Gasumlage: Warum einfach, wenn’s kompliziert geht?

Redakteur
Autor Ulrich Breulmann rechts in der Montage neben der Fassade des RWE-Gebäudes.
Die Mehrwertsteuer ist auch auf die Gasumlage fällig, sagt die EU. Der Bund bekommt diese Extra-Steuer, obwohl er das – zumindest offiziell – gar nicht will. Den Lösungsvorschlag der Regierung findet unser Autor zu umständlich. © Martin Klose
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Warum muss bei uns eigentlich fast alles unendlich kompliziert sein? Diese Frage stelle ich mir gerade mal wieder bei der Gasumlage. Mit der will der Staat uns Gaskunden etwas wegnehmen, um es den Gasversorgern zu geben. Sie sollen damit teureres Gas finanzieren können, weil der Ukraine-Krieg das billigere Gas aus Russland gestoppt hat.

So weit, so verständlich. Der Haken an der Sache: Bei allen Waren und Dienstleistungen, die erbracht werden, kassiert der Staat bei uns Privatkunden mit. Das nennt sich Mehrwertsteuer. Die ist eben auch auf die Gasumlage fällig, sagt die EU. Der Bund bekommt diese Extra-Steuer, obwohl er das – zumindest offiziell – gar nicht will. Verzichten geht nicht, der Bund muss also kassieren.

Jetzt werden fieberhaft Modelle diskutiert, wie man uns geschröpften Gaskunden diese Mehrwertsteuer zurückgeben kann. Eine Lösung: Der Staat zahlt den Verbrauchern Heizkostenzuschüsse, die exakt der Höhe der Mehrwertsteuer auf die Gasumlage entsprechen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was für ein Bürokratie-Monster nötig ist, um einen solchen Vorschlag umzusetzen.

Es könnte auch viel einfacher gehen

Ich hätte da eine andere Idee. Dabei gehe ich davon aus, dass die Gasversorger aus der Umlage ja 2,419 Cent pro Kilowattstunde Gas erhalten sollen. Wie wäre es, wenn die Umlage bei Privatkunden stattdessen auf 2,033 Cent festgesetzt würde? Rechnet man 19 Prozent Mehrwertsteuer dazu, landete man exakt bei 2,419 Cent.

In diesem Fall müsste der Staat nur die durch die Gasumlage eingenommene Mehrwertsteuer an die Gasversorger abführen. Das war’s. Die Gasversorger bekämen, was sie bekommen sollen, und die Verbraucher blieben von einer weiteren Zusatzbelastung verschont.

Ich fürchte allerdings, dass irgendein Passus in einer verstaubten EU-Verordnung auch eine solch einfache Lösung verhindert. Schade eigentlich. Warum einfach, wenn’s kompliziert geht?

Übrigens: Diese Regelung ist nur für Privatkunden sinnvoll. Unternehmen zahlen ja keine Mehrwertsteuer auf die Gasumlage.