Coronavirus

Im Vergleich: Drosten stellt Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus

Der Virologe Christian Drosten hat die Corona-Lage in Deutschland mit zwei anderen Ländern verglichen. Besonders gut kommt Deutschland dabei nicht weg. Drosten hat dafür eine Erklärung.
Der Virologe Christian Droste hat die Lage Deutschlands mit anderen Ländern verglichen. © picture alliance/dpa/Reuters Pool

Die Corona-Lage hat sich in den letzten Wochen in Deutschland immer weiter verschärft. In Bayern sind erste Intensivstationen bereits an der Belastungsgrenze angekommen, in einigen Landkreisen in Thüringen liegt die Inzidenz bereits bei mehr als 600. Eine Erklärung für die Situation: Viele Menschen sind nicht geimpft, es besteht eine große Impflücke.

Auf diese Situation macht der Virologe Christian Drosten aufmerksam. Während in Deutschland „weiter beängstigende Zahlen“ Alltag seien, gebe es in Spanien, wo die Impfquote bei mehr als 80 Prozent liege, „Hoffnung auf Herdenimmunität“. Er appelliert: „Wir müssen mit allerhöchster Priorität die Impflücke schließen“, so Drosten bei Twitter.

In Spanien wurden einerseits nicht alle Maßnahmen aufgehoben, andererseits hätten auch die Temperatur dazu beigetragen, dass die Zahlen niedriger sind. „Im Winter wird es dort auch nicht mehr so einfach sein“, warnt Drosten.

Corona-Impfungen in Spanien vs. Deutschland

In Spanien sind bereits 81,4 Prozent der Bevölkerung geimpft. Dagegen haben in Deutschland nicht einmal 70 Prozent der Menschen einen vollständigen Impfschutz. Derzeit beträgt die Impfquote hierzulande 69,4 Prozent. Nur etwas höher ist die Impfquote in Großbritannien: Dort haben sich bisher 73,7 Prozent der Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen. Doch obwohl die Impfquoten ähnlich sind, sei die Situation in Großbritannien eine ganz andere, analysiert Drosten.

Obwohl die Impfquote in Deutschland nur leicht unter der von Großbritannien liegt, gibt es einen entscheidenden Unterschied: Großbritannien habe „viel mehr Genesene (und Verstorbene)“, schreibt Drosten bei Twitter. Aus diesem Grund geht der Virologe davon aus, dass sich die Corona-Lage in Großbritannien auch bald entspannen dürfte – eine Beruhigung der Situation „rückt nun langsam in Reichweite“.

Lauterbach: Deutschland ist sehr verletzlich

Was heißt dies nun für Deutschland? „Dies zu erreichen würde uns wohl eine ähnliche Zahl an Verstorbenen kosten“, meint Drosten und betont, dass die einzige Alternative das Schließen der Impflücke sei. Dies sei „ganz besonders bei den Älteren“ von großer Bedeutung.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach stimmt Drosten zu und meint: „Wenn wir jetzt Fehler machen, verlieren wir die recht gute Bilanz aus den letzten 1,5 Jahren.“ Eine Kombination aus wenigen Geimpften und wenigen Genesenen mache Deutschland sehr verletzlich in der vierten Welle.

16,2 Millionen Ungeimpfte

16,2 Millionen Menschen über zwölf Jahren seien in Deutschland noch nicht geimpft, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Mittwoch (3.11.). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte, das Auslaufen der epidemischen Lage sei von vielen als Tatsache missverstanden worden, dass die Pandemie vorbei sei. „Das ist nicht so“, unterstrich Spahn.

Man verlasse zwar einen rechtlichen Ausnahmezustand, aber die Pandemie sei da – und die vierte Welle mit voller Wucht. Spahn plädierte an die Bürgerinnen und Bürger, sich weiterhin an die Hygieneregeln zu halten. Die „Pandemie der Ungeimpften“ sei massiv.

RND

Der Artikel "Im Vergleich: Drosten stellt Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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