Echte Kriminalfälle aus NRW im Fernsehen – „Wo ist meine Schwester?“

Ingo Thiel (Heino Ferch) und seine Kollegin Conny (Sina Bianca Hentschel) haben im nahe gelegenen Park einen Ohrring von Amelie gefunden in einer Szene aus «Wo ist meine Schwester?»
Ingo Thiel (Heino Ferch) und seine Kollegin Conny (Sina Bianca Hentschel) haben im nahe gelegenen Park einen Ohrring von Amelie gefunden in einer Szene aus «Wo ist meine Schwester?» © picture alliance/dpa/Lailaps Films/ZDF/ARTE
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Das Verschwinden des zehnjährigen Mirco am Niederrhein hat den Mönchengladbacher Mord-Ermittler Ingo Thiel vor zwölf Jahren bekannt gemacht. Die monatelange akribische Suche nach Mircos Mörder wurde bundesweit verfolgt und mit Heino Ferch in der Rolle des knurrigen, wortkargen Ermittlers schon vor Jahren preisgekrönt verfilmt.

Inzwischen ist der vierte Film der Thiel-Reihe fertig: „Wo ist meine Schwester?“ Arte zeigt den Film am Freitag (7.10., 20.15 Uhr). Online verfügbar ist er bis Anfang November. Wieder gab ein echter Fall die Vorlage. Regisseur ist Grimme-Preisträger Markus Imboden. Ingo Thiel fungiert als Fachberater für den Film, der die niederrheinischen Landschaften in ihrer Schönheit und manchmal auch Tristesse gut in Szene setzt.

Das seltsame Verschwinden von Amelie

Amelie verschwindet nach einer gemeinsamen Geburtstagsparty mit ihrer Zwillingsschwester Marie spurlos. Ihr Freund Jonas alarmiert am nächsten Morgen die Polizei. Kommissar Ingo Thiel ruft die Sonderkommission „Amelie“ zusammen. Tage vergehen, in der die Ermittler auf der Stelle treten. Die Hinweise aus der Bevölkerung entpuppen sich als falsch, weil sie der noch lebenden Zwillingsschwester gelten.

Doch dann gerät allmählich Amelies Freund Jonas unter Verdacht, ein allseits beliebter Rettungssanitäter. Der hat ausgerechnet in Amelies Mutter Dorothee, gespielt von Martina Gedeck, eine Fürsprecherin. Die wirkt vom Verschwinden ihrer Tochter zunächst nicht sehr berührt, beschafft ihm einen Anwalt und setzt damit seine Freilassung durch.

Doch die Kriminaltechnik liefert nach und nach Ergebnisse, findet heraus: Amelie war schwanger. Zweifel kommen auf: Kam sie in der Nacht tatsächlich nicht zu Hause an? Und was hat Amelie damit gemeint, als sie zu ihrer Schwester sagte: „So brav, wie du glaubst, bin ich gar nicht.“ Heino Ferch hat den echten Thiel mal so beschrieben: „Der brennt, der ist ständig auf Adrenalin, wenn so ein Ding läuft. Der ist ein sturer Hund, der nicht nachgibt, das ist auch das Geheimnis seines Erfolgs.“

Reale Ermittlungsarbeit und Übersinnliches

Als Gegenpol zur Ermittlungsarbeit spielt der Film mit Übersinnlichem: Kann die Zwillingsschwester Marie spüren, wie es um Amelie steht? Ist es Zufall, dass sie zu einer bestimmten Uhrzeit in der Nacht des Verschwindens kollabiert ist? Und wie steht es um die Menschenkenntnis von Mutter und Friseurin Dorothee, die glaubt, ihre Kunden beim Haareschneiden zu durchschauen?

Verschwinden von Mirko war der Auftakt für die Thiel-Filme

Im ersten Thiel-Film ging es um den Mord am zehnjährigen Mirco 2010 am Niederrhein, den der echte Thiel mit stoischer Akribie nach Monaten aufklären konnte. Der zweite Fall spielte in Duisburg und handelte von den dortigen Mafiamorden von 2007, bei denen nicht Thiel, sondern der Duisburger Heinz Sprenger als Ermittler das Sagen hatte.

Der dritte Fall zeichnete den Fall einer 14-Jährigen nach, die nach dem Schwimmtraining verschwindet. Wie schon bei diesem Film werden Orte und Zeiten auch beim neuen vierten Film nicht eins zu eins wiedergegeben, um die noch lebenden Beteiligten zu schützen.

Von einer True-Crime-Dokumentation ist der Krimi damit weit entfernt. Spannend bleibt der Film wegen seiner Wendungen. Die Rolle der sehr präsenten Witwe Dorothee (Martina Gedeck) ist dabei irritierend ambivalent angelegt: Mal erscheint sie als Femme fatale im roten Ledermantel mit Oberklasse-Sportwagen – dann als biedere Hausfrau in blauer Kochschürze. Das soll wohl so, aber ist das auch gut so? Ein fünfter Film der Thiel-Reihe ist in Planung. Er beruht auf einem erfolgreich gelösten Cold-Case-Fall vom Schreibtisch Ingo Thiels.

dpa