Landgericht Essen

Mädchen im Krankenzimmer missbraucht: Kinderarzt aus Gelsenkirchen gesteht

Ein Kinderarzt aus Gelsenkirchen soll Mädchen im Untersuchungszimmer missbraucht und bedrängt haben. Vor Gericht hat er jetzt gestanden, sich an den Mädchen vergangen zu haben.
Der angeklagte Kinderarzt steht beim Prozessauftakt neben seinem Verteidiger.
Der angeklagte Kinderarzt steht beim Prozessauftakt neben seinem Verteidiger. Er sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Die Mädchen waren vor Gericht in Tränen ausgebrochen, der angeklagte Kinderarzt hat lange gepokert. Am Donnerstag ist er verurteilt worden: zweieinhalb Jahre Haft – wegen sexueller Übergriffe am Krankenbett. Außerdem darf der Mediziner drei Jahre lang keine Frauen und Mädchen mehr behandeln.

Es passierte auf der Kinderstation eines Gelsenkirchener Krankenhauses. Der aus Syrien geflüchtete Arzt hatte gerade erst eine Anstellung erhalten. Das war im Sommer 2019.

Position ausgenutzt

Die Mädchen waren 14 und 15 Jahre alt. Sie litten und Schmerzen im Bauch- und Brustbereich. Das hat der Angeklagte ausgenutzt.

Es sei irgendwie mit ihm durchgegangen, hatte der 35-Jährige den Richtern am Essener Landgericht erklärt. Es sei einfach eine Gelegenheit gewesen, die sich ihm da geboten hatte. Dafür wolle er sich entschuldigen. Zum Prozessauftakt hatte er die Vorwürfe noch vehement bestritten.

Nun steht fest, dass die Schülerinnen die Wahrheit gesagt haben, als sie den Arzt angezeigt haben.

Mädchen hatten Angst und Panik

„Ich hatte richtig Panik“, hatte eine von ihnen damals bei der Polizei zu Protokoll gegeben. „Seine Art, mich anzufassen, hat mir Angst gemacht.“

Im Prozess ging es um Massagen unterhalb des BHs und um Berührungen an anderen intimen stellen. Außerdem soll der Angeklagte einem der Mädchen zweideutige WhatsApp-Nachrichten geschickt haben: „Bist Du alleine auf dem Zimmer? Soll ich Dich noch mal behandeln?“

Neue Vorwürfe aus Krefeld

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war die Zeit des Angeklagten in Gelsenkirchen dann auch schnell vorbei. Der 35-Jährige hatte danach allerdings noch einmal eine neue Anstellung in Krefeld gefunden. Auch dort soll wieder zu sexuellen Übergriffen auf eine – allerdings erwachsene – Patientin gekommen sein.

Dafür ist der 35-Jährige am Amtsgericht Krefeld auch schon zu einem Jahr und sieben Monaten Haft verurteilt worden – ohne Bewährung. Dieses Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat Berufung eingelegt, über die noch nicht entschieden worden ist.

„Niemand darf so etwas mit dir machen“

Im Essener Prozess hatte eines der Mädchen aussagen müssen, dem anderen war die Vernehmung nach dem plötzlichen Geständnis des Angeklagten gerade noch erspart geblieben.

„Du hast alles richtig gemacht“, sagte Richterin Dorothee Endriss der Schülerin, als sie mit ihrer Mutter zum vereinbarten Termin im Saal erschienen war. „Niemand darf so etwas mit Dir machen.“

Der Angeklagte befindet sich weiter in Haft. Seine eigene Familie – Ehefrau und zwei Kinder – sind noch immer ahnungslos. Auch ihnen gegenüber hatte der 35-Jährige die Vorwürfe immer bestritten.

Kinderpornographie auf dem Laptop

Als Arzt wird der am Niederrhein wohnende Mediziner wahrscheinlich nicht mehr arbeiten können. „Er steht vor dem Ende seiner Existenz“, sagte Verteidiger Stefan Tierel. „Dabei war er gerne Arzt – und auch ein guter Arzt.“

In der Anklage war außerdem von Kinder- und Jugendpornographie die Rede, die auf einem Laptop des Angeklagten gefunden worden war. Diese Vorwürfe sind auf Antrag der Staatsanwaltschaft jedoch am Ende eingestellt worden, da sie bei der Gesamtstrafe laut Gericht kaum ins Gewicht gefallen wären. Außerdem wären wahrscheinlich noch weitere Ermittlungen nötig gewesen.

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