Bandenkriminalität

Geldautomaten-Sprengungen in NRW: 13 Festnahmen, Razzia in Recklinghausen

Bei einem Großeinsatz gegen Geldautomaten-Sprenger in Deutschland und den Niederlanden hat es auch Razzien in NRW gegeben. In Recklinghausen fanden die Ermittler gleich 35 Handys.
Gesprengte Sparkassen-Geldautomaten in einem Container.
Die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen nimmt nicht ab. Banden haben sich darauf spezialisiert. Viele Banden kommen aus den Niederlanden nach NRW. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Ein internationales Ermittlerteam ist in mehreren Bundesländern und den Niederlanden gegen Geldautomaten-Sprenger vorgegangen. 13 mutmaßliche Täter seien über einen längeren Zeitraum festgenommen worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Die vorerst letzte Festnahme gab es demnach am Dienstag in der Nähe von Helmond in den Niederlanden. Zeitgleich durchsuchten rund 100 Beamte 16 Objekte in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Nachbarland.

Auch in Recklinghausen waren Ermittler im Einsatz. Nach Angaben der Polizei in Osnabrück handelte es sich vor allem um zivile Kräfte, weswegen der Einsatz wenig Aufsehen erregte. Die Beamten durchsuchten ein Wohnhaus in Recklinghausen. Die Bewohner leisteten offenbar keinen Widerstand. „Der Einsatz in Recklinghausen lief sehr kooperativ“, erklärte Marco Ellermann, Sprecher der federführenden Polizeidirektion Osnabrück auf Anfrage unserer Redaktion. Dabei stellten die Beamten 35 Mobiltelefone, weitere Speichermedien und Unterlagen sowie Aktenordner sicher. Bei dem Einsatz in Recklinghausen gab es laut Polizei keine Festnahmen.

Den Zugriffen sind monatelange verdeckte Ermittlungen vorausgegangen, die von der Zentralen Kriminalinspektion und der Staatsanwaltschaft in Osnabrück koordiniert wurden. Nach derzeitigen Erkenntnissen stehen 17 Mitglieder einer niederländischen Tätergruppierung im dringenden Verdacht, in unterschiedlicher Zusammensetzung insgesamt zwölf Geldautomaten-Sprengungen in Deutschland verübt zu haben, davon drei in NRW. Den Schaden beziffern die Ermittler auf mehr als vier Million Euro. Mit Geldautomaten-Sprengungen in Recklinghausen oder dem Kreis Recklinghausen werden die bisher Festgenommenen nicht in Verbindung gebracht.

In der Nacht zu Mittwoch sprengten Unbekannte einen Geldautomaten in Rösrath bei Köln. Auf einem Zeugenvideo könne man drei Männer sehen, die einen größeren Gegenstand in einen Kombi trugen und Richtung Autobahn 3 flüchteten, teilte die Polizei im Rheinisch-Bergischen Kreis mit. Die Ermittler nehmen an, dass die Unbekannten die Geldkassette des Automaten mitnahmen. An dem Gebäude entstand massiver Sachschaden, zeitweise bestand Einsturzgefahr. Gegen Mittag konnten die Bewohner zurückkehren.

In den Niederlanden gibt es nur noch wenige Geldautomaten

Bei der Aktion am Dienstag fanden die Beamten unter anderem mutmaßliche Täterkleidung, gestohlene Kennzeichen und mehrere Handys. In den Niederlanden zogen die Einsatzkräfte zudem einen Audi S5 und ein Motorrad im Wert von etwa 40.000 Euro ein. Marco Ellermann: „Wir gehen davon aus, dass die Fahrzeuge mit erbeutetem Geld aus den Automatensprengungen angeschafft wurden.“ Sichergestellt wurde in den Niederlanden neben zahlreichen weiteren Mobiltelefonen auch ein sogenannter „Jammer“ – ein Gerät zur Störung von Funksignalen.

Die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen war in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Monaten wieder angestiegen. Das Landeskriminalamt (LKA) macht vor allem Banden aus den Niederlanden dafür verantwortlich. In den Niederlanden gibt es nur noch wenige Geldautomaten, da die meisten Menschen mit Kreditkarte bezahlen. Die verbliebenen Automaten sind meist gut gesichert. Die deutschen Ermittler sehen daher einen „Verdrängungseffekt“, durch den vor allem Geldautomaten in NRW Opfer werden.



mit dpa

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