spielen wird, sowie die geradezu idyllische Open-Air-Atmosphäre. Das satte Grün der Bäume hinter der kleinen Bühne erinnerte manchen Insider an das in Kulturkreisen hochgeschätzte Amphitheater Gelsenkirchen. Die Ruhrfestspiele sind in diesem Monat mit Musik, Kabarett und Literatur-Lesungen darum gleich elfmal dort zu Gast – ohne zwischen den Auftritten die 400-Meter-Bahn oder die Weitsprung-Sandflächen zu blockieren.

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