St. Michael

Wegen Corona-Kritik: Gemeinde schickt Pater in die Wüste

Pater Michael Ramm hat St. Michael verlassen – allerdings nicht freiwillig. Nachdem Kritik aus der Gemeinde gekommen war, zog die Petrusbruderschaft die Reißleine.
In der traditionell Lateinischen Messe betet der Pater oder Pfarrer traditionell mit dem Rücken zur Gemeinde in Richtung Osten. © picture-alliance/ dpa

Diese Nachricht aus dem Kirchenleben sorgt für Aufsehen: Ein Priester der Priesterbruderschaft St. Petrus ist nicht mehr in seiner katholischen Pfarrei in Recklinghausen tätig. Grund dafür soll die von ihm geäußerte Kritik an den Corona-Impfungen gewesen sein. Das berichtete die Kirchenzeitung „Kirche + Leben“, die katholische Wochenzeitung für das Bistum Münster.

Wie Dr. Stephan Kronenburg, Sprecher des Bistums Münster, bestätigt, sind aus einer Gemeinde in Recklinghausen Beschwerden über einen Petrusbruder eingegangen. Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp habe sich daraufhin mit einem Schreiben, in dem er auf die Vorwürfe eingegangen ist, an die Petrusbruderschaft gewandt. Diese habe schließlich entschieden, den Pater zu versetzen.

Spannungen zwischen Pater und Gemeinde

Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um Michael Ramm, der zuletzt als Pater und Seelsorger der Petrusbruderschaft in der katholischen Gemeinde St. Michael in Hochlarmark tätig war. Das bestätigt Markus Reiner, Sprecher der Priesterbruderschaft St. Petrus, auf Nachfrage der Redaktion.

Auf die Spannungen zwischen der Gemeinde und dem Pater wolle die Bruderschaft nicht näher eingehen.

In der Kirchengemeinde St. Michael in Hochlarmark war Pater Michael Ramm zuletzt tätig. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Im Internet taucht im Zusammenhang mit dem Suchbegriff „Pater Michael Ramm“ ein Youtube-Video mit dem Titel „Der Papst und die Impfung“ auf, in dem augenscheinlich der Pater höchstpersönlich der Gemeinde in einer Messe mitteilt, dass er nicht damit einverstanden sei, „was der Papst über die Impfung gesagt und wie er sich verhalten hat“. Papst Franziskus hatte die Menschen zuletzt per Video dazu ermuntert, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Vielleicht habe der Papst „schlechte Berater“, „er ist schließlich kein Mediziner“, so Ramm in dem Video. Dass er (Pater Ramm) nicht die Meinung des Papstes teile, ändere aber nichts daran, dass der Papst das rechtmäßige Oberhaupt der Kirche auf Erden sei, so Ramm weiter.

Verschwörungstheorien und „freiwilliger Impfzwang“

In der Kirche St. Michael soll ein Rundbrief des Paters ausgelegen haben, in dem er die Gläubigen aufforderte, als Christen „dem Zeitgeist“ kritisch gegenüberzustehen. Das bestätigte Pfarrverwalter Bernd Egger von der Propstei St. Peter gegenüber einem katholischen Onlineportal.

Pater Ramm soll weiterhin Verschwörungsmythen zur Herstellung der Impfstoffe verbreitet und den „freiwilligen Impfzwang“ beanstandet haben. Zudem soll er sich kritisch zur Homosexualität („Unzuchtpropaganda“) und der „Gender-Ideologie“ geäußert haben.

Das hat vorerst ein Ende. In St. Michael ist Pater Michael Ramm laut Petrusbruderschaft nicht mehr tätig. Gleichwohl sei der Pater dort weiterhin Mitglied. Man suche aktuell nach einem neuen Einsatzort für ihn.

Versetzung in die Tschechische Republik?

Angeblich soll er laut mehrerer Online-Berichte bereits nach Tschechien versetzt worden sein. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür aber bisher nicht. „Sein neuer Einsatzort steht aktuell noch nicht fest“, sagt Sprecher Markus Reiner. Ebenso wenig ist bekannt, wie es nun in St. Michael weitergeht. Der Übergang werde derzeit organisiert, so Reiner. Die Bruderschaft habe entschieden, die Zuständigkeit in Recklinghausen neu zu ordnen, „um die Situation zu befrieden und um das dortige Seelsorgeangebot der Bruderschaft auch in Zukunft uneingeschränkt aufrechterhalten zu können“, heißt es.

Pater Ramm predigte die Alte Messe

Markus Reiner: „Pater Michael Ramm hatte in St. Michael nicht den Status eines Pfarrers, sondern er betreute die gläubigen Mitglieder der Alten Messe, die zu Gast in der Kirche sind.“ Hierbei werde die Liturgie üblicherweise auf Latein mit dem Rücken zur Gemeinde gehalten. „Pater Ramm hat auch Katechesen gehalten, die Erstkommunion vorbereitet, das Messangebot in der Woche aufrechterhalten und Sakramente gespendet.“

Die Propsteipfarrei St. Peter, zu der die Gemeinde St. Michael gehört, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Michael Ramm ist laut der Enzyklopädie „Kathpedia“ in Abtsteinach, einer Gemeinde in Hessen, aufgewachsen und im Jahr 2008 durch Kardinal Franc Rodé zum Priester geweiht worden. Die 1988 gegründete Priesterbruderschaft St. Petrus ist eine konservative Ordensgemeinschaft, die den römisch-katholisch-traditionalistischen Standpunkt vertritt. Nach eigenen Angaben gehören ihr weltweit 290 Priester und Diakone an.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.