Kommentar zur Woche

Schnellschüsse und andere Aufreger

Diese Woche brachte in Recklinghausen „einen Kessel Buntes“: viele Themen, von denen aber keines alle anderen überragt. Los ging‘s mit der Frage, ob die E-Scooter nicht langsam Überhand nehmen.
Kommentator Joachim Schmidt über den Dächern von Recklinghausen. © Ralf Wiethaup

Bemerkenswert finde ich, dass es so lange gedauert hat, bis Stadtrat und -verwaltung sich noch einmal mit der Frage befassen, wie viele E-Scooter in Recklinghausen eigentlich wo herumstehen dürfen. Den Antrag, restriktiver mit den Elektro-Flitzern umzugehen, hat die Linke gestellt. Und wenn ich mir ansehe, wo die Leihgeräte nach der Fahrt überall landen, finde ich diesen genau richtig.

Wie viele Tempo-30-Zonen braucht die Stadt?

In der Politik gab es jetzt erste Aufreger, die auf dem schwarz-grünen Koalitionsvertrag beruhen. Die Stadtverwaltung ist dabei das umzusetzen, was Schwarz-Grün in Sachen „Verkehrswende“ will: Erst wird das städtische Basisstraßennetz um etliche Straßen kleiner gemacht – zunächst noch ein reiner Verwaltungsakt. Aber im zweiten Schritt werden viele dieser Straßen zu Tempo-30-Zonen. Spätestens dann, prognostiziere ich, wird das Thema auch für breitere Bevölkerungsschichten ein Aufreger. Denn an Tempo 30 scheiden sich nach wie vor die Geister: Es gibt Befürworter, die heute mit dem Klimaschutz und der Sicherheit argumentieren. Und es gibt Gegner, die meist einfach nur möglichst schnell von A nach B kommen wollen – aber mit ihren Autos…

Ich glaube, der Papst lag goldrichtig

Die katholische Kirche ist bisher nicht dadurch aufgefallen, dass sie schnell personelle Konsequenzen zieht, wenn sich einer ihrer Würdenträger falsch verhalten hat. Anders jetzt in der Großgemeinde St. Peter, bzw. in St. Michael – heute von St. Peter aus verwaltet. Ein Pater wurde dort aus dem Verkehr gezogen, weil er sich öffentlich gegen die Worte des Papstes gewandt hatte, der aus Nächstenliebe und Solidarität zur Impfung gegen das Coronavirus aufgerufen hatte. Der Papst habe wohl „schlechte Berater“ gehabt, so der Pater von St. Michael. Ich glaube eher, der Papst lag goldrichtig. Und ich finde, die Kirche kann sich nach ihren Skandalen um sexuelle Belästigung von Schutzbefohlenen tatsächlich nun nicht auch noch Querdenker in ihren Reihen leisten. Ein Lob also für die schnelle Reaktion, den Pater nicht mehr auf die Kanzel zu lassen.

Apropos schnelle Reaktion: Ganze acht Monate lang ließ die städtische Wohnungsgesellschaft ihre Mieter an der Jägerstraße auf ihre versprochenen Internet-Anschlüsse warten. Darüber berichtete diese Zeitung in dieser Woche ausführlich. Und kaum war der Bericht erschienen, kam eine schnelle Reaktion – mit der Ankündigung, dass das Glasfaserkabel in ein paar Tagen verlegt wird.

Ob man das nach acht Monaten aber wirklich „schnell“ nennen kann, ist wohl Ansichtssache.

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