Fußball

Eine Bastion fällt: Ab sofort ist im Fußballkreis sogar die 99 möglich

Vereine und Kicker dürften erleichtert sein, Traditionalisten stöhnen auf: Auch der Fußballkreis Recklinghausen akzeptiert künftig Trikotnummern über 30. Aber er warnt: Nicht übertreiben!
Ist das Trikot mit der Nummer 9 nicht mehr, gibt's eben eine 45: So wie Mario Balotelli, hier im Trikot des FC Liverpool, halten es inzwischen auch viele Hobbykicker. © picture alliance / dpa

Die Älteren von uns erinnern sich dankbar an die goldenen 70er-Fußballjahre. Als Mannschaften noch akkurat von 1 (Torwart) bis 11 (Linksaußen) durchnummeriert waren. Ein Blick auf den Rücken eines Spielers langte und jeder wusste, was sein Job auf dem Platz ist.

Wem der Trainer das Trikot mit der Nummer 3 zuwarf, der verteidigte hinten links. Die 5 trug der Libero, eine Position, die aus der Mode gekommen ist und allenfalls noch in der Kreisliga C zu finden ist. Die 7 stürmte auf dem rechten Flügel, und die 9 war niemals eine „falsche“ – diese Nummer war für den Torjäger reserviert.

Glückszahl oder doch das Geburtsjahr der Freundin?

Lange her. Bei der Wahl ihrer Rückennummern sind Klubs und Kicker inzwischen bekanntlich kreativer. Da die meisten Fußballer offenbar abergläubische Menschen sind, wählen viele ihre Glückszahl. Oder verewigen das Geburtsjahr von Mama, Papa oder Freundin.

Und ist die Lieblingszahl 9 schon vergeben, nehmen sich auch Amateurkicker gern den italienischen Fußballstar Mario Balotelli zum Vorbild und lassen sich die 45 aufs Trikot bügeln. Macht in der Addition ja auch neun.

Lang hat der Kreis Widerstand geleistet

Gegen diesen – echten oder vermeintlichen – Wildwuchs hat der Fußballkreis Recklinghausen lange Widerstand geleistet. Dort hieß es bis zuletzt: Bitte nur Trikots mit Zahlen unter 30. Ein Klub, der die Nummer 33 vergeben wollte, musste einen Antrag stellen und den gut begründen. Wer dagegen verstieß, wurde mit Ordnungsgeldern zur Räson gebracht.

So wie neulich noch der TuS Haltern, der in Testspielen die 36 (Nico Pulver) oder die 42 (Janus Scheele) aufs Grün schickte. Dem Oberligisten brummte der für Freundschaftsspiele zuständige Staffelleiter Franz-Josef Humme prompt eine Strafe von 100 Euro auf – zum Ärgernis des Klubs.

Jeder Halterner Spieler erhält eine feste Nummer

Denn der hat gute Argumente auf seiner Seite. Der TuS tritt in der Oberliga an und mit seinem B-Team in der Landesliga. Jeder Halterner Seniorenspieler erhält für die Saison eine feste Nummer, was Wechsel zwischen Liga fünf und Liga sieben möglich machen soll. Dass Haltern bei zwei Kadern die Zahl 30 locker übertrifft, versteht sich.

Inzwischen hat auch der Fußballkreis erkannt: Die Zeit ist nicht aufzuhalten. „Ich bin ein der Tradition verpflichteter Fußballer“, bekennt der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey. „Aber es gibt Entwicklungen, die man nicht stoppen kann. Dem tragen wir nun Rechnung.“ Andere Fußballkreise haben dies längst getan – um sich nicht dem Ärger der Klubs auszusetzen.

Auf den aktuell noch laufenden Arbeitstagungen der Vereine im Fußballkreis kündigt Andreas Mermann, der Vorsitzender im Kreisfußballausschuss, nun an: Rückennummern auch jenseits der 30 sind im Fußballkreis ab sofort gestattet. Nach Testspielen bereits verhängte Ordnungsgelder würden zurückgenommen.

Aber weil Mermann die Fußballer und ihre Marotten kennt, beschwört er alle Vereine: „Bitte, kommt uns jetzt aber nicht mit dreistelligen Nummern.“ Wer meint, ein breites Kreuz zu haben und mit der 101 auflaufen zu müssen, der wird auch bestraft.

Nur zweistellige Nummern sind erlaubt

Ganz im Einklang mit der Spielordnung des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV) übrigens. Dort heißt es in Paragraph 28 wörtlich: „Die am Spielbetrieb teilnehmenden Mannschaften aller Spielklassen haben Spielkleidung zu tragen, die mit bis zu zweistelligen Rückennummern zu versehen ist.“ Zweistellig!

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