Fußballer wechselt die Fronten

Joshua Tamm: Ein Co-Trainer, der zugibt, keine Ahnung von der Sportart zu haben…

Joshua Tamm steht strahlend am Spielfeldrand. Die Spielerinnen der SG Ostvest bereiten sich gerade auf ein Testspiel vor. Der neue Co-Trainer gibt offen zu: „Vom Hallenvolleyball habe ich keine Ahnung.“
Dieses strahlende Lachen sagt alles: Joshua Tamm, neuer "Co" von SG-Trainerin Maike Weishaupt, ist für die Motivation der Mannschaft zuständig.

Wie kommt es, dass der einstige Keeper der ersten Teutonenmannschaft die Fußballhandschuhe beiseite gelegt, die Fronten gewechselt und gar Verantwortung für die Volleyball-Damen übernommen hat?

Wir fragen Maike Weishaupt. Die Trainerin der Spielgemeinschaft – bestehend aus Spielerinnen der einstigen Damenmannschaft des GV Waltrop und des TV Datteln – sagt das Zauberwort, das an diesem Abend von allen Seiten zu hören ist: Motivation. „Das macht er super.“

„Er ist ein Gewinnertyp“

Clara Breucker, Ur-Gestein der Waltroper Volleyballerinnen, erklärt, was „Josh“ ausmacht: „Er kann sehr schnell umschalten. Für ihn zählt: Fehler abhaken und auf den nächsten Punkt konzentrieren. Er hält nichts für unmöglich und glaubt immer an den Sieg. Er ist ein Gewinnertyp.“

Joshua Tamm studiert Management an der Uni Witten/Herdecke. Der 22-Jährige engagiert sich zudem bei den Jungen Liberalen, ist FDP-Mitglied. Seine Fußball-Laufbahn begann als Fünfjähriger beim VfB Waltrop. „Da war ich noch Stürmer. Dann bin ich aber ins Tor gegangen. Laufen ist nicht so meins“, erzählt der durchtrainierte Waltroper mit einem breiten Grinsen.

Bis zur D-Jugend trägt er das Trikot der Waltroper Teutonen, wurde gescoutet und wechselte für zwei Jahre zum Hombrucher SV. Mit 13 Jahren ging es zurück in die Heimatstadt, zum VfB, ehe dann Mengede 08/20 sein neuer Verein wurde. „Als ich ins zweite A-Jugend-Jahr kam, fragte mich Tim Braun, ob ich nicht zu den Teutonen wechseln wollte“, erinnert sich Joshua Tamm. Zu diesem Zeitpunkt entschied er sich für den Verbleib im Dortmunder Norden. Ein Jahr später aber wechselte er zu den Teutonen. „Wegen der kurzen Anfahrt zum SpoNo.“

2018/19 dann wurde er also Teutone, wurde der Mann hinter der Nummer eins im Tor, Philip Wölki. „Das Torwarttraining mit ihm und Macke (Christian Mackiewicz, Anmerkung der Redaktion) war einfach super“, erinnert sich Joshua Tamm.

Eineinhalb Jahre gehörte Torwart Joshua Tamm (vorne, sitzend) zum Kader der Teutonen-Fußballer. Jetzt hat er das Metier gewechselt. Rechts im Bild: der damalige Trainer Tim Braun. © Christine Horn (Archiv) © Christine Horn (Archiv)

Nach eineinhalb Jahren, die Saison wurde wegen Corona annulliert, war für ihn Schluss. „Ich hatte ausgerechnet, dass ich 40 Stunden im Monat für den Fußball aufbrachte. Das wurde mir neben dem Studium und der Parteiarbeit zu viel.“

Das Beachvolleyballfeld am SpoNo liegt gleich hinter dem Ost-Tor des Sportplatzes, wo er sonst das Tor hütete. „Gerade in der Vorbereitung, als das Wetter so schön war, habe ich dann gebeacht und den Jungs beim Schwitzen zugeschaut.“ Sein Part im Sand habe ihm deutlich besser gefallen.

Ganz ahnungslos ist der 22-Jährige, was den Volleyballsport betrifft, nicht. Der Waltroper hatte den Sport-Leistungskurs am Theodor-Heuss-Gymnasium besucht und dort auch Volleyball gespielt. Dann genoss er das Spiel im Sand. „Es war cool auch mit den Mädels aus der SG-Mannschaft zu spielen. Und dann kam der Punkt, dass sie mich und andere Jungs fragten, ob wir nicht mal bei einem ihrer Spiele in der Halle vorbeischauen wollten.“ Von wegen nur mal vorbeischauen…

Ja, die gibt’s auch: die SG-Ostvest-Ultras. © Christine Horn © Christine Horn

Die Unterstützer kristallisierten sich schnell als „Ultras“ heraus. Sie feuerten die Mädels an, fuhren auch bei Auswärtsspielen mit. Und einer von ihnen, eben Joshua Tamm, warf schon von der Tribüne aus die Motivationsmaschine an.

Und dann kam das Problem auf, dass nach dem Abschied von Co-Trainer Jürgen Knossalla der Posten vakant war. Wer aber sollte das Montagstraining leiten, wenn Maike Weishaupt, Spielerin der Regionalligamannschaft des TuS Herten, selbst Training hatte? „Das macht der Josh“, waren sich alle Beteiligte einig.

Andere Menschen zu motivieren, ist Joshua Tamms Ding

Und so kam es, dass der einstige Teutonen-Schnapper nun bei den SG-Damen als Co an der Seite steht. „Mittlerweile habe ich auch schon einiges dazu gelernt“, sagt der 22-Jährige bescheiden. Eines kann man aber nicht lernen: Mitmenschen zu motivieren. Entweder man kann‘s, oder eben nicht. Und da kommt noch einmal Clara Breucker ins Spiel: „Er hat eine mitreißende Art und versucht immer, das ganze Team zu motivieren und mitzuziehen, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Denn sein Blick fürs Positive bleibt auch in schwierigen Situationen.“