Nach Wegfall der Pflicht

Wer trägt noch freiwillig die Maske?

Wir haben Recklinghäuser gefragt, ob sie froh sind, dass sie sich im Freien wieder „oben ohne“ bewegen dürfen, oder ob sie die Maske freiwillig weitertragen wollen.
Unter freiem Himmel muss die Maske ab Samstag (12.6.) nicht mehr getragen werden. Dabei haben sollte man sie allerdings schon noch, denn in Geschäften ist das Tragen weiterhin Pflicht. © Meike Holz

So richtig toll, fand es wohl niemand, dass die Städte zuletzt zu Maskenbällen mutiert sind. Damit ist jetzt Schluss, zumindest teilweise. Seit Samstag (12.6.) müssen keine Masken mehr in der Altstadt und an der Bochumer Straße getragen werden. In Bus und Bahn, beim Frisör und in Räumen schon. Was sagen die Bürger und Akteure der Stadt dazu? Und: Würden sie die Maske auch nach der Pandemie noch freiwillig tragen wollen?

Bürgermeister Christoph Tesche. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Bürgermeister Christoph Tesche: „Zu Beginn der Pandemie habe ich die Maske auch als störend empfunden. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. In bestimmten Situationen fühle ich mich mit Maske zudem sicherer. Ich kann mir deshalb auch vorstellen, diese anlassbezogen immer mal wieder zu tragen. Zum Beispiel, wenn man auf engem Raum mit vielen Menschen zusammenkommt. Es gibt auch Situationen in der Familie oder am Arbeitsplatz, in denen sich das Tragen der Maske anbietet. Nämlich dann, wenn jemand erkältet ist. Nicht umsonst sind während der Pandemie ja die meisten Menschen von Grippe oder Erkältung verschont geblieben. Insgesamt erhöht das Tragen eine Maske mein persönliches Sicherheitsgefühl.“

Melanie Legat © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Melanie Legat: „Im Gegenteil. Ich bin wirklich froh, wenn das alles vorbei ist und man endlich wieder frei durchatmen kann. Ich habe auch keine Bedenken. Wir sind vor Corona schließlich auch ohne Masken ausgekommen. Wir haben ja auch noch ein eigenes Immunsystem. Wir sollten da auch mal wieder herauskommen. Wenn wir uns jetzt immer Sorgen machen, begleitet uns das ein Leben lang.“

Allgemeinmediziner Michael Rausch © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Allgemeinmediziner Michael Rausch hat schon länger vermutet, dass die Maskenpflicht unter freiem Himmel demnächst aufgehoben wird. „Trotzdem empfehle ich allen Bürgerinnen und Bürgern, die Maske freiwillig weiterzutragen. Gerade denjenigen, die noch nicht vollständig geimpft sind.“ Das Coronavirus verschwinde leider nicht gleichzeitig mit den Lockerungen. „Auch in Zukunft werden sich vollständig geimpfte Bürger anstecken, ohne Krankheitssymptome zu bekommen und das Virus übertragen. Inzwischen sind 50 Prozent der Menschen in der Region Westfalen-Lippe einmal geimpft. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass jeder zweite Bürger noch nicht geimpft ist. Wer egoistisch denkt, trägt seine Maske womöglich bald nicht mehr, wer solidarisch handelt, schon.“

Längerfristige Überlegung in der Arztpraxis

In der Arztpraxis von Michael Rausch hätten sich bakterielle und virale Infektionserkrankungen zuletzt wieder gehäuft – und zwar prompt nach den Lockerungen. Rausch: „Ich vermute stark, dass es da einen Zusammenhang gibt. Wir müssen wieder mehr Antibiotika verordnen. Zuletzt haben wir davon so wenig verschrieben wie nie zuvor.“ Das Praxisteam habe bereits darüber diskutiert, auch in Zukunft weiterhin Masken in der Arztpraxis zu tragen. Eine abschließende Entscheidung gebe es noch nicht.

Heike Wilke © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Heike Wilke: „So lange es die Pandemie noch gibt, werde ich die Maske tragen, wenn es Gedränge in den Geschäften gibt. Darüber hinaus aber nicht. Wenn wir in Zukunft den Körper von allem fern halten, dann wird ja unser körpereigenes Abwehrsystem nicht mehr trainiert. Und wenn man weniger Abwehrkräfte hat, dann reicht schon einen einfache Erkältung und es geht einem schlecht.“

Gastronom Uwe Suberg © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Gastronom Uwe Suberg: „Ich halte das Maskentragen draußen unter freiem Himmel für sinnfrei, was den Infektionsschutz betrifft. Dort erinnert sie die Bürger allenfalls daran, dass sie weiterhin vorsichtig sein müssen und dass noch immer ein gewisses Risiko besteht. In geschlossenen Räumen, wo sich viele Menschen ballen, zum Beispiel auf Konzerten, könnte ich mir vorstellen, noch längerfristig eine Maske zu tragen. Zumindest wenn ich weiß, dass es dort keine Lüftungsanlagen, wie etwa in unseren Lokalen gibt.“

Michael Friedmann © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Michael Friedman: „Nein, wenn die Pflicht nicht mehr besteht, dann trage ich die Maske nicht mehr. Ich bin doch froh, wenn ich die nicht mehr im Gesicht haben muss. Ich vertraue der Entscheidung und freue mich, wenn wir wieder mehr Freiheit haben.“

Geschäftsführer von Rewe-Kramer: Ralf Kramer © Privat © Privat

Rewe-Kramer Geschäftsführer Ralf Kramer: Ganz ehrlich, ich bin froh, wenn die Masken irgendwann vollständig verschwunden sind. Ich persönlich habe sie zwar nie für schlimm empfunden, ich musste sie aber auch selten über viele Stunden tragen. Unser Personal hingegen trägt sie acht Stunden lang. Für sie würde die vollständige Aufhebung sicherlich zu einer deutlichen Entlastung führen. Als positiv empfinde ich, dass ich durch die Masken sicherlich von zwei bis drei Erkältungs-Infektionen verschont geblieben bin. Ich fände es deshalb sinnvoll, wenn wir weiterhin auf das Händeschütteln zur Begrüßung verzichten würden. Ein freundliches Hallo würde mir vollkommen ausreichen.“

Marlies Greve, FDP © privat © privat

Die FDP-Vorsitzende Marlies Greve begrüßt die Lockerung der Maskenpflicht. Trotzdem wird ihr Etui inklusive fünf bis zehn Masken, das sie stets bei sich trägt, ihr auch längerfristig ein Begleiter sein. „Wenn es enger wird, werde ich zukünftig immer noch meine Maske tragen – auch draußen. Das Virus ist nicht verschwunden und mit der Lockerung geht ja kein Maskenverbot einher.

Die Politikerin könnte sich vorstellen, dass ein längerfristiges Umdenken stattfindet. „Wir haben in den letzten Monaten vieles dazu gelernt. Es kann zum Beispiel gut sein, dass Veranstaltungen wie „Zu Gast in Recklinghausen“ künftig großflächiger geplant werden.“

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