Geschlechtergerechte Sprache

Argumente für und gegen gendergerechte Sprache

Das Gendern wird seit einiger Zeit sehr kontrovers diskutiert. Doreen hat sich die Argumente der Befürworter und Gegner angeschaut und für Euch zusammengefasst.
Hier ein Beispiel für gendergerechte Sprache: Auf dieser Warnweste steht das Wort Ordner gegendert. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Es gilt als wohl eines der am meisten kontrovers diskutierten Themen in unserer Gesellschaft: „Die geschlechtergerechte Sprache“. Doch was spricht eigentlich dafür? Und was dagegen? Ich möchte für Euch beide Seiten dieses Streitthemas beleuchten und Euch einen Teil der Argumente auflisten, die sowohl Genderbefürworter als auch -Kritiker anführen.

Beginnen wir zunächst mit der Seite: „Gendern – Ja!“ .

1. Gleichstellung aller Menschen: Menschen, die sich positiv gegenüber dem Gendern äußern, führen in ihrer Argumentation die Geschlechtergerechtigkeit an. Das derzeitig verwendete generische Maskulinum wirke der Gleichstellung aller Geschlechter massiv entgegen, da eben nur das männliche Geschlecht benannt wird.

Durch das Gendern werde nicht nur eine bestimmte Gruppe an Menschen gemeint, sondern jeder und jede – egal ob weiblich, männlich, divers oder auch anderen Zuordnungen.

2. Männliche Vorstellungen im Kopf: Anhängerinnen und Anhänger der gendersensiblen Sprache führen zudem an, dass sich durch das generische Maskulinum, bei welchen alle Geschlechter mit der männlichen Form (z.B. Schüler) mit gemeint sind, viele Geschlechter sich in unserer Gesellschaft nicht angesprochen fühlen.

Ansprache aller Geschlechter in Stellenausschreibungen

Das generische Maskulinum sorge außerdem dafür, dass man automatisch das Bild einer Männergruppe im Kopf habe. Frauen, Diverse und andere Zuordnungen seien ausgeschlossen. Durch die vermehrte Einführung der geschlechtergerechten Sprache im Schriftbild würde jeder und jede Einzelne ein Bild von allen Geschlechterrollen im Kopf haben.

3. Mehr Chancen in der Berufswelt: Wenn das generische Maskulinum in Stellenausschreibungen genannt wird (z.B. „Bauingenieur gesucht“) fühlen sich die weiblichen Anwärterinnen – besonders bei technischen Berufen – weniger angesprochen.

Umso wichtiger sei es, laut Befürworterinnen und Befürwortern, hier zu gendern. Vielmehr Frauen würden sich dadurch trauen, sich bei einem dieser Berufe zu bewerben, da sie explizit genannt werden.

4. Positive Veränderungen in der Gesellschaft: Ein weiteres Argument ist, dass das Gendern unsere Gesellschaft forme. Wichtige Norme und Werte würden dadurch vermittelt werden. Es werde mehr Rücksicht aufeinander genommen und es führe zu mehr Akzeptanz. Das würde sich auch positiv auf Kinder auswirken, da sie durch das Gendern mit einer geschlechteroffenen Sicht aufwachsen würden.

Argumente der Gegenseite

Auf die positiven Argumente folgen nun die Argumente, die die meisten Kritiker in ihrer Argumentation anführen. Los geht´s mit der Seite: „Gendern – Nein!“

1. Beschädigung der Sprache: Die meisten Menschen, die dem Gendern kritisch gegenüberstehen, finden, dass sich die Sprache durch das Gendern massiv verändere. Sie werde komplizierter, unverständlicher und schwieriger zu verstehen und zu lesen. Es entstehe eine unnatürliche Sprachentwicklung, die auch zu Schwierigkeiten bei der Aussprache führen könne.

Starke Kontrolle der Aussprache befürchtet

2. Entstehung von Sprachzwang: Aber nicht nur das Lesen sorge für Schwierigkeiten, auch das Kommunizieren führe durch die gendersensible Sprache zu Problemen. Zukünftig würde permanent auf die Aussprache in der Gesellschaft geachtet werden. Es dürfe bloß nicht vergessen werden, beide Formen zu benennen. Laut Gender-Gegnern führe das zu einer Unfreiheit im Sprachgebrauch.

3. Verstärkung von Egozentrik: Kritikerinnen und Kritiker sehen aber auch noch ein anderes Problem: Neben der Entwicklung eines Sprachzwangs in der Gesellschaft verstärke sich durch die gendersensible Sprache auch die Egozentrik.

Ungleichheiten erst in anderen Bereichen beseitigen

Einzelne würden sich so verstärkt in den Vordergrund drängen und sich schon bei Kleinigkeiten mit anderen Dingen und Menschen messen. Jedes Wort würde auf die Goldwaage gelegt werden. Und viel häufiger würde sich jemand als ausgegrenzt betiteln.

4. Es gibt wichtigere Probleme: Gegnerinnen und Gegner des Genderns führen auch an, dass das Setzen von Gendersternchen nicht das hauptsächliche gesellschaftliche Problem löse. Es gäbe immer noch viele Bereiche, in denen es massive Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern in unserer Gesellschaft gibt.

Anstatt zu gendern solle laut Kritikerinnen und Kritikern zunächst einmal einige dieser Problematiken (Gehaltsunterschiede Mann und Frau etc.) gelöst werden.

Fazit: Zum Ende sei nochmal gesagt, dass alle Argumente sowohl der Pro- als auch der Kontra-Seite keinen zu irgendeiner Position drängen sollen. Das Thema galt lediglich dazu, Euch einen neutralen Einblick in beide Positionen zu übermitteln. Ob Ihr Euch nun zu einer der Meinungen positioniert und falls ja, zu welcher, ist Eure ganz eigene Entscheidung.

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