Greifvögel

Mäusebussard greift Jogger an der Hafenstraße an

Das war ein Schock für den Waltroper Marcel Lehmann, als er beim Joggen plötzlich einen Schlag auf den Hinterkopf verspürte. Ein Mäusebussard war offenbar in Verteidigungshaltung gegangen.
Der Mäusebussard kann schon mal ärgerlich werden, wenn man ihm und seiner Familie zu nahe kommt. © dpa

Eigentlich wollte Marcel Neumann ganz normal eine Runde joggen gehen. Diesmal hatte er sich eine andere Strecke als seine üblichen ausgesucht und lief an der Hafenstraße entlang, Richtung Kanalbrücke Viktorstraße. Plötzlich, ohne jede Vorankündigung, habe er einen harten Schlag gegen den Hinterkopf verspürt, berichtet der 36-Jährige. „Ich hab mich dann geduckt und einen großen Vogel wegfliegen sehen – einen Mäusebussard“, berichtet Marcel Lehmann später.

Dass es sich um einen Mäusebussard handelt, da habe er keine Zweifel. Er habe ein ausgestopftes Exemplar zu Hause. „Das war kein Falke und auch kein Sperber.“ Marcel Lehmann ahnt auch, warum der Vogel ihn angegriffen hat: „Der wird in der Nähe sein Nest haben und wollte bestimmt seine Kinder beschützen.“

Diese Einschätzung teilt eine, die sich gut auskennt mit derlei Greifvögeln: Sabine Ehmanns-Kamp ist ausgebildete Falknerin und seit vielen Jahren mit ihren Tieren in diversen Einrichtungen unterwegs, um Klein und Groß ihre Tiere näherzubringen.

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass der Bussard mit diesem „Werkzeug“ äußerst schmerzhafte Wunden schlagen kann. © dpa © dpa

Sie sagt zu Marcel Lehmanns Annahme, dass es ein Bussard war, der ihn angegriffen hat, weil er in Sorge um seinen Nachwuchs war, sofort: „Ganz sicher!“ Sonst griffen Mäusebussarde keine Menschen an, aber: „Jetzt ist Brutzeit“, unterstreicht Sabine Ehmanns-Kamp. Und da könne das Tier schon mal ungemütlich werden, wenn sich jemand dem Gelege oder den frisch geschlüpften Jungen nähere – selbst wenn das ungewollt passiert, wie in Marcel Lehmanns Fall. „Wer würde seine Kinder nicht verteidigen“, sagt die Falknerin. „Meine Kinder sind 28 und 30, und wenn denen jemand etwas tun würde, würde ich heute noch wie eine Furie dazwischengehen!“, sagt die Falknerin lachend. Jedenfalls sei das Angriffs-Verhalten ganz typisch für Mäusebussarde.

Narbe auf der Stirn blieb zurück

Und: Die Greifvögel können sich durchaus heftig wehren: Vor Kurzem habe sie bei einem Falkner-Tag einen Mann getroffen, der eine Narbe auf der Stirn gehabt habe: Im Vorjahr sei er ebenfalls von einem Mäusebussard angegriffen worden.

Auch der Waltroper Marcel Lehmann hat nach eigenem Bekunden eine leichte Platzwunde am Kopf davongetragen. So schnell werde er jedenfalls an der Stelle an der Hafenstraße nicht mehr joggen gehen, hat er sich vorgenommen.

Bussard rückt näher an die Städte heran

Sabine Ehmanns-Kamp kann sich recht gut erklären, warum es immer wieder dazu kommt, dass die Greifvögel Menschen angreifen: „Der Mäusebussard rückt immer näher an die Städte heran, weil es nicht mehr so viele geschützte Räume für ihn gibt“, weiß die Gladbeckerin, die schon beim Sommerferienprogramm in Waltrop zu Gast gewesen ist mit Schleiereule, Frettchen, Bussard und anderen Tieren. Sie sei auch vor Kurzem noch im Awo-Seniorenheim zu Gast gewesen, berichtet die Falknerin, Hundetrainerin und Jägerin. Auch seien die Menschen überall in der Natur unterwegs, und da liefen sie eben bisweilen auch in Bussard-Lebensräume.

Wo und wann kommt es zu Bussard-Attacken?

Mäusebussarde zählen zu den häufigsten Greifvogelarten in Deutschland. Sie brüten häufig in Wäldern, gern in Waldrandnähe und in Feldgehölzen. Nähert sich ein Mensch einem Horst – so nennt man das Nest größerer Vögel –, dann greifen Mäusebussarde bisweilen Menschen an. Das geschieht manchmal schon während der Brut und der Jungenaufzucht, vor allem aber in der Zeit, wenn die Jungvögel den Horst verlassen.

Sie sind dann noch unerfahren und somit besonders gefährdet. In dieser sogenannten Ästlingsphase sind die Elterntiere extra-aufmerksam und können Menschen unter Umständen als Bedrohung wahrnehmen.

Anfang bis Mitte April legen Bussarde zwei bis vier Eier, etwa nach fünf Wochen schlüpfen die Küken, und nach weiteren sechs bis sieben Wochen verlassen sie den Horst.

Was man tun kann gegen Angriffe? Den Bereich, in dem sich der Horst befindet – sofern man ihn denn kennt – in der kritischen Zeit von Mai bis Juli meiden. Kommt es doch zu einer Attacke, könne es helfen, einen Regenschirm oder einen Stock über den Kopf zu halten, denn Bussarde griffen meist den höchsten Punkt an, wissen Experten des Naturschutzbundes (Nabu). Nicht immer aber dürfte dieser Schutzmechanismus gelingen, denn wie in Marcel Lehmanns Fall bleibt manchmal nicht genug Zeit für derlei Maßnahmen. „Sobald man den unmittelbaren Nestbereich verlassen hat, werden keine Attacken mehr geflogen“, heißt es vom Nabu.

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