Kriminalität

Feuer am Mahnmal für Düsseldorfer Synagoge gelegt – Gemeinde spricht von „Brandanschlag“

Auf dem Mahnmal an der Stelle, an der die Große Düsseldorfer Synagoge 1938 von SA-Männern angezündet wurde, hat 83 Jahre später erneut ein Feuer gebrannt. Der Staatsschutz ermittelt.
Das Denkmal für die ehemalige große Synagoge an der Kasernenstraße in Düsseldorf. Ein Unbekannter hat auf dem Denkmal Feuer gelegt. Der Staatsschutz ermittele wegen versuchter Sachbeschädigung. © picture alliance/dpa

Ein Unbekannter hat am Mahnmal für die ehemalige große Synagoge in Düsseldorf Feuer gelegt. Der Staatsschutz ermittele wegen versuchter Sachbeschädigung und suche Zeugen, teilte die Polizei am Dienstag mit. Der Unbekannte habe vorsätzlich Unrat auf dem Gedenkstein angezündet. Die Jüdische Gemeinde in Düsseldorf wertete den Vorfall als Brandanschlag.

Am späten Montagabend hatten Passanten das Feuer bemerkt und die Polizei alarmiert. Noch bevor die Feuerwehr eintraf, war der Brand von selbst erloschen. Es entstand kein Schaden. Der Gedenkstein wurde noch am Abend – nach der Spurensicherung – gereinigt. „Das ist eine entsetzliche Tat“, sagte Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU).

Jüdische Gemeinde wertet die Tat als Brandanschlag

„Ich verurteile es scharf, in der jetzigen Situation einen der wichtigsten Gedenkorte der Stadt so anzugreifen und für politische Zwecke zu missbrauchen“, sagte er. „Unsere Solidarität ist mit der jüdischen Gemeinde und Israel.“ Keller war mit dem Leiter der Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer der NS-Diktatur, Bastian Fleermann, am Dienstag zum Tatort gekommen.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorfs wertete die Tat als Brandanschlag und reagierte bestürzt. Mithilfe einer Brandflüssigkeit sei versucht worden, den Gedenkstein in Brand zu setzen. „Wir sind sehr besorgt darüber, dass es diesen Anschlag hier bei uns im Herzen Düsseldorfs gab, im unmittelbaren zeitlichen Kontext zu der aktuellen Gewalteskalation in Israel“, sagte Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde. „Wir hoffen, dass die Polizei den oder die Täter findet und zur Rechenschaft ziehen wird.“

Große Synagoge in Düsseldorf 1938 von SA-Männern in Brand gesetzt

Horowitz forderte mehr Schutz für jüdische Einrichtungen angesichts zunehmender antisemitischer Vorfälle: „Ich appelliere daher eindringlich an die Landesregierung, im gemeinsamen Interesse entsprechende Maßnahmen umgehend auf den Weg zu bringen.“

Die Große Synagoge in Düsseldorf war im Zuge der Novemberpogrome 1938 von SA-Männern in Brand gesetzt und völlig zerstört worden. Die Ruine wurde kurz darauf abgerissen. An ihrer Stelle befindet sich seit 1983 ein Mahnmal, an dem regelmäßig Gedenkveranstaltungen stattfinden.

dpa

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