Wochenkommentar

Ausgelassen feiern? Waltrop lässt sich Zeit

Aus Sorge vor Corona-Rückschlägen: Unsere Stadt kehrt nur langsam zurück zur Normalität. In einigen Nachbarstädten ist schon wieder Trubel angesagt.
Thomas Bartel, Waltroper Zeitung © Stephan Schütze

Ausgerechnet Gladbeck: Die Stadt, die uns im Kreis Recklinghausen regelmäßig die höchsten Inzidenzwerte beschert, will die Corona-Pandemie jetzt offenbar schnellstens verdrängen. Am ersten September-Wochenende jedenfalls wird dort das Appeltaten-Fest groß gefeiert. Eine volle Innenstadt ist garantiert. Und auch andere Nachbarstädte wagen Aktionstage in der City: Recklinghausen etwa lädt gleich an mehreren Terminen in die Altstadt, auch Datteln lockt mit Stadtfest und Rabattaktionen. Die Innenstädte sollen endlich wieder belebt werden, die Geschäfte sollen sich füllen, die Kassen klingeln.

Delta, Urlaubsrückkehrer, Schulstart – ein Risiko?

Dass dies wünschenswert ist und dass viele Einzelhändler die Einnahmen bitter nötig haben, ist klar. Doch ob dies angesichts steigender Infektionszahlen, der Delta-Variante, der vielen Urlaubsrückkehrer und des Schulbeginns in der kommenden Woche auch vernünftig ist? Wie kann gesichert werden, dass die Besucher geimpft, genesen – oder zumindest getestet sind?

Waltrop geht da einen anderen Weg: Das große Parkfest wurde schweren Herzens abgesagt. Kein Riesenrad, keine Sonswas-Bühne, kein Disco-Zelt, kein Konzert-Marathon, kein Feuerwerk. Als Ersatz gibt es überschaubare Einzelveranstaltungen – für Kinder, für Musikbegeisterte und für Fans von Fritz Eckenga. Immerhin!

Auch in der Fußgängerzone wird es vorerst keine Massenveranstaltungen geben, das beliebte „Brunnengeflüster“ feiert in diesem Herbst kein Comeback mehr. Die Veranstalter scheuen verständlicherweise das Risiko, denn wer sollte bei einem solchen gemütlichen Abend die Hygiene-Regeln sicherstellen?

Die Gastronomie muss erst die Lücken wieder füllen

Auch in Waltrop drängt die Wirtschaftsförderung: Die Gastronomie solle doch bitteschön dafür sorgen, dass die Fußgängerzone auflebt. Auch Neuigkeiten machen die Runde: Ein portugiesisches Restaurant könnte in die ehemalige „Pam Pam“ einziehen, von einem Café Extrablatt am Marktplatz ist die Rede.

Doch die Wirte und Chefköche plagen derzeit noch andere Sorgen – sie müssen die Lücken, die Corona in der Küche oder beim Service geschlagen hat, erst wieder auffüllen. Personal fehlt – und das zurückzuholen, ist gar nicht so einfach!

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, sagt der Volksmund. Vielleicht ist es besser, nicht gleich mit großem Trubel, sondern langsam zur Normalität zurückzukehren und Rückschläge zu vermeiden. Damit Waltrop bei den Inzidenzwerten weiterhin ganz unten steht.

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